Sandplatz (Tennis)

Spieloberfläche im Tennis From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Sandplatz (englisch clay court) ist eine der vier Spieloberflächen im Tennissport. Er besteht meistens aus Ziegelmehl, einem Recyclingprodukt aus zerkleinerten Ziegelsteinen.

Court Philippe Chatrier in Roland Garros während der French Open 2006
Zusammensetzung eines Sandplatzes:
(1) Deckschichtbelag, ca. 2 bis 3 cm.
(2) dynamische Schicht, ca. 6 bis 12 cm.
(3) Tragschicht, ca. 10 bis 15 cm.
(4) Filterschicht, ca. 2 cm.
(5) Erdplanum

Verwendung

Sandplätze sind vor allem in kontinentaleuropäischen und lateinamerikanischen Ländern weit verbreitet und befinden sich meistens im Freien. Das wohl bekannteste Sandplatz-Turnier sind die French Open in Paris, welche seit 1891 auf dieser Unterlage ausgetragen werden. Die Spieloberfläche stellt eine Herausforderung dar, da sie im Gegensatz zu Hart- und Rasenplätzen wesentlich langsamer ist. Grund dafür ist, dass die Bälle relativ hoch abspringen und dadurch an Tempo verlieren. Dies hat zur Folge, dass die Spiele im Durchschnitt länger dauern als Spiele auf anderen Belägen.

Traglufthalle über einem Sandplatz

Die meisten Tennisplätze bestehen aus rotem Sand. 1992 gab es Experimente in der Verwendung von blauem Sand. Innerhalb einer Mixveranstaltung mit Steffi Graf und Yannick Noah kam er in Paris zum Einsatz.[1] Bei den Madrid Masters 2012 führte der Turnierdirektor Ion Țiriac den andersfarbigen Untergrund ein. Der blaue Sand war jedoch nach Meinung der Spieler schneller und rutschiger als der rote Sand und erntete deshalb viel Kritik.[2][3] Ein Jahr später wurde wieder auf rotem Sand gespielt.

Das Regelwerk der ITF lässt verschiedene Breiten der Linien zu. Die Markierungslinien sollen bei der Aufschlagmittellinie fünf Zentimeter und alle anderen Linien zwischen 2,5 und 5 cm breit sein. Ausgenommen die Grundlinien, deren Breite bis zu 10 cm betragen darf. Auf Sandplätzen sind Linien in einer Breite von vier oder fünf Zentimetern gängig. Als Standard gelten Linien, die durchgehend vier Zentimeter breit sind. Diese entsprechen allerdings nicht den Linienbreiten der offiziellen ITF-Regeln, da die Mittellinie nicht fünf Zentimeter breit ist. Flexible Tennisplatzlinien aus Hart-PVC sind das Standardzubehör für die dauerhafte Markierung eines Tennisplatzes.

Für den Winterbetrieb können auch Sandplätze mit einer Traglufthalle überdacht werden.

Monte Carlo hat bei den Rolex Monte-Carlo Masters den langsamsten Platz von allen, das liegt am sehr feinen und etwas feuchteren Ziegelmehl. Beim Sandplatzturnier der Internazionali BNL d’Italia in Rom ist das Ziegelmehl trockener und etwas gröber, dadurch ist der Platz schneller. In Madrid ist bei den Mutua Madrid Open der Belag fast so schnell wie ein Hartplatz, weil hier nur eine dünne Ziegelmehlschicht auf einem festen, harten Untergrund liegt. Genauso ist das auch beim Damen-Turnier Porsche Tennis Grand Prix 2026 in Stuttgart.[4]

Pflege

Tennisplätze benötigen eine regelmäßige Pflege. Zum Saisonstart muss eine Intensivpflege der Tennisplätze erfolgen, die drei bis vier Wochen dauern kann. Hierzu wird der Sandplatz gewässert und mehrfach gewalzt. Falls Unebenheiten vorhanden sind, insbesondere im Grundlinienbereich, wird die Fläche leicht aufgeraut, neues Ziegelmehl aufgeworfen und mit einem Schleppnetz egalisiert. Die Linien, die meist aus einem Band bestehen, werden auf ebenerdigen Sitz geprüft.

