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Schienenverkehr in Norwegen

Überblick auf den Schienenverkehr in Norwegen From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Schienenverkehr in Norwegen ist durch die für den Eisenbahnbau schwierige Topografie in Norwegen und die großenteils dünne Besiedelung geprägt. Wegen der geringen Zahl an Großstädten gab bzw. gibt es zudem nur wenige Straßen- und U-Bahnen.

Geschichte

Lokomotive der Baureihe A der Norsk Hoved-Jernbane von Robert Stephenson, Newcastle upon Tyne, etwa 1860, in Bøhn bei Eidsvoll
Pferdestraßenbahn vor dem Osloer Dom (1876)

Einige norwegische Bahnstrecken wurden im 19. Jahrhundert zunächst in Kapspur (die ursprüngliche Bezeichnung lautete CAP-Spur nach den Initialen des Norwegers Carl Abraham Pihl) ausgeführt und im 20. Jahrhundert auf Normalspur umgespurt.

Als erste Bahnstrecke in Norwegen wurde 1854 die 68 km lange Hovedbane zwischen Christiania und Eidsvoll in Normalspur in Betrieb genommen. In Eidsvoll bestand Anschluss an die auf dem Mjøsa eingerichtete Dampfschifflinie.

Vom Hamar am Mjøsa nach Norden wurde 1862 die Hamar–Grundsetbane nach Elverum in Kapspur gebaut.

Kongsvingerbanen zwischen Lillestrøm an der Hovedbane und Kongsvinger wurde 1862 in Normalspur eröffnet und später ostwärts mit dem schwedischen Bahnnetz verbunden.

In Mittelnorwegen wurde 1864 die Trondheim-Støren-Bane in Kapspur eröffnet. Mit dem Lückenschluss zur Hamar–Grundsetbanen durch die Rørosbane entstand 1877 als Kombination aus Vollspurbahn, Binnenschiff und Schmalspurbahn die erste dampfbetriebene Binnenlandverbindung zwischen Oslo und Trondheim.

Die Gründung der Norwegischen Staatsbahnen wurde 1882 vom Storting beschlossen. Ab 1883 fasste das Gemeinschaftsunternehmen alle Staatsbahnen, die seit 1861 eröffnet worden waren, unter einer zentralen Verwaltung zusammen.

Die erste Straßenbahn war die 1875 eröffnete Pferdebahn in Oslo, wo 1894 auch die erste elektrifizierte Straßenbahnstrecke Norwegens eröffnet wurde. 1901 nahm die Straßenbahn Trondheim den Betrieb auf, 1918 folgte die Standseilbahn Fløibanen in Bergen.

Mehrere wichtige Bahnstrecken Norwegens wurden erst im 20. Jahrhundert begonnen und fertiggestellt.

1966 wurde die U-Bahn in Oslo (T-Bane) eröffnet, in die einige Vorortbahnen integriert wurden.

1996 wurden die Norges Statsbaner (NSB) aufgeteilt in das für die Infrastruktur zuständige Jernbaneverket (JBV) und die Norges Statsbaner BA (NSB BA), die im Wesentlichen den Personenverkehr betrieb. Diese wurde 2002 in die weiterhin staatliche Aktiengesellschaft Norges Statsbaner AS überführt und 2019 in Vy (Vygruppen AS) umbenannt. Der Güterverkehr wurde von mehreren anderen Gesellschaften übernommen.

2010 kam mit der Stadtbahn Bergen ein weiteres schienengebundenes ÖPNV-System dazu.

Eisenbahn

Der UIC-Ländercode für Norwegen lautet 76.

Rechtliche Rahmenbedingungen

2016 wurde in Norwegen unter der Bezeichnung „Jernbanerevolusjon“ die in Europa weitreichendste Zerschlagung einer Staatsbahn beschlossen. Gegenüber der Öffentlichkeit wurde das damit begründet, dass dieser Schritt die Kosten der Eisenbahn senke und Reisende ein verbessertes Angebot erhielten. Tatsächlich führte diese Zerlegung der Staatsbahn in mehr als zehn Gesellschaften zu einem Kommunikationschaos und Personalzuwachs in der Verwaltung.[1][2] Eine Besonderheit der Reform war, dass der königliche Salonwagen jahrelang kaum noch eingesetzt werden konnte.

Die zuständige Aufsichtsbehörde ist die Statens jernbanetilsyn (SJT), die auch das Fahrzeugeinstellungsregister führt. Die Unfalluntersuchungsstelle in Norwegen heißt Statens havarikommisjon (SHK).

Streckennetz

Karte des norwegischen Eisenbahnnetzes (Stand 2010)
elektrifizierte Strecken
nicht-elektrifizierte Strecken
unbenutzte oder Museumsstrecken
Ein Oberleitungsmast aus Holz

Das größte norwegische Eisenbahninfrastrukturunternehmen ist das Staatsunternehmen Bane NOR. Es betreibt ein Streckennetz mit einer Betriebslänge von 4221 km normalspurig (1435 mm). Davon sind 2456km elektrifiziert und nur etwa 300 km zweigleisig. Zum Streckennetz gehören 723 Tunnel und 2618 Brücken.

