Wikiwand AI

Sante De Sanctis

italienischer Mediziner From Wikipedia, the free encyclopedia

Camillo Sante de Sanctis (geb. 7. Februar 1862 in Parrano, gest. 20. Februar 1935 in Rom) war ein italienischer Arzt, Psychiater und Psychologe. Sante de Sanctis gilt als einer der Begründer der Kinderpsychologie und der kindlichen Neuropsychiatrie in Italien.[1] Er war Professor der Experimentalpsychologie und Dozent der Psychiatrie in Rom.

Camillo Sante De Sanctis

Er war Herausgeber der Zeitschrift Rivista quindicinale di psicologia, psichiatria, neuropatologia, ad uso dei medici e dei giuristi ("Vierzehntägliches Journal für Psychologie, Psychiatrie, Neuropathologie, für den Gebrauch von Ärzten und Juristen"). Er führte das Konzept der Dementia praecocissima in die Psychiatrie ein ("Dementia praecocissima catatonica" (1908). Folia Neurobiol. 1: 9–12). Er ist Verfasser von Die Mimik des Denkens (Halle, Marhold, 1906)[2]. Sein Buch über religiöse Konversion erschien 1927 auf Englisch.[3] Seine Autobiographie erschien zuerst in der History of psychology in autobiography von Carl Murchison.[4]

Studien zum Schlaf und zu Träumen

Sante de Sanctis untersuchte den Schlaf mit den Methoden der experimentellen Psychologie und ist insbesondere wegen seiner Publikationen zu den Träumen bekannt. Für das Handbuch der vergleichenden Psychologie von Gustav Kafka lieferte er den Beitrag zur "Psychologie des Traumes" (1922).[5] Dieser Publikation vorausgegangen war sein Buch Die Träume. Medizinisch-psychologische Untersuchungen zu dessen erweiterter deutscher Übersetzung P. J. Möbius eine Einführung schrieb (Halle a. S., Carl Marhold, 1901).

Sante De Santis Intelligenztest

Von ihm wurde ein Testverfahren entwickelt und 1905 publiziert, das nach seinen Aussagen zwar nicht in erster Linie darauf ausgelegt ist, das Intelligenzniveau zu messen, sondern das den Grad der geistigen Behinderung erfassen soll. Dennoch kann dieses Verfahren als ein früher Intelligenztest angesprochen werden, das kurz nach der Veröffentlichung des Binet-Simon-Test von 1904 in italienischer Sprache 1906[6] und im gleichen Jahr in französischer Sprache[7] veröffentlicht wurde; die englische Publikation erfolgte 1911[8]. Das Verfahren wurde sowohl im englischen[9][10] wie auch im französischen Sprachraum[11] rezipiert.

Das Verfahren besteht aus sechs Aufgaben(gruppen), wobei sowohl Wahlhandlungen wie auch verbale Begründungen erfasst werden. Beispielsweise werden bei der ersten Testaufgabe fünf Holzkugeln in verschiedenen Farben (rot, grün, blau, orange und gelb) vorgelegt und der Prüfer fordert die Testperson auf: „Gib mir eine Kugel.“ Die zweite Aufgabe folgt ca. eine Stunde später, wobei gefragt wird: „Welche Kugel hast Du mir gegeben?“ Bei der dritten Testaufgabe werden zehn gleichfarbige geometrische Holzformen vorgegeben (fünf Würfel, drei vierseitige Pyramiden und zwei Parallelepipede). Der Prüfer hält einen sechsten Würfel hoch und fragt den Probanden: „Zeige mir alle in dieser Gruppe, die ähnlich sind.“ Bei der Testaufgabe sechs 6a fragt der Prüfer: „Sind große Dinge schwerer oder leichter als kleine?“ und dann als Testaufgabe 6b: „Wie kommt es, dass kleine Dinge manchmal schwerer sind als große?“ und schließlich 6c: „Sehen entfernte Dinge kleiner oder größer aus als nahe gelegene Dinge?“ und 6d: „Erscheinen sie nur kleiner oder sind sie wirklich kleiner?“ Bei einer Studie von A. Leila Martin[12] an Kindern aus normalen Schulen und aus einer Schule für geistig Behinderte zeigten sich zwischen diesen Gruppen nach dem Intelligenzalter, erfasst mit dem Binet-Simon-Test, bedeutsame Unterschiede in der Lösungshäufigkeit im De Sanctis Test; zudem wiesen alle Aufgaben in allen Gruppen eine deutliche Altersprogression auf.

Publikationen (Auswahl)

  • de Sanctis S. (1899a), I sogni. Studi clinici e psicologici di un alienista, Bocca, Torino.
  • de Sanctis S. (1899b), La cura e l'educazione dei fanciulli deficienti col sistema degli educatori, prima relazione (semestrale) sull'asilo-scuola per fanciulli deficienti di povera condizione, Roma.
  • de Sanctis S. (1900a), I fondamenti scientifici della psicopatologia. Lezione I: Il fondamento biologico, Rivista di Scienze Biologiche, 2 (1–2), 55–77.
  • de Sanctis S. (1900b), I fondamenti scientifici della psicopatologia. Lezione II: Il fondamento anatomofisiologico, Rivista di Scienze Biologiche, 2 (6–7), 463–478.
  • de Sanctis S. (1901), Sulla classificazione delle psicopatie, relazione letta all'XI Congresso della Società freniatrica italiana, Ancona, 29 settembre – 3 ottobre.
  • de Sanctis S. (1904), La mimica del pensiero, Sandron, Palermo.
  • de Sanctis S. (1910), Patologia e profilassi mentale, in A. Tamburini (a cura di), Trattato di medicina sociale, Vallardi, Milano.
  • de Sanctis S. (1911), Su di un nuovo procedimento per lo studio del lavoro mentale, Rivista di Psicologia, 5, Bologna, 216–217.
  • de Sanctis S. (1919), Psicologia della vocazione, Rivista di Psicologia, 15.
  • de Sanctis S. (1922), La psicotecnica contemporanea, in Atti del III Convegno degli Psicologi Italiani, Napoli, 1922 [ripubblicato in Difesa sociale, 1922].
  • de Sanctis S. (1925), Neuropsichiatria infantile. Patologia e diagnostica, Stock, Roma.
  • de Sanctis S. (1929–1930), Psicologia sperimentale, 2 voll., Stock, Roma.
  • de Sanctis S. (1933), La Psicopatologia di ieri, di oggi e di domani, Rassegna di Studi Psichiatrici, 22 (2), 183–205.
  • de Sanctis S. (1934a), Guida pratica alla Semeiotica neuro-psichiatrica dell'età evolutiva, Bardi, Roma.
  • de Sanctis S. (1934b), Psicologia e psicopatologia, Rivista di Psicologia, vol. 30 (1), 1–12.

Einzelnachweise und Fußnoten

Literatur

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks