Schlagermove

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Der Schlagermove (oft als „Festival der Liebe“ bezeichnet) ist die größte Schlager-Straßenparade Deutschlands und findet ausschließlich in Hamburg-St. Pauli statt. Die Großveranstaltung wurde 1997 von Thomas Voigt, Michael Strokosch und ihren Partnerinnen ins Leben gerufen. Sie zieht jährlich am ersten Juli-Wochenende zwischen 300.000 und 600.000[1] Besucher in die Hansestadt. Insgesamt haben seit der Geburtsstunde im Jahr 1997 rund 10,75 Millionen Menschen den Schlagermove in Hamburg besucht[1]. Entgegen landläufiger Berichte gibt es keine Ableger der Straßenparade in anderen Städten wie Hannover, Dortmund oder Essen. Dort veranstalten die Organisatoren unter dem Namen „Schlagermove OnTour“ lediglich lizenzierte Hallenpartys und Club-Events.

Hamburger Schlagermove 2015 auf der Helgoländer Allee
Hamburger Schlagermove auf der Reeperbahn
Bild Schlagertruck beim Schlagermove 2026

Entstehung und Ablauf

Die Veranstaltung wurde 1997 von einer privaten Initiative in Hamburg gegründet. Inspiriert vom logistischen Konzept der Berliner Loveparade, sollte ein friedliches Massenfest für den deutschsprachigen Schlager geschaffen werden. Bei der Premiere im Jahr 1997 feierten rund 50.000 Menschen auf den Straßen von St. Pauli[1]. In den Folgejahren feierten nach eigenen Angaben bis zu 600.000[1] Menschen. Der 20. Schlagermove im Jahr 2016 hatte laut Angaben der Veranstalter 370.000 Teilnehmer, wobei unabhängige Zahlen zu den Teilnehmern nicht vorliegen. Die Veranstaltung in Hamburg findet an einem Wochenende im Mai (2024) oder Juli statt. Dabei fahren am Samstag Nachmittag rund 50 Trucks mit großen Musikanlagen und tanzenden Schlagerfans durch St. Pauli. Viele Besucher verkleiden sich im Stil der 1970er Jahre, tragen Schlaghosen, bunte, schrille Klamotten, überdimensionale Sonnenbrillen oder Perücken. Der rund 3,3 Kilometer lange Rundkurs startet auf dem Heiligengeistfeld (Glacischaussee). Er führt über den Millerntorplatz, die Helgoländer Allee, vorbei an den St. Pauli-Landungsbrücken, über die Hafenstraße und schließlich über die Reeperbahn zurück zum Ausgangspunkt.

Seit 2026 startet das Festival am Freitagabend mit einem großen „Schlagermove in Concert Open Air“ auf dem Heiligengeistfeld, bei dem namhafte Schlagerstars wie beispielsweise Michael Holm oder Anna-Maria Zimmermann live auftreten. Neben dem Umzug am Nachmittag (ähnlich wie die Loveparade) am Abend den sogenannten Aftermove auf dem Heiligengeistfeld in St. Pauli, auf dem weitere Schlagerstars und DJ`s auftreten. Moderiert wurde unter anderen die Schlagermovepartys von NDR-Moderatoren wie Carlo von Tiedemann oder DJ Vossy.

Während das anschließende Festprogramm in den Anfangsjahren primär in großen Partyzelten auf dem Heiligengeistfeld stattfand, wurde das Konzept grundlegend modernisiert. Das Partyareal wurde direkt auf die Event-Trucks verlagert, die nach der Parade auf dem Heiligengeistfeld als dezentrale Party-Locations für die „Schlagermove Truck Party“ dienen. Ergänzt wird das offizielle Abendprogramm durch die traditionelle Aftermove-Party im Hamburger Musikclub Docks auf der Reeperbahn. Weitere Aftermove-Partys außerhalb der offiziellen Veranstaltung finden in verschiedenen Eventlocations auf dem Kiez statt.

Eine Besonderheit ist der so genannte Samba-Zug, der als Eisenbahnzug mit zwei Tanzwagen von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen nach Hamburg fährt.

