Sara Duterte
philippinische Kommunalpolitikerin, Bürgermeisterin der Stadt Davao, Philippinen
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Sara Duterte Carpio (* 31. Mai 1978 in Davao City als Sara Zimmerman Duterte) ist eine philippinische Rechtsanwältin und Politikerin. Von 2010 bis 2013 sowie erneut von 2016 bis 2022 war sie Bürgermeisterin von Davao City. Seit dem 30. Juni 2022 ist sie Vizepräsidentin der Philippinen. Im Februar 2026 erklärte sie ihre Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2028.[1] Im Mai 2026 stimmte das Repräsentantenhaus der Philippinen zum zweiten Mal für ein Amtsenthebungsverfahren gegen sie; bei einer Verurteilung im Senat könnte sie von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen werden.[2] In der Öffentlichkeit wird sie auch häufig Inday Sara genannt. Die Bezeichnung Inday ist in den südlichen Philippinen eine ehrende Anrede; Duterte griff sie auch als politische Selbstbezeichnung einer aus dem Süden stammenden Politikerin gegenüber dem Machtzentrum Manila auf.[3]

Leben
Sara Duterte ist die Tochter von Rodrigo Duterte, einem philippinischen Politiker und ehemaligen Präsidenten der Philippinen, und Elisabeth Abellana Zimmerman, der Tochter deutsch-amerikanischer Einwanderer. Sie ist Rodrigo Dutertes zweites Kind mit dessen erster Ehefrau und seine älteste Tochter.[3] Ihr Vater beschrieb sie als „Alpha“-Figur der Familie, die meist ihren Willen durchsetze.[3] In ihrer Jugend wollte sie Ärztin werden; 1999 schloss sie ein Studium der Atemtherapie ab.[3] 2005 erwarb sie einen juristischen Abschluss und bestand anschließend die philippinische Anwaltsprüfung.[3]
Sara Duterte ist seit dem 27. Oktober 2007 mit dem Rechtsanwalt Manases Carpio verheiratet.[4] Das Paar hat drei Kinder. Gemeinsam betreiben sie die Anwaltskanzlei Carpio and Duterte Lawyers.[5][6] Ihren Kindern gab sie Spitznamen wie „Sharky“, „Stonefish“ und „Stingray“.[1] Nach BBC-Angaben trägt sie mit ihren beiden Brüdern passende Tätowierungen.[1]
Politischer Werdegang
Kommunalpolitik in Davao City
Nach ihrer Ausbildung zur Rechtsanwältin wurde Duterte 2007 zur Vizebürgermeisterin von Davao City gewählt und amtierte damit in der Heimatstadt ihrer Familie an der Seite ihres Vaters.[3] Rodrigo Duterte wollte, dass seine Tochter in die Kommunalpolitik eintrat, damit sie seine lokale Machtbasis in Davao absichern konnte, falls er selbst auf nationaler Ebene kandidieren sollte.[3]
Bei den Kommunalwahlen im Mai 2010 kandidierte Sara Duterte als Bürgermeisterin und gewann die Wahl mit einem Vorsprung von über 200.000 Stimmen auf den zweitplatzierten Kandidaten Prospero Nograles.[7] Nach der Vereidigung am 28. Juni 2010 übernahm sie das Amt am 30. Juni 2010 von ihrem Vater, der bis dahin mit Unterbrechungen insgesamt rund 20 Jahre lang Bürgermeister der Stadt gewesen war. Sie wurde damit 21. Bürgermeisterin von Davao City, im Alter von 32 Jahren die jüngste Bürgermeisterin der Stadtgeschichte und zugleich die erste Frau in diesem Amt.[8] Am Ende ihrer Antrittsrede bat sie die Öffentlichkeit ausdrücklich, sie „Inday Sara“ zu nennen.[3]
In Davao City bauten die Dutertes ihren politischen Ruf auf, besonders hart gegen Kriminalität vorzugehen, was sie als notwendig für Sicherheit und wirtschaftliche Entwicklung darstellten.[1] Landesweite Aufmerksamkeit erregte Duterte 2011, als sie in einem Konflikt um die Räumung einer informellen Siedlung einen Gerichtsvollzieher vor laufenden Fernsehkameras schlug.[3] Ein lokales Medium gab ihr danach den Spitznamen „the slugger“.[3]
