Santa Maria delle Penitenti
Gebäude in Venedig, ehemalige Kirche
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Santa Maria delle Penitenti ist ein venezianischer Kirchenkomplex nebst Hospiz, der ab 1730 im äußersten Nordwesten des Sestiere Cannaregio entstand. Das Hospiz diente bis 1797 als Zuflucht für Frauen und Mädchen, die sich aus ihrem alten Leben als Prostituierte lösen wollten. Die Einrichtung wurde häufig als „Konservatorium“ bezeichnet. Die Kirche stand ab 1744 für Gottesdienste zur Verfügung, der Komplex von 1797 bis 1995 älteren, unabhängigen Frauen als Hospiz, nach 1945 auch Flüchtlingen aus ehemals italienischen Gebieten, seit der Renovierung Pflegebedürftigen. Das Haus blickt auf den Canale di Cannaregio und befindet sich an den Fondamenta delle Penitenti, Cannaregio 893; nördlich erstreckt sich die Calle Longa de le Penitenti.


Geschichte
Errichtet wurde das Haus auf Initiative des Pfarrers Rinaldo Bellini nach einem Entwurf von Giorgio Massari. Im Nordwesten des Sestiere Cannaregio, am Rande der Stadt, sollten, wie es Flaminio Corner formulierte, ‚reuige Frauen leben, die, aus den Fängen der Dämonen befreit, sich dort in zurückgezogener Strenge versammelten und durch ein geregeltes Leben die Unordnung der vergangenen Zeit wiedergutmachen‘ wollten.[2] Bellini hatte schon zum selben Zweck 1703 ein Haus in der Gemeinde Santa Marina geführt. Die Einrichtung entstand zwischen 1730 und 1749. Bereits 1744 wurde die Kirche für den Gottesdienst geöffnet. Geweiht wurde sie 1763 durch den Bischof von Ceneda Lorenzo da Ponte unter dem Namen Patrocinio di Maria Vergine.
Das Haus am Stadtrand, das Mädchen und Frauen zwischen 12 und 30 Jahren aufnahm, erhielt erhebliche Unterstützung durch den Patriarchen von Venedig, Giovanni Alberto Badoer, sowie durch Paolo Contarini, einen adligen Priester, der über reiche Geldmittel verfügte.
Nach dem Ende der Republik Venedig im Jahr 1797 kamen dort bis 1995 alte, vermögende Frauen in einem Hospiz unter. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden auch aus Kriegsgebieten geflohene Frauen aufgenommen, insbesondere Flüchtlinge von Istrien und aus den Kolonien Nordafrikas. 1956 kamen Frauen aus dem Ospissio de San Boldo (Gemeinde San Boldo) und dem Ospissio Aletti (San Moisè) sowie dem Ospissio Bandi (San Canzian) hinzu, da diese Häuser geschlossen wurden.
Von 2009 bis 2015 wurde der gesamte Komplex restauriert. Schließlich entstanden darin ein Haus für ältere, abhängige Menschen sowie eine Tagespflege für Alzheimer-Patienten. Nach Anmeldung kann er besichtigt werden.
Literatur
- Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 148, S. 93.
- Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 336 f. (Digitalisat)
- Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil I, Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1787, S. 332 f., n. 79 („Le Penitenti, ein der Andacht gewiedmeter Ort für Büssende“). (Digitalisat)
Weblinks
- Fondamenta delle Penitenti, Cannaregio 893. “Pio loco” delle Penitenti e Chiesa di Santa Maria del Patrocinio, Istituzioni Pubbliche di Assistenza Veneziane
- Pio loco de le Penitenti, veneziamuseo.it
- Restauro e riuso del complesso del Pio loco delle Penitenti, Maura Manzelle, architetto
- Restauro della Chiesa di S. Maria delle Penitenti, Maura Manzelle, architetto