Im regulären Spielbetrieb wird der Platz wetterabhängig täglich nachts und/oder früh morgens bewässert. Dies sollte auch möglichst vor jedem Spielbetrieb kurz erfolgen. Die Bewässerung kann per Hand oder durch eine Sprinkleranlage erfolgen. Tennisplätze werden regelmäßig und nach jedem Spiel mit einem Schleppnetz, möglichst mit stabilem Holzbalken, ganzflächig abgezogen. Alle Linien werden abgebürstet. Auch während der Saison wird bei Bedarf neues Ziegelmehl aufgeworfen und mit einem Schleppnetz egalisiert. Bei zu stark verdichteter bzw. verhärteter Ziegelmehldecke wird die Wassermenge reduziert und die Plätze mit einem Stahldrahtbesen mehrfach abgezogen.[5]

Erfolgreichste Spieler

Der Spanier Rafael Nadal wird oft als Sandkönig (engl. king of clay) bezeichnet, da er mehrere Rekorde auf dieser Unterlage hält.[6][7] Er gewann zum Beispiel vierzehn Mal die French Open und konnte die Monte Carlo Masters ebenfalls elfmal gewinnen. Insgesamt gewann er bislang 63 Turniere auf diesem Belag, dem wiederum 25 Turniersiege auf Hartplatz und vier Siege auf Rasen gegenüberstehen.

Zwischen 1973 und 1979 war die US-Amerikanerin Chris Evert auf Sand 125-mal in Folge siegreich – ein bis heute unerreichter Rekord. Sie gewann zwischen August 1973 und Mai 1979 alle ihre Partien auf diesem Belag.

Als Sandplatzspezialisten werden zahlreiche Tennisspieler geführt. Anthony Wilding, Sergi Bruguera, Albert Costa und Gastón Gaudio waren French-Open-Champions, die alle oder fast alle Titel ihrer Karriere auf Sand gewannen. Andrés Gimeno, Adriano Panatta, Manuel Orantes, Yannick Noah, Michael Chang, Thomas Muster, Gustavo Kuerten, Carlos Moyá und Juan Carlos Ferrero gewannen große Titel nur auf Sand.

Unter den Spielerinnen gab es nur wenige, deren beste Ergebnisse ausschließlich auf Sand erzielt wurden. Virginia Ruzici, Anastassija Myskina, Iva Majoli, Sue Barker, Ana Ivanović, Francesca Schiavone, Jeļena Ostapenko und Barbora Krejčíková sind die einzigen Spielerinnen, die seit Beginn der Open-Ära nur bei den French Open große Titel gewonnen haben.

Meiste Siege auf Sandplatz

Seit 1990 siegten folgende Spieler bei einem ATP 1000 Turnier auf Sandplatz am häufigsten (Stand: 28. April 2026):[8]

Weitere Informationen Spieler, Anzahl ...
Spieler Anzahl
Spanien Rafael Nadal200
Serbien Novak Đoković137
Schweiz Roger Federer113
Spanien David Ferrer080
Deutschland Alexander Zverev072
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Andere Belagsmaterialien

Marija Scharapowa auf einem Green Clay court, 2008

in Schottland wird teilweise auch der beim Kohleabbau anfallende Schiefer als Belagsmaterial verwendet. Auf den Philippinen gibt es Tennisplätze aus zerstoßenen Muschelschalen.

Unter Canada Tenn-Tennisplätzen versteht man einen speziellen Sandplatzbelag, der von seinen Spieleigenschaften denen eines roten Sandplatzes sehr ähnelt, aber wesentlich mehr Spielcomfort bietet. Der Grundstoff wird bei diesem Belag aus dem Gestein „Grüner Diabas“ gewonnen und anschließend mit einem Bindemittel versetzt. Canada Tenn hat eine maximale Korngröße von unter 2 mm und ergibt eine ebenmäßige Oberfläche. Dadurch wird ein genaueres Ballsprungverhalten und optimale Standfestigkeit erreicht. Es schont die Gelenke. Der Vertrieb von Canada Tenn wurde eingestellt; als Alternative kann der in Teilen Nordamerikas verwendete Green Clay (Metabasalt) verwendet werden. Er ist unter den Markennamen Har-Tru and Rubico bekannt.[9][10]

Ausgewählte Sandplatzturniere

Siehe auch

Commons: Sandplatz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Sandplatz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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