Nach einer Amtsperiode wurde 2013 erneut ihr Vater Rodrigo Duterte zum Bürgermeister von Davao City gewählt. Als dieser 2016 nicht mehr als Bürgermeister kandidierte, sondern sich erfolgreich um das Amt des Präsidenten der Philippinen bewarb, wurde Sara Duterte erneut zur Bürgermeisterin von Davao City gewählt und am 20. Juni 2016 zu ihrer zweiten Amtszeit vereidigt.[9] Sie amtierte in Davao City, während ihr Vater von 2016 bis 2022 Präsident der Philippinen war.[1]
Vizepräsidentschaft und Bruch mit Marcos
2021 entschied sich Duterte für den Wechsel in die nationale Politik.[3] Bei den Wahlen 2022 bildete sie gemeinsam mit Ferdinand „Bongbong“ Marcos Jr. das Wahlbündnis Uniteam, das die Präsidentschafts- und Vizepräsidentschaftswahl mit großem Vorsprung gewann.[10][1] Nach der Wahl galt die Annahme, Duterte könne sich durch die Vizepräsidentschaft für eine eigene Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2028 positionieren, da philippinische Präsidenten auf eine einzige sechsjährige Amtszeit beschränkt sind.[3]
Die Allianz zwischen Marcos und Duterte zerbrach jedoch bereits in den ersten Jahren der gemeinsamen Amtszeit. Duterte hatte öffentlich den Wunsch geäußert, Verteidigungsministerin zu werden, erhielt im Kabinett Marcos jedoch das Bildungsressort.[3] Bald darauf prüfte das Repräsentantenhaus ihren Antrag auf vertrauliche Mittel, also Gelder, die ohne strenge Dokumentationspflichten ausgegeben werden können.[3] Im Juli 2024 trat Duterte aus dem Kabinett zurück; danach verschärfte sich ihr Ton gegenüber Marcos deutlich.[3]
Die Auseinandersetzung zwischen der Familie Duterte und dem Lager Marcos gilt seitdem als prägend für die philippinische Politik.[10] Zu den Auslösern der Eskalation gehörten Untersuchungen von Marcos-Verbündeten im Repräsentantenhaus zu mutmaßlichem Missbrauch öffentlicher Mittel in Dutertes Büro.[2] In einer nächtlichen Online-Pressekonferenz erklärte Duterte, sie habe für den Fall ihrer eigenen Tötung mit einer Person darüber gesprochen, Präsident Marcos, First Lady Liza Araneta-Marcos und den damaligen Sprecher des Repräsentantenhauses Martin Romualdez töten zu lassen.[2] Sie bestritt später, den Präsidenten bedroht zu haben, und erklärte, ihre Äußerungen seien missverstanden worden.[11]
Ein weiterer Konfliktpunkt war der Umgang der Regierung Marcos mit Rodrigo Duterte. Im März 2025 ließ Marcos die Festnahme Rodrigo Dutertes durch den Internationalen Strafgerichtshof zu.[1] Rodrigo Duterte wurde in Den Haag inhaftiert und erwartet dort ein Verfahren wegen mutmaßlicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang mit dem „Krieg gegen Drogen“ während seiner Präsidentschaft von 2016 bis 2022.[11] Sara Duterte reiste nach seiner Festnahme in die Niederlande, um ihn in Gewahrsam zu sehen.[3] Die Forderung, Rodrigo Duterte „nach Hause zu holen“, wurde anschließend zu einem wichtigen Motiv in der Kampagne für von Sara Duterte unterstützte Senatskandidaten.[3]
Amtsenthebungsverfahren
Im Februar 2025 stimmte das Repräsentantenhaus erstmals für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Duterte, unter anderem wegen des Vorwurfs des Missbrauchs öffentlicher Mittel und wegen der Drohungen gegen Marcos.[3] Am 25. Juli 2025 erklärte der Oberste Gerichtshof der Philippinen das Verfahren aus formalen Gründen für verfassungswidrig, bevor ein Senatsverfahren beginnen konnte.[10] Einige Wochen später entschied der Senat, zunächst kein Verfahren gegen sie zu eröffnen, womit Duterte politisch gestärkt aus der Krise hervorging.[12]
