Sant’Alvise
Kirchengebäude in Cannaregio, Venedig
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Sant’Alvise ist eine Kirche im venezianischen Sestiere Cannaregio, im äußersten Norden der Stadt. Sie reicht bis ins Jahr 1388 zurück und verweist im Namen Alvise, also Ludovico oder Ludwig, auf den gleichnamigen Bischof von Toulouse. Vor der Kirche befindet sich der Campo S. Alvise. Der Klosterbau von 1388 geht auf Antonia Venier, Tochter des Dogen Antonio Venier, zurück.



Geschichte
Der Überlieferung nach geht die Kirche auf den Dogen Antonio Venier zurück, der für seine verwitwete Tochter Antonia ein Kloster bauen wollte. Sie hatte zuvor zwei Erscheinungen des hl. Ludwig von Toulouse († 1297) gehabt, in denen sie nicht nur zum Bau eines Klosters aufgefordert wurde, sondern sogar über den Ort (bei den Seilwindern) Hinweise erhielt. Doch dem Senat widerstrebte es, angesichts der Misere vieler dieser Einrichtungen, noch ein weiteres Zenobium zuzulassen. Erst nach einer dritten Vision soll sie die Erlaubnis erhalten haben, wie Flaminio Corner berichtet.[2] Sie und einige andere Frauen folgten nun der Regel des hl. Augustinus. Doch es kamen keine weiteren hinzu, so dass die neue Gründung einzugehen drohte. In einer vierten Vision erhielt sie von Ludwig das Versprechen, dass aus den Bergen um Serravalle bald neue Frauen ins Kloster kommen würden. Tatsächlich flohen viele Nonnen aus Serravalle in das Kloster, als die Truppen König Ludwigs von Ungarn 1356 in Venetien einfielen. Viele von ihnen blieben, nachdem ihnen der Prokurator des Klosters einen dauerhaften Aufenthalt angeboten hatte. Die beiden verbliebenen Nonnen, die noch die Gründerin gekannt hatten, stellten genauso viele Zellen zur Verfügung, wie die Geflohenen brauchten, die selbst aufgrund einer Vision ausgerechnet dieses Kloster aufgesucht hatten.
Lorenzo Giustiniani, Bischof von Castello, erlangte 1436 von Papst Eugen IV. Indulgenzen, dazu das Recht auf einen Confessore, der das Recht hatte, vergangene und sogar zukünftige Sünden zu vergeben, wie Corner betont (S. 332). 1456 brachte der venezianische Händler Niccolò Carpentario eine Reihe von Reliquien aus Konstantinopel mit, darunter einen Teil des vollständig erhaltenen Körpers des hl. Basilius, „Vescovo nella Natolia, e morto nell’anno 917“, oder eine Reliquie des hl. Felix aus den römischen Katakomben.
Wie archäologische Untersuchungen erwiesen, erfolgten Landgewinnungen und der Ausbau des Komplexes in drei Schritten. Die ältesten Strukturen entstanden demnach in den 1340er Jahren, dann weitere in den frühen 1370er Jahren. Wiederum zehn Jahre lang erfolgte eine Erweiterung um 1400.[3]
Im 17. Jahrhundert wurde die Kirche umgebaut, der Glockenturm blieb gotisch. In der Nachbarschaft zogen Suore Canossiane (Canossianerinnen) ein, Angehörige eines karitativen Frauenordens, der im 19. Jahrhundert in Verona gegründet worden war. Dort, am Campo S. Alvise, unterhalten sie das Istituto Figlie della Carità Canossiane.
Literatur
- Andrea Gallo: Sant’Alvise. Una chiesa e un monastero tra storia e leggenda, Marcianum Press, Venedig 2019.[4]
- Johanna Fassl: Le figure degli „orientali“ nell’ „Incoronazione di spine“ di Giambattista Tiepolo a Sant’Alvise, in: Giuseppina Menin Muraro, Daniela Puppulin: Decimo e undicesimo Incontro in ricordo di Michelangelo Muraro : 15 maggio 2001 e 2002, Centro Studi Berici, Sossano 2003, S. 9–31.
- Herbert Rosendorfer: Kirchenführer Venedig, Edition Leipzig, 2008, 2. Aufl., E. A. Seemann, 2013, S. 198–200.
- Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 329–332 (Chiesa di S. Ludovico). (Digitalisat)
- Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil I, Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1787, S. 324 f., n. 74 („S. Alvise, Augustiner-Nonnen“). (Digitalisat)