Sara Facio
argentinische Fotografin, Journalistin, Herausgeberin und Kuratorin
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Sara Facio (18. April 1932 in San Isidro – 18. Juni 2024 in Buenos Aires) war eine argentinische Fotografin, Journalistin, Herausgeberin und Kuratorin, die u. a. zusammen mit der Fotografin Alicia D'Amico Porträts von wichtigen Persönlichkeiten der argentinischen und internationalen Kulturszene schuf.[1]


Leben
1953 schloss sie in Buenos Aires ihr Studium an der Escuela Nacional de Bellas Artes ab. 1955 erhielt sie ein Stipendium der französischen Regierung und lebte ein Jahr lang in Paris, wo sie Bildende Kunst und später Fotografie studierte. 1957 begann sie im Studio von D'Amicos Vater als Fotografin zu arbeiten und bildete sich bei Annemarie Heinrich in Fotojournalismus weiter.[1][2][3]
1960 ließ sie sich zusammen mit Alicia D'Amico erneut in Buenos Aires nieder. Von diesem Zeitpunkt an widmete sie sich beruflich der Porträtfotografie, der Werbung, der Bildreportage und dem Schreiben für die wichtigsten Zeitungen und Zeitschriften in Buenos Aires, auch für Europa und die Vereinigten Staaten. Sie hatte leitende Positionen in der Argentinischen Fotografievereinigung inne. Zusammen mit D’Amico schuf sie Fachrubriken in den Tageszeitungen Clarín und La Nación sowie in den Zeitschriften Autoclub und Vigencia. Sie schrieb Artikel für die Tageszeitungen La Prensa, Tiempo Argentino und La Opinión de Buenos Aires sowie für die Zeitschriften Fotomundo aus Argentinien, Camera aus der Schweiz und Photovisión aus Spanien. Sie publizierte Fotos für Briefmarken und veröffentlichte Fotokurse für Schulbücher.[4][5][6]
1973 gründete Sara Facio zusammen mit María Cristina Orive La Azotea, ihren Fotografie-Verlag, der zu dieser Zeit in Lateinamerika der einzige war, der sich ausschließlich diesem Fachgebiet widmete. 1979 rief sie zusammen mit anderen Fotoschaffenden (Alicia D'Amico, Eduardo Comesaña, Andy Goldstein, Annemarie Heinrich, María Cristina Orive und Juan Travnik) den Consejo Argentino de Fotografía (Argentinischer Rat für Fotografie) ins Leben. Die Aufgabe des Rats war die Verbreitung und Erforschung der nationalen Fotografie sowie der weltweite Austausch mit Fotoschaffenden. 1985 war sie die Gründerin der Fotogalerie des Teatro General San Martín.[2][7]
Von 1978 bis zu ihrem Tod im Jahr 2011 war ihre Lebenspartnerin die Autorin María Elena Walsh.[8] Sara Facio starb am 18. Juni 2024 im Alter von 92 Jahren in Buenos Aires.[9][10]
Auszeichnungen
1982 erhielt sie den Premio Konex für Fotografie (zusammen mit Alicia D’Amico) und 1992 den Premio Konex Platin als beste argentinische Fotografin des Jahrzehnts.[2]
Sie nahm an zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen teil, und sie wurde mit dem Titel „Artiste“ (Künstlerin) der Fédération Internationale de l’Art Photographique (Schweiz) geehrt. Im Jahr 2011 wurde sie zur Ehrenbürgerin der Stadt Buenos Aires ernannt.[11]
Wichtige Werke
Sara Facio porträtierte einfache Leute in ihrem Alltag oder populäre Ereignisse wie zum Beispiel die Menschen rund um die Beisetzung von Juan Perón. Sie ist jedoch auch bekannt für ihre Porträts von Eva Perón, der Kunst und Literaturszene Lateinamerikas wie Antonio Berni, Adolfo Bioy Casares, Jorge Luis Borges, Julio Cortázar, Gabriel García Márquez, Alberto Girri, Federico Luppi, Leopoldo Marechal, Tita Merello, Manuel Mujica Lainez, Pablo Neruda, Silvina Ocampo, Olga Orozco, Astor Piazzolla, Alejandra Pizarnik, Susana Rinaldi, Juan Rulfo, Ernesto Sabato, Osvaldo Soriano, Mercedes Sosa, Aníbal Troilo, David Viñas, María Elena Walsh etc.[2][12]
Ihre Fotografien sind unter anderem Bestandteil der Sammlungen des Museo Nacional de Bellas Artes in Buenos Aires, des Museum of Modern Art in New York (MoMA), des Museo Reina Sofía in Madrid sowie in renommierten Privatsammlungen.[12]
Zudem hat sie eine Reihe von Fotobüchern herausgegeben, die in vielen Fällen in Zusammenarbeit mit anderen Fotografinnen wie Sara D'Amico oder María Cristina Orive oder bedeutenden Schriftstellern wie Julio Cortázar oder Miguel Ángel Asturias entstanden sind, zum Beispiel: Buenos Aires, Buenos Aires, 1968; Humanario, 1976; Actos de fe en Guatemala, 1980. Heute sind die Fotobücher von Sara Facio Gegenstand von Forschungen und Ausstellungen und werden in den Sammlungen für gedruckte Fotografie von Bibliotheken und Museen aufbewahrt.[2]
Bibliografie
- Buenos Aires — Buenos Aires. Mit Texten von Julio Cortázar. Buenos Aires, 1968
- Geografía de Pablo Neruda. Mit von Pablo Neruda handschriftlich verfassten autobiografische Anmerkungen sowie Fotografien von Sara Facio und Alicia D’Amico. Barcelona, 1973
- Retratos y autorretratos (Porträts und Selbstporträts). Mit Texten von Miguel Angel Asturias, Adolfo Bioy Casares, Jorge Luis Borges, Guillermo Cabrera Infante, Alejo Carpentier, Julio Cortázar, Carlos Fuentes, Gabriel García Marquez, Alberto Girri, Eduardo Mallea, Ricardo E. Molinari, Manuel Mujica Lainez, Pablo Neruda, Silvina Ocampo, Juan Carlos Onetti, Nicanor Parra, Augusto Roa Bastos, Octavio Paz, Juan Rulfo, Ernesto Sábato, Mario Vargas Llosa sowie Fotografien von Sara Facio und Alicia D’Amico. Buenos Aires, 1974
- Cómo tomar fotografías. Sara Facio und Alicia D’Amico. Buenos Aires, 1976
- Humanario. Mit Texten von Julio Cortázar sowie Fotos von Sara Facio und Alicia D’Amico. Buenos Aires, 1977
- Actos de fe en Guatemala. Mit Texten von Miguel Ángel Asturias und Fotos mit María Cristina Orive. Buenos Aires, 1980
- Fotografía argentina actual. Buenos Aires, 1981
- Sara Facio — Alicia D’Amico. Fotografía argentina 1960/1985. Mit Texten von María Elena Walsh. Buenos Airees, 1985
- Grete Stern. Buenos Aires, 1988
- Sara Facio -– Retratos. Mit einem Vorwort von María Elena Walsh. Buenos Aires, 1990
- La fotografía en la Argentina. Desde 1840 hasta nuestros días. Buenos Aires, 1992
- Fotografía argentina actual dos. Eine Auswahl von zwölf Fotografen, zusammengestellt von Sara Facio mit Texten der Autorin. Buenos Aires, 1996