Schleppplatte

Vorrichtung der Bautechnik From Wikipedia, the free encyclopedia

Schleppplatten kommen zur Anwendung, wenn sich zwei Bauteilen unterschiedlich bewegen, so dass zwischen ihnen Spalten und Höhenunterschiede entstehen, die ausgeglichen und überbrückt werden müssen. Solche Bewegungen kommen etwa durch Setzung, Wärmedehnung, Kriechen des Materials zustande oder es handelt sich um dynamische Bewegungen aufgrund von Wind, Wellengang oder den Gezeiten.

Schleppplatte bei Brücken
Schleppplatten im Hochbau
Schleppplatte am Übergang zu einer Fußgängerhängebrücke, in ähnlicher Form auch bei Landestegen als Zugang zu Schiffen

Brücken

Bei Brücken bilden die Bauteile Fundament, Widerlagerwand und Brückenträger eine ziemlich starre Einheit. Dagegen ist der unmittelbar benachbarte Untergrund als weich anzusehen. Es entstehen Setzungen, die insbesondere im Auffüllbereich sehr ausgeprägt auftreten. Ohne ein Zwischenbauteil entstünde an der Fahrbahn ein Sprung, der durchaus einige Zentimeter betragen würde. Um diesen Absatz für den Verkehr zu vermeiden, wird eine Schleppplatte ausgeführt. Diese hat je nach Brücke eine Länge von drei bis sechs Metern und liegt einerseits auf der Widerlagerwand und andererseits auf dem gewachsenen Boden in frostfreier Tiefe auf. Die Schleppplatte wird meist aus Stahlbeton hergestellt und wie ein Brückenträger, der zwei Auflager hat, statisch berechnet. Nach der Herstellung wird die Schleppplatte eingeschüttet und der Straßenbelag aufgebracht.[1]

Hochbau

Bei unterschiedlich hoch belasteten Bauwerken besteht die Gefahr, dass beide Bauwerke verschiedene Setzungen erfahren. Ein Übergang zwischen den Bauwerken muss nun mit einer beweglichen Schleppplatte hergestellt werden, um unangenehme, sich ständig verändernde Absätze zu vermeiden. Es werden dazu Träger und Plattenkonstruktionen verwendet, die auf beiden Seiten gelenkig angeschlossen werden.[2] Diese Schleppplatten können mit jedem Baustoff ausgeführt werden, der auch für Decken Anwendung findet (Holz, Stahl, Stahlbeton, Faserbeton, Verbundbauweise).

Kanalschacht

Wenn bei einem Straßenaufbau die Frostschutzschicht nicht ausreichend dimensioniert ist, kommt es im Winter zum Auffrieren des darunterliegenden Untergrundes. Es hebt sich somit die gesamte Straße um das Maß, wie sich der gefrorene Untergrund ausdehnt. Dies entsteht durch die Eisbildung in den Poren, wo das Volumen beim Übergang von Wasser zu Eis um ca. 10 % zunimmt.

Wenn beispielsweise ein Boden einen mit Wasser gefüllten Porenraum von 30 % enthält und eine Bodenschicht von 50 cm vereist, so hebt sich die Fahrbahn im Winter um 50 cm × 0,30 × 0,1 = 1,5 cm.

Der Kanalschacht ist in einer frostfreien Tiefe gegründet und hebt sich daher im Winter nicht. Dies hat zur Folge, dass der Kanaldeckel im Winter tiefer liegt als die angehobene Fahrbahn (im Beispiel um 1,5 cm).

Literatur

  • E. Haar: Dilatationsausgleichsystem für verschiedene Schachtabdeckungen in der Bodenfläche. In: Institut für unterirdische Infrastruktur Gelsenkirchen (Hrsg.): Newsletter 2001.
  • Wolfram Dörken, Erhard Dehne: Grundbau in Beispielen : Kippen, Gleiten, Grundbruch, Setzungen, Flächengründungen, Stützkonstruktionen, Vergleich mit dem alten Sicherheitskonzept, Risse im Bauwerk. Nach neuer DIN 1054:2005. Teil 2. 4., völlig neu bearbeitete Auflage. Werner Verlag, Neuwied 2007, ISBN 978-3-8041-5050-8.
  • G. Malho, S. Martin: Funktionale Anforderungen und strukturbedingtes Verhalten von Schleppplatten bei integralen Strassenbruecken. In: Verein Deutscher Ingenieure Gesellschaft Bautechnik (Hrsg.): Bauingenieur. Band 90. Springer-VDI-Verlag, Düsseldorf September 2015, ISSN 0005-6650;
    • Teil 1: Entwurfsmerkmale und Einflüsse des Brückentragwerks auf das Gebrauchsverhalten von Schleppplatten. Nr. 9, S. 427–435.
    • Teil 2: Verkehrstechnische Anforderungen und Bewertung der Gebrauchstauglichkeit von Schleppplatten. Nr. 10, S. 500–507.
Commons: Transition slabs – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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