Santa Ternita

abgerissenes Kirchengebäude in Venedig, Italien From Wikipedia, the free encyclopedia

Santa Ternita, auch Chiesa della Santissima Trinità, war eine Kirche im Osten des venezianischen Sestiere Castello am gleichnamigen Campo, westlich des nahegelegenen Arsenals. Sie trägt den Namen der Dreifaltigkeit oder Trinität und bestand vom 11. oder 12. Jahrhundert bis 1832. An das Gebäude erinnern Namen in der Umgebung, wie derjenige des Kanals Rio dei Scudi e de la Santa Ternita oder der Campo Santa Ternita. Auf der gegenüberliegenden Seite des Rio de San Francesco della Vigna steht die Kirche Santa Maria della Celestia am gleichnamigen Campo, wo sich heute das kommunale historische Archiv befindet.

Die venezianische Kirche im Plan des Jacopo de’ Barbari, um 1500 (Detail). Gut zu erkennen ist der 1880 zusammengebrochene Campanile.
Schild am Campo S. Ternita

Geschichte

Verschiedene Chroniken datieren den Bau der Kirche in das 11. Jahrhundert. Erbauer waren demnach die Familien Sagredo und Celsi. Giambattista Gallicciolli nahm das Jahr 1030 als Gründungsjahr an.[1]

Santa Ternita behielt lange Zeit, da sie von den Laien der Pfarrei gestiftet und demzufolge auch verwaltet worden war, das Recht, den Pfarrer zu wählen. Dieses Recht wurde durch eine Kapitelresolution von 1472 bestätigt, in der die Gemeinde über die Methoden und Kriterien zur Wahl des Pfarrers eine Entscheidung traf. Bis 1807 war es ein Collegio, geleitet von einem Kapitel. Dieses bestand aus zwei Priestern, einem Diakon, einem Subdiakon und zwei Akolythen. Sie verwalteten die Pfründe und waren für die Verwaltung zuständig, teilten sich aber auch die seelsorgerische Betreuung der Armen und Kranken der Gemeinde mit dem Pfarrer.

Doch funktionierte diese Aufgabenteilung nur begrenzt, so dass die Erträgnisse entsprechend der Beteiligung oder Einlage aufgeteilt wurden, während die Seelsorge dem Pfarrer überlassen wurde. Dieser wurde von einem Sakristan unterstützt, der später mit dem Pfarrer für die Führung der kanonischen Register und die Durchführung der Messen verantwortlich war.

Zu Anfang war die Pfarrei der Kathedrale San Pietro Apostolo angeschlossen. Die Verpflichtungen im Zusammenhang mit der Filiation erforderten, dass die Kleriker an Santa Ternita verschiedene Aufgaben übernahmen, wie etwa am Karsamstag die Segnung des Taufbeckens in der Mutterkirche, wobei sie das Weihwasser von ihrer eigenen Kirche mitbrachten.

Palma der Jüngere: Kreuzigung, ein Werk, das 1579/1580 in der Ternita aufgehängt wurde, und das sich heute in der Kirche Madonna dell’Orto befindet.
Francesco Guardi: Insegna dell'arte dei Coroneri, um 1750, heute in der Ca’ Rezzonico. In Santa Ternita waren zwei Scuole ansässig, nämmlich Santa Maria degli Angeli und San Francesco dei Coroneri. Deren Angehörige stellten Rosenkränze sowie hölzerne Knöpfe her, die sogenannten „Aneme“.

Von 1505 bis 1507 wurde die Kirche umgebaut, doch war dieser Umbau wohl 1517 noch immer nicht abgeschlossen. Ein Brand im Arsenal traf die Kirche 1569 so heftig, dass wahrscheinlich eine komplette Renovierung nötig wurde. 1721 erfolgte ein erneuter Umbau unter Leitung von Anastasio Bez, dem 1710 gewählten Pfarrer und Nachfolger von Marcantonio Scolari.[2] Nach der Mitte des 18. Jahrhunderts, wohl vor 1782, wurde die Hauptkapelle mit den beiden Seitenkapellen renoviert.

Francesco Rizzo: Das letzte Abendmahl, heute in San Francesco della Vigna

Die 1807 vom napoleonischen Königreich Italien erlassenen Aufhebungen kirchlicher Einrichtungen betraf zwar die Ternita nicht, die als Pfarrkirche beibehalten und der sogar die Kirche Santa Giustina unterstellt wurde, doch wurde durch ein weiteres Dekret des Königreichs vom 25. April 1810 die Pfarrei Santa Trinità dauerhaft aufgehoben und ihr Gebiet zusammen mit der angeschlossenen Pfarrei Giustina in die neu gegründete Pfarrei San Francesco della Vigna eingegliedert. Die Kirche Santa Ternita wurde 1812 geschlossen, zeitweise als Lager genutzt und 1832 abgerissen, auf dem Gelände entstanden Arbeiterwohnungen.[3] Ein Teil des Gemeindegebietes ging an San Martino.

Einige der Kunstwerke gelangten in andere Kirchen, wie etwa die Kreuzigung, ein Werk von Jacopo Palma dem Jüngeren, das heute in Madonna dell’Orto steht.

Der Grund, auf dem die nunnehr abgerissene Kirche stand, sollte umgenutzt werden, als Venetien von Österreich an Italien 1866 abgetreten wurde. Der zweite Präfekt der Provinz Luigi Torelli, 1867 bis 1872 im Amt, trat mit Vertretern der örtlichen Elite, wie dem Bürgermeister Giobatta Giustinian und den Stadträten Antonio Fornoni und Elia Vivante, der Società edificatrice di case per operai a Venezia (Gesellschaft für den Bau von Arbeiterwohnungen in Venedig) bei. Sie verwaltete nicht nur die neuen Arbeiterwohnungen, die auf den Grundstücken der ehemaligen Kirche, aber auch auf dem Campo Sant’Agostin errichtet wurden. Dabei machte die Gesellschaft erhebliche Gewinne, die sie unter ihren Gesellschaftern verteilte.[4] Am 13. Dezember 1880 brach der Campanile aus dem 11. oder 12. Jahrhundert um 16 Uhr 10 zusammen, wobei er umliegende Gebäude zerstörte.[5]

Literatur

Commons: Santa Ternita – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

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