Scheschonq D
altägyptischer Beamter und Priester
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Scheschonq (D)[1] war ein Hoherpriester des Ptah in der altägyptischen 22. Dynastie. Er war ein Sohn von König (Pharao) Osorkon II. und dessen Gemahlin Karomama II. Scheschonq ist vor allem durch sein unberaubtes Grab bekannt, das sich in Memphis fand. Mit ihm begann eine neue Dynastie von Hoherpriestern des Ptah. Sein Sohn und Nachfolger im Amt war Takelot B. Sein häufigster Titel auf Denkmälern ist allerdings Erstes großes Mitglied der Elite von seiner Majestät (oder Mitglied der Elite und erster Großer für seine Majestät).[2] Dieser Titel führt oft dazu, ihn als Kronprinzen anzusehen, was jedoch nicht sicher ist.[3] Der Titel eines Hoherpriesters des Ptah wird dagegen nur auf einem Monument genannt. Scheschonq wurde unter König Scheschonq III. bestattet. Der Name des Herrschers fand sich auf einem Täfelchen im Grab.[4]

Außerhalb seines Grabes ist Scheschonq von einer Reihe verschiedener Denkmäler bekannt. In Budapest (Szépművészeti Múzeum, MBA 51.2050) befindet sich eine Statue, die seine Titel und explizit Osorkon II als Vater und Karomama II als Mutter nennt. Es ist auch das einzige Objekt, auf dem er als Hoherpriester des Ptah bezeichnet wird.[5][6] Eine zweite Statue befindet sich in Wien (Ägyptisch-Orientalische Sammlung des Kunsthistorischen Museums, Inventar-Nr. ÄS 5773). Sein Name ist dort nicht erhalten. Die Statue kann ihm aber wegen des Titels Iri-pat-wer (Großes Mitglied der Elite) und der Ähnlichkeit zur Budapester Statue zugeschrieben werden.[7] Andere Objekte mit seinem Namen sind ein Kelch und ein Skarabäus. Scheschonq wird auch in Genealogien von Nachfahren erwähnt.[8]
Grab

Das Grab von Scheschonq wurde 1942 in Memphis gefunden. Eine Publikation erfolgte 1956,[9] eine Neuaufnahme und vollständigere Publikation erschien 2023.[10] Das Grab fand sich südwestlich der großen Umfassungsmauer des Ptah-Tempels.[11] Es besteht aus einer mit Reliefs dekorierten Grabkammer. Im Boden der Kammer befand sich eine rechteckige Grube, in der einst der Sarg von Scheschonq lag.[12] Eine dekorierte Grabkammer für eine nichtkönigliche Person ist einmalig in der 22. Dynastie. Die Wände zeigen dabei vor allem Szenen aus dem Ägyptischen Totenbuch und diversen Unterweltsbüchern. Scheschonq ist des Öfteren vor diversen Gottheiten dargestellt. Mehrmals erscheint auch Osorkon II, wie er opfert, meist zusammen mit Scheschonq, wobei der König an erster Stelle dargestellt ist.
Das Grab war unberaubt, doch waren alle organischen Materialien wie Holz bei der Auffindung vergangen. Im Grab fanden sich zahlreiche Uschebtis sowie vier Kanopengefäße, die jeweils die Eltern von Scheschonq nennen. Es kamen zahlreiche Amulette zum Vorschein. Diverse Goldhülsen in Finger-, Zehen- und Penisform schützten einst die entsprechenden Körperteile der Mumie, des Weiteren fanden sich Schmuckstücke und Goldelemente, die wahrscheinlich vom Sarg stammen, der einst aus Holz bestand. Im Grab lag auch eine Stele mit magischen Texten und dem Bild des Horus auf der Vorderseite.[13]
Literatur
- Ahmad Badawi: Das Grab des Kronprinzen Scheschonk Sohnes Osorkon’s II. und Hohenpriester von Memphis. In: Annales du Service des Antiquités de l’Égypte 54 (1956), S. 153–177 online.
- Giuseppina Lenzo, Raphaële Meffre, Frédéric Payraudeau: La tombe memphite du prince héritier Chéchonq et son mobilier funéraire. (= Mémoires publiés par les membres de l’Institut français d’archéologie orientale. Band 149). Institut français d’archéologie orientale, Kairo 2023, ISBN 978-2-7247-0964-3.
- Karl Jansen-Winkeln: Der Prinz und Hohepriester Schoschenk (D). In: Göttinger Miszellen. Heft 207, 2008, S. 75–80 (Volltext als PDF).
- Bertha Porter, Rosalind L. B. Moss, Ethel W. Burney: Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs, and Paintings. Volume III: Memphis. Part 2: Ṣaqqâra to Dahshûr. 2., von Jaromír Málek überarbeitete und erweiterte Auflage. Griffith Institute / Ashmolean Museum, Oxford 1981, ISBN 0-900416-23-8, S. 846–847 (Volltext als PDF; 33,5 MB; abgerufen über The Digital Topographical Bibliography am 5. April 2026)
Weblinks
- Naophore Statue eines Mannes. Ägyptisch-Orientalische Sammlung des Kunsthistorischen Museums, Inventar-Nr. ÄS 5773 Auf: khm.at; zuletzt abgerufen am 7. April 2026.