Schloss Gültz

Herrenhaus in Gültz in Mecklenburg-Vorpommern From Wikipedia, the free encyclopedia

Schloss Gültz (auch Herrenhaus Gültz) ist ein klassizistisches Herrenhaus aus den Jahren 1868 bis 1872 in der Gemeinde Gültz im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte in Mecklenburg-Vorpommern. Es ist eingetragenes Kulturdenkmal und Teil des Ensembles mit dem 1840 von Peter Joseph Lenné entworfenen historischen Landschaftspark. Das Schloss befindet sich seit 2019 im Besitz der Projektentwicklungsgesellschaft Schloss Gültz UG.

Schnelle Fakten
Schloss Gültz
Alternativname(n) Herrenhaus Gültz · Gutshaus Gültz
Staat Deutschland
Entstehungszeit 1868–1872
Erhaltungszustand In Sanierung seit 2019
Geographische Lage 53° 45′ N, 13° 11′ O
Schloss Gültz (Mecklenburg-Vorpommern)
Schloss Gültz (Mecklenburg-Vorpommern)
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Lage und Umgebung

Das Schloss befindet sich in der Parkstraße 12 in der Gemeinde Gültz, die zum Amt Treptower Tollensewinkel mit Sitz in Altentreptow gehört. Es liegt rund 8 km nördlich von Altentreptow und etwa 29 km südöstlich von Demmin, erreichbar über die Bundesstraße 194. Geographisch liegt Gültz im westlichen Ausläufer des Tollenseurstromtales; die Anhöhen westlich der Gemeinde übersteigen 110 m ü. NN.

Das Schloss ist Teil des historischen Gutsensembles, zu dem das Herrenhaus selbst, ein Fachwerkwirtschaftsgebäude auf Feldsteinsockel sowie der rund 15 Hektar große Lenné-Park gehören. Südöstlich liegt ein Schlossteich mit Wanderweg. Im Park befinden sich historische Gehölze, darunter eine der ältesten Magnolien der Region, sowie ein historischer Eiskeller.

Geschichte

Gutsgeschichte seit dem 15. Jahrhundert

Gültz war seit 1484 im Lehensbesitz des pommerschen Zweiges der Familie von Maltzahn.[1] Lediglich von 1569 bis 1646 befand sich das Gut im Besitz der Familie von Preen, bevor die Maltzahn es zurückerwarben. Nach dem Tod von Albrecht Hermann von Maltzahn, der als preußischer Major 1742 in der Schlacht bei Chotusitz gefallen war, erbte sein Vetter Axel Albrecht von Maltzahn das Gut.

Die Gesamtheit der Besitzungen des Erblandmarschalls umfasste um 1914 mit dem Rittergut Gültz 1.100 ha, dem Rittergut Schossow 579 ha sowie dem Rittergut Wodarg 924 ha, sämtlich im damaligen Landkreis Demmin gelegen. Von Schloss Gültz aus wurde ein moderner Gutsbetrieb mit großer Schafswirtschaft sowie Klee- und Grassamen-Vermehrungsanbau geführt; die technische Ausstattung mit Feldbahn, Zapfwellenbinder und Lanz-Bulldog galt als fortschrittlich.

Lenné-Park (1840)

Im Auftrag des Landrates Axel von Maltzahn (1808–1841), der 1838 nach Gültz gezogen war, entwarf Peter Joseph Lenné 1840 einen englischen Landschaftsgarten für das Gut.[1] Der Park umfasst heute rund 15 Hektar und gehört zu den gut erhaltenen Lenné-Parkanlagen Mecklenburg-Vorpommerns. Er enthält stattliche Einzelbäume, einen Schlossteich, einen historischen Eiskeller sowie eine historische Magnolie unmittelbar hinter dem Herrenhaus.

Bau des Herrenhauses (1868–1872)

Sohn Helmuth Freiherr von Maltzahn ließ zwischen 1868 und 1872 nach dem Entwurf des Schweriner Baurates Georg Daniel ein klassizistisches Herrenhaus errichten.[2] Der Bau entstand als repräsentativer, eleganter Baukörper in klassizierenden Formen und prägt bis heute das Ortsbild von Gültz.

Enteignung und Nutzung als Berufsschule (ab 1945)

Das Gut Gültz mit Schloss und rund 1.000 Hektar blieb bis 1945 im Familienbesitz. Als letzte Besitzerin gilt Helene Luise Freiin von Maltzahn. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gut enteignet. Das Schloss diente fortan als Betriebsberufsschule „Georg Ewald“ (BBS), einem Internat für Landwirtschaftslehrlinge im Bezirk Neubrandenburg.

DDR-Sanierung 1982–1988 und historische Bauakten

Von 1980 bis 1988 fand eine umfangreiche Sanierung des Gebäudes statt. Beteiligte Institutionen waren das ZBO „25. Jahrestag der DDR“ Altentreptow, der VEB (St) Baureparaturen Neubrandenburg, der Rat des Kreises Altentreptow sowie das Büro für Stadt- und Dorfplanung Neubrandenburg, Abteilung VI. Der Kreisdenkmalschutz war aktiv in die Planung eingebunden; Originalprotokolle belegen den ausdrücklichen Willen der Behörden, die klassizistische Gesimsgestaltung zu erhalten.