Die Höchstgeschwindigkeiten im Netz sind bis zu 210 km/h für Reisezüge und 100 km/h für Güterzüge.

Das norwegische Eisenbahnnetz hat vier Verbindungen zum schwedischen Eisenbahnnetz. Grenzüberschreitende Eisenbahnstrecken sind Ofotbanen, Meråkerbanen, Kongsvingerbanen und Østfoldbanen. Die nordnorwegischen Ofotbane hat keine innernorwegische Verbindung zum restlichen Netz.

Im Bahnhof Grefsen ist das Eisenbahnnetz der Bane NOR mit den Netz der Oslo T-bane der Sporveien Oslo AS verbunden. Außerdem existieren Verbindungen mit den Museumsbahnen Krøderbanen in Krøderen, Gamle Vossebanen in Tunestveit[3] und Setesdalsbanen in Grovane.

Im August 2022 beauftragte Bane NOR die Firmen AZVI und Baneservice mit der Instandhaltung des Streckennetzes. Die beiden Verträge laufen fünf Jahre mit Option einer dreijährigen Verlängerung. AZVI ist für die südlichen und westlichen und Baneservice für nördlichen Bereich zuständig.[4]

Personenverkehr

Ein Zug der Baureihe 76 in Stjørdal

Im Jahr 2021 wurden im Schienenverkehr ca. 41 Mio. Personen befördert. Das entspricht einer Verkehrsleistung von 1,8 Milliarden Personenkilometern. Bedingt durch die COVID-19-Pandemie sank die Anzahl der beförderten Personen gegenüber 2016 um 44 Prozent.

Mit 31 Mio. Personen beförderten die Nahverkehrszüge (norwegisch Lokaltog) die meisten Fahrgäste. Weitere Reisezüge sind Regionalzüge (Regiontog), InterCity, Nachtzüge (Nattog) und Fernzüge (Fjerntrafikk). Nur 22.000 Personen fuhren 2021 grenzüberschreitend mit dem Zug.

In Norwegen gibt es drei Intercitylinien: Oslo–Halden, Oslo–Lillehammer und Oslo–Skien.[5]

Die Eisenbahnverkehrsunternehmen im Personenverkehr sind Flytoget AS, Go-Ahead Norge, SJ (einschließlich SJ Norge), Unternehmen von Vy (Verkehrskonzern) (bis April 2019 Norges Statsbaner, NSB) und Flåm Utvikling.

Pünktlichkeit im Personenverkehr

Rund 22.000 Personenzüge wurden in 2026 bis Mitte August ganz oder teilweise gestrichen. Wie Bane Nor mitteilte, ging die Pünktlichkeit der Eisenbahn im Juli leicht zurück, teils aufgrund der Hitze, teils aufgrund umfangreicher, geplanter Wartungsarbeiten. Der Zugverkehr blieb jedoch weitgehend stabil. Die Gesamtpünktlichkeitsrate lag im Juli 2026 bei 83,1 % und bis zu diesem Zeitpunkt landesweit bei 87,1 %. Das ist ein Rückgang gegenüber den 87,6 % im Jahr 2025 und liegt unter dem Ziel von 90 %.[6]

Bis zum 16. August lag die Pünktlichkeit der Züge im Osloer Berufsverkehr bei lediglich 69,2 %. Am Montag, dem 17. August, fuhren in Oslo zur Hauptverkehrszeit nur 48,1 % der Züge planmäßig. Dies war einer der schlechtesten Tagen des Jahres 2026.[6]

Güterverkehr

Güterzug in Nordnorwegen (2019)

Der norwegische Schienengüterverkehr hat eine Transportleistung von jährlich 4 Milliarden Tonnenkilometern. Das entspricht einen Anteil am Modal Split von ungefähr 15 Prozent.[7]

Die CargoNet ist das größte norwegische Gütertransportunternehmen im Schienenverkehr mit etwa einem halben Marktanteil. Weitere Eisenbahnverkehrsunternehmen sind Green Cargo, Grenland Rail, LKAB Malmtrafik, Hector Rail und Tågåkeriet i Bergslagen.[8]

Schienenfahrzeuge

Straßenbahn und U-Bahn

In Norwegen existieren im Schienenpersonennahverkehr neben dem Eisenbahnnetz folgende Systeme:

  • Stadtbahn Bergen (seit 2010)
  • Straßenbahn Oslo (seit 1894, ab 1875 bereits Pferdebahn)
  • Straßenbahn Trondheim (seit 1901)
  • Oslo T-bane (seit 1966; mit Vorgängerbahnen)

Die Fahrzeuge der Trondheimer Straßenbahn fahren mit 600 V Gleichspannung auf einem Meterspurnetz. Alle anderen genannten Bahnen fahren auf Normalspurgleisen und haben eine Bahnstromversorgung mit 750 V Gleichspannung.

Sonstige Bahnen

Die Standseilbahn Fløibane in Bergen fährt auf Meterspurgleisen.

Commons: Eisenbahn in Norwegen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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