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Santa Maria Maddalena delle Convertite

Gebäude in Venedig, ehemals Kloster, Krankenhaus und Gefängnis From Wikipedia, the free encyclopedia

Santa Maria Maddalena delle Convertite ist ein ehemaliger Kirchen- und Klosterkomplex auf der Giudecca, einer Inselkette am Südrand des historischen Zentrums der Stadt Venedig. Dort lebten Frauen, überwiegend ehemalige Prostituierte, von denen die Republik Venedig erwartete, dass sie sich entweder zur Buße zurückzogen oder sich dort auf ein den Idealen der Zeit eher entsprechendes Leben vorbereiteten. Später wurde der Komplex kurzzeitig als Druckerei, nämlich von 1557 bis 1561,[1] dann als Militärhospital, schließlich seit 1837 als Teil eines Frauengefängnisses genutzt.

Die Fassade der Kirche
Der Baukomplex neben der Kirche am Rio delle Convertite

Geschichte

Die Konvertitinnen (Convertite), wie man zur Umkehr bereite Frauen nannte, hatten sich bereits vor 1525 im Ospedale degli Incurabili gesammelt, wobei man 220 im Jahr 1553 und im Jahr 1620 fast 400 von ihnen zählte.[2]

Zur Zeit Papst Julius’ III. gegründet, um „sündigen“ Frauen, die Buße tun wollten, einen Rückzugsort in der Tradition der Magdalenenheime zu bieten, unterstand das Kloster dem Patriarchen und dem Abt von San Giorgio. Dabei klärte eine Bulle von Papst Paul IV., dass Governatori für die wirtschaftliche, hingegen der Patriarch und seine Nachfolger für die spirituelle Leitung verantwortlich sein sollten. 1564 unterstützte der Senat mit Geldmitteln das Haus, finanziert u. a. aus Bußgeldern. Die Einrichtung, auch wenn sie ein Kloster war, entsprach den Kriterien der Sozialpolitik der frühneuzeitlichen Republik Venedig, die zwischen Philanthropie und äußerst repressiver Strenge ihr Ziel verfolgte, unerwünschte Personen aus der Stadt zu entfernen oder ihnen zumindest soziale Räume zuzuweisen und andere zu versperren. Dabei verdichtete sich die Sozialkontrolle zunehmend. Dem Kloster der Convertite, das 1407 auf die private Initiative des Zuanne Contarini mit dem kleinen Ospitale di Santa Margherita zurückging, folgte als erste staatliche Einrichtung Venedigs, die ausschließlich der Isolierung ehemaliger Prostituierter diente, um 1577 die Casa del Soccorso und im Jahr 1700 das Ospedale delle Penitenti.

Zwischen 1530 und 1534 begannen die ersten „von Gott bekehrten sündigen Frauen“, sich auf der Giudecca in einigen gemieteten Räumlichkeiten in der Nähe von Sant’Eufemia niederzulassen, nachdem sie aus dem Ospedale degli Incurabili auf der gegenüberliegenden Seite des Giudecca-Kanals hierher gekommen waren. Im selben Jahr erhielten sie von Papst Julius III. die Erlaubnis, der Augustinerregel zu folgen. Der Kern des Klosters wurde 1543 errichtet, die Kirche etwa zehn Jahre später.

Der erste Kaplan des Klosters, Pater Pietro Leon da Valcamonica, musste gestehen, dass er mit zwanzig der abhängigen Frauen Geschlechtsverkehr gehabt und deren Neugeborene getötet hatte. Er wurde am 10. November 1561 enthauptet und anschließend zwischen den Säulen des Markusplatzes verbrannt. Vor seinem Tod versuchte er, die Unschuld der Oberin zu beteuern, die jedoch im Gefängnis blieb, wo sie am 27. Dezember 1564 starb.

Die Kirche wurde 1576 vom Patriarchen von Venedig Giovanni Trevisan der Maria Magdalena geweiht. Zwischen 1595 und 1606 wurde das Institut dank einiger Vermächtnisse erweitert. Es wurde während der Zeit des Bestehens versucht, die ehemaligen Prostituierten als Arbeitskräfte in Haushalten unterzubringen oder sie zu verheiraten.

Giacomo Guardi (1764–1835): Le Convertite, Museo Correr

Am 31. Juli 1601 entschied der Senat angesichts der Untätigkeit der Governatori, eine Congregazione aus zwölf Gouvernatoren zu bilden, davon sollten sechs Patrizier und sechs Cittadini sein. Deren Zahl wurde unter gleichen Bedingungen am 12. Juli 1690 auf zwanzig erhöht.[3] Zwischen 1696 und 1698 wurde ein neues Parlatorium sowie ein neuer Schlafsaal errichtet. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die kleine Kirche erneut renoviert.

Unter Napoleon wurde die Einrichtung aufgelöst, unter österreichischer Herrschaft entstand 1837 ein Frauengefängnis unter Leitung des Ordens des Vinzenz von Paul.

Nach Cesare Augusto Levi stand die Kirche zu seiner Zeit im „servizio della Casa di pena femminile“, stand also wohl schon in Diensten des nunmehr staatlichen Frauengefängnisses (Casa di reclusione femminile di Venezia-Giudecca).[4]

Literatur

  • Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 126, S. 82.
  • Giuseppe Tassini: Curiosità veneziane ovvero origini delle denominazioni stradali di Venezia, Scarabellin, Venedig 1863, 3. Auflage, Fontana, Venedig 1882, S. 178 f. (9. Auflage, Filippi, Venedig 1988). (Digitalisat der Ausgabe von 1882)
  • Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 530 f. (Digitalisat)
Commons: Santa Maria Maddalena delle Convertite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

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