Wegen des Verbots von Großveranstaltungen während der COVID-19-Pandemie fiel der Schlagermove 2020 und 2021 aus und fand erst wieder am 1. und 2. Juli 2022 statt.[2][3]

Besonderheiten und Inklusion

Die Teilnahme an der Straßenparade ist für Zuschauer entlang der Strecke vollständig kostenlos. Lediglich für das Mitfahren auf den Trucks sowie für die separaten Konzerte und Hallenpartys müssen Tickets erworben werden. Im Rahmen der Parade wird ein Fokus auf Barrierefreiheit gelegt. Seit 2019 fährt in Kooperation mit der Deutschen Muskelschwund-Hilfe e.V. und dem Förderkreis zugunsten unfallgeschädigter Kinder ein speziell umgebauter, barrierefreier „Rollstuhl-Truck“ im Konvoi mit. Der Wagen ist unter anderem mit einer Hebebühne, abgesenkten Gittern für sitzende Teilnehmer und Bodenankern zur Fixierung von Rollstühlen ausgestattet. Schirmherr des Inklusionstrucks ist Peter Sebastian.

Sicherheits- und Awareness-Konzept

Für das Event wird ein umfassendes Sicherheits- und Sanitätskonzept umgesetzt, bei dem rund 300 Einsatzkräfte der Johanniter-Unfall-Hilfe entlang der Strecke aktiv sind. Als Teil des Schutzkonzeptes ist das Awareness-Codewort „Habt Ihr Softeis?“ etabliert. Besucher, die sich in Not-, Bedrängnis- oder Unwohlsituationen befinden, können sich mit dieser Frage unauffällig an das geschulte Sicherheits- oder Sanitätspersonal wenden, um diskrete Hilfe und Zugang zu geschützten Räumen zu erhalten.

Nachwuchswettbewerb

2002 wurde zum ersten Mal auf einer der Hauptbühnen der Nachwuchsmusiker-Wettbewerb „GrandPril“ durchgeführt. Hauptpreis ist die „Goldene Prilblume“, eine Auszeichnung für die beste und schrägste Schlagerband Deutschlands. Die saarländische Band Die barmherzigen Plateausohlen gewann den Preis nach einem Publikums- und Juryentscheid. In späteren Jahren zählten zu den Gewinnerinnen u. a. Christin Stark (2012), Annabel Anderson (2014), Marlen Billii und Jessica-Sarah Thoma (2015), Tea (2016), Tommy Lint (2017), Mona Gertzen & Mike van Hyke (2018) sowie Gina de l’Amore (2019).[1]

Kritik, Wirtschaft und Umwelt

Schlagermove: Müll aus Scherben, Flaschen, Verpackungen

Kritik am Schlagermove gibt es durch Anwohner, die wegen der hohen Anzahl der Teilnehmer und deren Hinterlassenschaften im Schlagermove die „Ballermannisierung“ ihres Stadtteils sehen. Hinzu kommt eine Belastung durch weitere Veranstaltungen im Bereich des Stadtteils Hamburg-St. Pauli. 2018 wurden seitens einzelner Fraktionen des betroffenen Hamburger Bezirksrat Pläne bekannt, den 22. Schlagermove nicht zu genehmigen.[4] Die Veranstaltung fand dennoch mit 400.000 Teilnehmern statt.[5] Seit dem Schlagermove 2019 erteilten die Behörden den Veranstaltern schärfere Auflagen, wie mehr Toiletten, Ordner und Reinigungstrupps, um die Belastung für die Anwohner zu reduzieren.[6] Um das sogenannte „Wildpinkeln“ in den umliegenden Wohngebieten von St. Pauli zu unterbinden, stellt seitdem das Organisations-Team entlang der gesamten Umzugsstrecke sowie an zentralen Anwohnerstraßen rund 500 zusätzliche WC-Einheiten kostenlos bereit. Ergänzt wird diese Infrastruktur durch spezielle Mobilzaunurinale für Männer sowie betreute WC-Container mit Reinigungspersonal für Frauen.

Die Entsorgung des anfallenden Abfalls wird von der Stadtreinigung Hamburg übernommen, die das Müllaufkommen im Umfeld der Veranstaltung auf rund 56 Tonnen beziffert. Die Kosten für die Reinigung werden vom Veranstalter getragen; dieser beziffert den eigenen finanziellen Aufwand hierfür auf einen mittleren fünfstelligen Betrag.[7]

Trotz wiederkehrender Kritik von Anwohnern bezüglich Lärmbelastung und Müllaufkommen gilt das „Festival der Liebe“ als bedeutender Wirtschaftsfaktor für das Hamburger Gastgewerbe und die Hotellerie. Für zahlreiche Betriebe rund um St. Pauli und das Hamburger Stadtgebiet stellt das Veranstaltungswochenende eines der umsatzstärksten Wochenenden des gesamten Jahres dar.

Einzelnachweise

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