Am 11. Mai 2026 stimmte das Repräsentantenhaus erneut für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Duterte.[11] 257 der 290 anwesenden Abgeordneten votierten für die Anklageerhebung und damit deutlich mehr als das erforderliche Drittel der Kammer.[2] Die Vorwürfe betrafen mutmaßlichen Missbrauch öffentlicher Mittel, ungeklärtes Vermögen sowie die Drohungen gegen Marcos, dessen Ehefrau und Romualdez.[11] Eine Woche vor der Abstimmung hatte ein Ausschuss des Repräsentantenhauses erklärt, es gebe ausreichende Gründe für eine Amtsenthebung.[2] Duterte bezeichnete das Verfahren in einer schriftlichen Stellungnahme als politisch motiviert und blieb den Ausschussanhörungen fern.[2] Ihr Verteidiger erklärte nach der Abstimmung, nun liege es an den Anklägern, die Vorwürfe nach Recht und Beweisregeln zu belegen.[2]
Die Anklage wurde an den Senat weitergeleitet, der über eine mögliche Verurteilung zu entscheiden hat.[11] Für eine Verurteilung sind zwei Drittel der 24 Senatoren erforderlich.[11] Beobachter hielten den Ausgang für unsicher, weil Duterte im Senat als stärker verankert galt als im von Marcos-Verbündeten dominierten Repräsentantenhaus.[11] Kurz vor der Abstimmung im Repräsentantenhaus wählte der Senat mit Alan Peter Cayetano einen langjährigen Verbündeten der Duterte-Familie zu seinem Präsidenten.[11] Im Fall einer Verurteilung könnte Duterte von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen werden, was ihre geplante Präsidentschaftskandidatur 2028 gefährden würde.[2]
Politisches Profil und aktuelle Einordnung
Duterte gilt als eine der wichtigsten politischen Figuren des Landes seit dem Bruch zwischen den Lagern Marcos und Duterte. Nach ihrer Ankündigung im Februar 2026, 2028 für das Präsidentenamt kandidieren zu wollen, wurde sie von Beobachtern als zentrale Herausforderin im Machtkampf mit Marcos eingeordnet.[1] Im März 2026 führte sie in einer Umfrage des Instituts WR Numero mit 17 Prozentpunkten Vorsprung vor dem nächstplatzierten möglichen Kandidaten.[2] Marcos kann nach der Verfassung 2028 nicht erneut antreten.[1]
Ihr Aufstieg steht in einem von politischen Dynastien geprägten System; mächtige Familien stellen einen großen Teil des Kongresses, und Dutertes Karriere ist eng mit der langjährigen Machtbasis ihrer Familie in Davao verknüpft.[12] Zugleich blieb sie besonders im Süden der Philippinen und unter vielen im Ausland arbeitenden Filipinos populär.[3] Bei den Zwischenwahlen im Mai 2025 schnitten Duterte-nahe Kandidaten besser ab als viele Bewerber aus dem Marcos-Lager, was die Mehrheitsverhältnisse für ein mögliches Senatsverfahren gegen sie politisch bedeutsam machte.[3] Die Wahl galt auch als Stimmungsbarometer für die Regierung Marcos.[1]
Duterte pflegt ähnlich wie ihr Vater ein betont hartes öffentliches Image. Beide teilen eine Vorliebe für schwere Motorräder.[3] Ein 2009 von Wikileaks veröffentlichtes Kabel der US-Botschaft in Manila beschrieb sie als hartgesinnte Persönlichkeit, die ähnlich wie ihr Vater schwer zugänglich sei.[3] Ihr Auftreten und ihre konfliktreiche Rhetorik wurden von Anhängern nicht nur toleriert, sondern trugen in Teilen der Öffentlichkeit zu ihrem politischen Profil bei.[3]
Außenpolitisch kritisierte sie eine stärkere Anlehnung der Regierung Marcos an die USA und erklärte, die Philippinen sollten sich an keine Großmacht „anlehnen“; ob und inwieweit sie das Verhältnis zu China neu ausrichten würde, galt jedoch als offen.[12] Gleichzeitig hatten sich die Beziehungen zu den USA seit 2016 vertieft; Ende Juli 2025 meldete die Regierung Marcos ein Handelsabkommen mit Washington als Erfolg, was den Spielraum für eine schnelle Neuausrichtung begrenzen könnte.[12] Im anhaltenden Machtkampf mit Marcos verfügt Duterte über eine wachsende Zahl an Verbündeten im Kongress, die Vorhaben des Präsidenten blockieren könnten.[12]