Schelling-Denkmal
Grabmal in Bad Ragaz, Schweiz
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Das Schelling-Denkmal in Bad Ragaz im Schweizer Kanton St. Gallen ist die Grabstätte des deutschen Philosophen Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775–1854). Es wurde nach Plänen von Georg Friedrich Ziebland im Auftrag des Königs von Bayern Maximilian II. gebaut und 1856 enthüllt. Die Porträtbüste ist ein Werk von Johann Halbig.

Geschichte
Schelling war einer der bedeutendsten Philosophen seiner Zeit. Er wirkte ab 1806 in München und war hier von 1835 bis 1840 der Philosophielehrer des Kronprinzen und späteren Königs von Bayern Maximilian II., der ihm sehr verbunden blieb und noch 1852 den Bildhauer Johann Halbig in Berlin die Denkmalbüste Schellings modellieren liess. Schelling starb am 20. August 1854 mit 79 Jahren während eines Kuraufenthalts in Ragaz.

Sogleich nach dem Tod beauftragte Maximilian II. seinen Oberbaurat Georg Friedrich Ziebland mit den Plänen zu einem Grabmal für den verehrten Philosophen. Ziebland legte am 24. September 1854 erste Entwürfe vor, in denen die Bestimmungen und Wünsche des Königs berücksichtigt waren. Bald darauf begann der Steinmetz Friedrich Hauser in München mit der Ausführung. Am 9. Februar 1855 erhielt er eine Abschlagszahlung. Ziebland begab sich im Juni 1855 persönlich nach Ragaz, um einen geeigneten Standort zur Aufstellung zu suchen. Ausserdem führte er Gespräche mit den Behörden und dem Pfarrer Federer und traf Anordnungen für die Fundierungen. Im August 1856 wurde das fertige Bauwerk unter Zieblands Aufsicht von München nach Ragaz transportiert, aufgestellt und am 20. August feierlich eingeweiht.[1] Die Gemeinde Ragaz sandte Maximilian im September ein Dokument, in dem sie sich für das «Zutrauen zu den schweizerischen Nachbarn» bedankte und gelobte, dass es «für immer ihr Bestreben sein werde, dafür zu sorgen, daß die Ehre, das Grab des großen Todten zu besitzen, stets anerkannt bleibe, und daß das Denkmal rührender Pietät eines Königs in spätesten Zeiten noch heilig gehalten werde». Maximilian versprach gerührt, den Ort möglichst bald einmal zu besuchen.[2] Er reiste am 7. Mai 1860 nach Bad Ragaz und kehrte im «Hof Ragaz» ein. Am darauffolgenden Tag begab er sich «ganz allein» in Schellings Sterbezimmer und zum Grab, wo er «lange Zeit andächtig und sehr ergriffen verweilte».[3]
Beschreibung
Das Denkmal steht auf dem Friedhof bei der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Bad Ragaz. Es ist in seiner Formensprache noch dem Klassizismus verpflichtet. Ziebland kombinierte Elemente der ionischen Ordnung mit frei erfundenen Ornamenten.
Das Denkmal erhebt sich auf einem niedrigen Sockel, der aus rötlichem Schweizer Marmor gefertigt ist und an seiner Vorderseite die Inschrift trägt: «Seine Majestät der König von Bayern / Maximilian II / setzte seinem geliebten Lehrer / dieses Denkmal.»

Das eigentliche Grabmal besteht aus weissem Marmor aus Tirol. Es wird durch das Gebälk horizontal in zwei Geschosse geteilt. Der untere Teil wird von zwei das Gebälk tragenden Karyatiden flankiert, die den Koren des antiken Erechtheions in Athen nachempfunden sind. Sie halten in ihrer dem Denkmal zugewandten Hand jeweils einen Stift, in der anderen eine Schrifttafel. Auf der linken sind Schellings Geburtsdaten vermerkt: «Geb. zu Leonberg im Königreich Württemberg am XXVII Ianuar MDCCLXXV.» Rechts stehen die Sterbedaten: «Gest. zu Ragaz am XX August MDCCCLIIII.»

Der Mittelteil ist seitlich von Pilastern eingerahmt. Dazwischen ist oben ein von lesbischem Kymation umschlossenes Reliefbild eingelassen. Vor einer antiken Säulenreihe sitzt links Schelling auf einem Sessel und weist mit dem Finger auf eine Stelle in einem aufgeschlagenen Buch. In ehrfurchtsvoller Distanz blicken sieben Schüler zu ihm. Der zentrale, ihm nächste ist wohl Maximilian II. Die Szene erinnert an eine griechische Stoa, eine Säulenhalle, in der sich Philosophen versammelten. Unter dem Relief steht folgende Inschrift: «Dem ersten Denker Deutschlands / Friedrich Wilhelm Joseph / von Schelling / Geheimrath und Professor / der Philosophie.»
Das Gebälk ist auf beiden Seiten über den Karyatiden mit einem Akroterion geschmückt, in das Mohnköpfe (als Symbol des Todesschlafs) eingeflochten sind.
Im oberen Teil befindet sich in einer rechteckigen Nische (umrahmt von Perlstab und zwei Pilastern) die von Johann Halbig geschaffene Büste Schellings. Im freien Feld unter dem Giebel ist ein Blattkranz mit einem Schmetterling (als Symbol für die «aus dem Staub zum Leben sich emporschwingende unsterbliche Seele») angebracht.[1]
Auf der Rückseite stehen die Aufstellungsdaten: «Aufgestellt v. XI. b. XVII. Aug. MDCCCLVI. durch G. Beyrer. C. Müller. I. Imler.»
Siehe auch
Literatur
- Birgit-Verena Karnapp: Georg Friedrich Zieblands Schelling-Denkmal in Bad Ragaz. In: Unsere Kunstdenkmäler. Band 34, Heft 2, 1983, S. 218–223, doi:10.5169/seals-393497.