Schloss Gotterau

ehemaliger Edelsitz in der Ortschaft Freindorf bei Ansfelden From Wikipedia, the free encyclopedia

Schloss Gotterau ist ein ehemaliger Edelsitz in der Ortschaft Freindorf bei Ansfelden. Das „Herrenstöckl“ befindet sich an der heutigen Adresse Freindorferstraße 23, die dazugehörige ehemalige Mühle in der Freindorferstraße 25. Der Name „Gotterau“ geht auf Matthias Gotter zurück, der 1646–1666 als Propst von Stift Sankt Florian wirkte.

Geschichte

Die erste gesicherte Erwähnung des Standortes findet sich in einem Pachtvertrag aus dem Jahr 1583. Die sogenannte „Stroblmühle“ im Besitz des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Florian wurde damals an den Müller Stephan Aufischer und seine „eheliche Hausfrau“ Ursula verpachtet. Aus diesem Vertrag geht auch hervor, dass der Propst von St. Florian gelegentlich dort weilte. Am 7. Januar 1659 gewährte Kaiser Leopold I. dem Probst Matthias Gotter die Erhebung zu einem Edelsitz mit dem Namen „Gotterau“.[1]

1726 wurde die Mühle vererbrechtet, der nunmehrige Besitzer hieß Thomas Krug, der Freisitz Gotterau verblieb dabei im Eigentum des Klosters und diente dem „Rekreationsaufenthalt“. Am 28. August 1758 wurden der Gebäudekomplex, die Mühle, das Schloss und der dazugehörige Zehentstadel, durch Blitzschlag entzündet, die Gebäude brannten bis auf die Grundmauern nieder und mussten neu erbaut werden. 1802 brach wieder ein Brand aus, der den Gebäuden stark zusetzte.[2] Am 11. Juli 1837 schloss die 31-jährige Besitzerin der Mühle zu Freindorf, Theresia Krug, die Ehe mit dem acht Jahre jüngeren Scharmüllersohn Johann Grillmayr,[3] beide übernahmen die Mühle, deren Wohngebäude anscheinend 1842 bei einem neuerlichen Brand zerstört wurde. Sie bemühten sich nun, auch das Schlossgebäude anzukaufen, dem Stift kam dies durchaus gelegen, schwelte doch ein Rechtsstreit mit Johann Grillmayr, da zwei Grundparzellen der Mühle im Zuge der Aufnahme des Franziszäischen Katasters dem Kloster zugesprochen wurden. 1845 reichten beide Parteien ein Gesuch an die K.k. Hofkanzlei bezüglich des Verkaufes ein, die Vertragsunterzeichnung erfolgte am 26. November 1846, der Kaufpreis von 4250 Gulden wurde vom Stift zum Ankauf eines Grundstückes der alleinstehenden Besitzerin des „Wirtshauses zu Freindorf“ genutzt, um darauf einen neuen Zehentstadel und das heute noch bestehende „Kastenhaus“ zu errichten.[2]

1903 kaufte der aus Stuttgart stammende Gottlob Friedrich Lell Schloss und Mühle in Freindorf und errichtete eine der ersten Buntpapierfabriken Österreichs, Hauptabnehmer war lange Zeit die Firma Heinrich Franck und Söhne in Linz. Zur Zeit der Wirtschaftskrise ging die Produktion stark zurück, der „Anschluss“ ans deutsche Reich sorgte für einen enormen Aufschwung, sodass die Produktion auch zu Kriegszeiten ausgelastet war. Nach 1945 wurde der Betrieb als „deutsches Eigentum“ beschlagnahmt und erst 1955 von der amerikanischen Besatzungsmacht rückgestellt, der Export, vor allem in afrikanische Länder, sorgte für eine gute Auftragslage.

Gottlob Friedrich Lell war Vorreiter in Sachen Technisierung, neben dem Stromaggregat besaß er schon 1906 zwei Automobile, der Betrieb war als einer der ersten in Ansfelden ans Telefonnetz angeschlossen, Krankenversicherung und Arbeiterwohnungen waren ebenfalls Standard. Auf ihn geht auch die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Freindorf zurück.[4]

Literatur

  • Joseph Huber: Geschichte von Ansfelden. Stampfl, Braunau 1883, Freindorf, S. 31 (landesbibliothek.at).
  • Christian K. Steingruber: Kritische Anmerkungen zum Historisch-topographischen Handbuch der Wehranlagen und Herrensitze OÖ von Norbert Grabherr. St. Gotthard im Mühlkreis, H/2/6 Gotterau (dahoam.net Online-Publikation wird laufend ergänzt).

Einzelnachweise

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