Originalakten aus dieser Sanierungsphase – darunter Protokolle von Bauablaufberatungen, Behördenpost des Rates des Kreises, Einladungen zur Farbprojektberatung, Maßnahmenlisten für Turm und Dachkonstruktion sowie historische Fotografien der Fassaden aus den Jahren 1982 bis 1984 – befinden sich im Alleinbesitz der heutigen Eigentümer von Schloss Gültz. Diese Dokumente wurden 2025 erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.[3] Sie gelten als singuläres Zeitdokument zur Denkmalpflegepraxis in der DDR, da vergleichbare Aktenbände zu diesem Objekt in keinem anderen Archiv überliefert sind.

Zu den dokumentierten Befunden zählen u. a. der Holzschädlingsbefall der Dachkonstruktion, der Nachweis von Asbest in der Ticolorbe-Beschichtung, der baufällige Zustand des Turmaufbaus sowie eine Baubehinderungsanzeige wegen Nichterscheinens beauftragter Handwerker. Das im Aktenband überlieferte Farbkonzept enthält eine Empfehlung zur Bepflanzung mit Waldgeißblatt an der Rückfassade.

Hotelbetrieb und Leerstand (1989–2019)

Nach 1989 wurde das Schloss nach weiteren Sanierungsarbeiten kurzzeitig als Hotel genutzt. 2004 folgte eine Zwangsversteigerung. In den folgenden Jahren stand das Gebäude leer.[4]

Neustart seit 2019

2019 erwarb die Projektentwicklungsgesellschaft Schloss Gültz UG das Gebäude im Wege einer Versteigerung. Seit 2019 wird das Schloss als Kulturdenkmal, Veranstaltungsort und historisches Forschungsarchiv entwickelt. Geschäftsführer ist Michael Peter Schneider, Assessor jur. und Berufsbetreuer mit Kanzleisitz in Prenzlau.

Architektur

Außenbau

Das Herrenhaus ist ein zweigeschossiger Putzbau über winkelförmigem Grundriss im Stil des Spätklassizismus. Die Hoffront zählt 14 Achsen; in der Mitte befindet sich ein dreiachsiger Mittelrisalit mit Säulen-Altan. Am Südrand der Hofseite erhebt sich ein dreigeschossiger Eckturm. Wesentliche Fassadenelemente sind klassizistische Dreiecksgiebel, Rundbogenfenster im Turmgeschoss sowie ein umlaufendes Hauptgesims, dessen Erhalt bereits in den DDR-Bauakten von 1984 als denkmalpflegerisches Ziel festgehalten wurde.

Der ehemalige Wintergarten an der Südwestfassade wurde im Rahmen der Sanierung 1982–1988 abgetragen und durch eine Freisitzterrasse ersetzt, wie aus den Originalakten hervorgeht.

Innenräume

Im Inneren befindet sich u. a. ein Spiegelsaal, der für Konzerte, Kammermusikabende, Lesungen und Hochzeiten genutzt wird. Weitere Räume befinden sich im Umbau (Stand 2026).

Wirtschaftsgebäude

Unmittelbar hinter dem Herrenhaus befindet sich ein historisches Fachwerkgebäude auf einem Feldsteinsockel, das zum Gutsensemble gehört.

Lenné-Park

Der von Peter Joseph Lenné 1840 entworfene Landschaftspark gehört zum eingetragenen Denkmalkomplex. Er umfasst rund 15 Hektar und enthält:

  • Eine historische Magnolie unmittelbar hinter dem Herrenhaus – eines der ältesten Exemplare in der Region
  • Einen alten Eiskeller aus der Zeit der Gutswirtschaft
  • Einen Schlossteich südöstlich des Herrenhauses mit Wanderweg und Uferbereichen
  • Stattliche Einzelbäume, darunter Eichen, Linden und Ahornbäume
  • Das historische Fachwerkwirtschaftsgebäude

Der Park soll durch den Förderverein Schloss Gültz e.V. für die Öffentlichkeit wiederhergestellt und zugänglich gemacht werden.

Denkmalschutz

Schloss Gültz ist eingetragenes Kulturdenkmal in Mecklenburg-Vorpommern (KLEKs-ID: 208079). Das Denkmalensemble umfasst das Herrenhaus, den Lenné-Park sowie das Wirtschaftsgebäude. Eine Förderung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz wird angestrebt.

Literatur

  • Lutz Mecke, Normann Kühn: Gülz – Schlosspark. In: Historische Parks und Gärten in Mecklenburg-Vorpommern. Rostock o. J.
  • Alexander Duncker: Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der Preußischen Monarchie. Berlin 1857–1883, Bd. [Mecklenburg].
  • Ehrenmitgliedschaft der Universität, Dr. Freiherr von Maltzahn, Gültz (Universitätsarchiv).

Einzelnachweise

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