Scherzo Nr. 4 (Chopin)

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Das Scherzo Nr. 4 in E-Dur op. 54 ist das letzte der vier Scherzi von Frédéric Chopin. Es wurde 1842 in Nohant vollendet und im Herbst des folgenden Jahres erstmals publiziert.

Das der Comtesse Clotilde de Caraman gewidmete Stück ist das umfangreichste innerhalb dieser Gattung. Es ist das einzige Dur-Scherzo Chopins und wurde wegen seiner Klangpoesie häufig mit Mendelssohns Sommernachtstraum-Ouvertüre verglichen. Das elegische Thema des Trios steht wie bei den übrigen Scherzi im anderen Tongeschlecht. Gegenüber den vorhergehenden Werken fehlen dem E-Dur-Scherzo die dramatischen Konflikte und extremen dynamischen Kontraste.

Musik

Beginn des Scherzos

Das Presto-Stück ist mit 967 Takten das umfangreichste unter den Scherzi und das einzige, das in einer Dur-Tonart steht. Die polnische Musikwissenschaftlerin Zofia Chechlińska wies darauf hin, dass 721 Takte in piano gehalten sind.[1] Es fehlen die extremen dynamischen Gegensätze und dramatischen Spannungen, welche die ersten Scherzi auszeichnen. Chopin verzichtete am Anfang des Stückes zudem auf eine ausgeprägte Chromatik und blieb überwiegend diatonisch.[2]

Das Thema setzt sich aus vier achttaktigen Perioden zusammen, die selbständig und voneinander abgehoben sind. Die zweite Periode antwortet dominantisch auf die erste; zwischen der dritten und vierten Periode besteht eine Beziehung durch charakteristische Melodiebögen.[3] Die erste Periode basiert auf einem pastoral wirkenden Sekund- und Quartmotiv. Ab Takt 33 wird das Thema wiederholt, wobei es bereits klanglich verändert wird und schließlich A-Dur erreicht.[4]

Die äußeren Abschnitte des Werkes erinnern mit chromatischen Entwicklungen und Leggiero-Figuren an eine Durchführung. Ab Takt 161 kommt es zu einem enharmonischen Wechsel nach As-Dur und weiteren Modulationen nach F- und Fis-Dur, bis mit Takt 273 die Reprise erreicht wird.[5]

In Takt 249 entwickelt sich in der Oberstimme inmitten der perlenden Achtel eine neue Melodie in H-Dur, die sich aus dem ersten Motiv herleiten lässt. Nach einer Stretto-Passage im Fortissimo beginnt der elegische und langsame Mittelteil ab Takt 393 (più lento).[6] Die Kantilene steht in der Paralleltonart cis-Moll und ist mit dem ersten Satz des e-Moll-Konzerts verwandt, klanglich und strukturell aber wesentlich einfacher gehalten. So verweilt sie in der ersten achttaktigen Phrase in cis-Moll und geht erst ab Takt 401 in E-Dur über.[7]

Einzelheiten

Scherzo Nr. 4 in E-Dur op. 54

Chopin widmete das Stück der Comtesse Clotilde de Caraman, einer Schülerin. Wie andere Kompositionen, an denen er während des Sommers 1842 arbeitete, vollendete er das Scherzo nach seiner Rückkehr aus Nohant und konnte es im Herbst des folgenden Jahres veröffentlichen.[8]

Ein auffälliges Merkmal des Werkes ist seine ausgeprägte Rhythmik, bei der die Notenwerte stark kontrastieren. So werden Akkorde über vier Takte gehalten, um jäh in schnelle Bewegungen überzugehen, ein Wechsel, der sich mehrfach wiederholt. Die scherzhafte Phantastik des Werkes lässt an Elfen und Kobolde aus William Shakespeares Komödie Ein Sommernachtstraum denken.[9] Wegen der Klangpoesie des letzten Scherzos wurde es mit Felix Mendelssohn Bartholdys Sommernachtstraum-Ouvertüre und Carl Maria von Webers Oper Oberon verglichen.[10]

Literatur

  • Jim Samson: Frédéric Chopin. Reclam-Verlag. Stuttgart 1991, S. 228–232.
  • Tadeusz A. Zieliński: Chopin, Sein Leben, sein Werk, seine Zeit. Schott, Mainz 2008, S. 713–717, ISBN 978-3-254-08048-6.

Einzelnachweise

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