Schloss Koppitz

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Das Schloss Koppitz (polnisch Pałac w Kopicach, 1936–1945 Schwarzengrund) in Kopice (Koppitz) in der Stadt- und Landgemeinde Grodków (Grottkau) wurde 1958 durch Brand und Vandalismus zerstört. Als Adelssitz geht es bis auf das Mittelalter zurück. Im 19. Jahrhundert wurde es im Stil der im Neogotik- und Neorenaissance mit Tudor-Elementen umgestaltet und aufwändig zur Residenz ausgebaut. Es war der Familiensitz des Montanindustriellen Hans Ulrich von Schaffgotsch und seiner Ehefrau Johanna von Schaffgotsch.

Die Ruine des Schlosses Koppitz 2019

Geschichte

14. – 19. Jahrhundert

Ehepaar Schaffgotsch

Von 1360 an gehörte Koppitz den Herren von Borsnitz. Seit 1450 war es in den Händen der Familie von Beess. Im Jahre 1534 gelangte es in den Besitz des Breslauer Kanonikers am Breslauer Dom Baltzar von Neckern über. Es folgten unter anderen Hans Heinrich Heymann von Rosenthal, Heinrich Gottfried von Spaetgen (auch Spätgen, † 1750) und 1751 die schlesische Adelsgeschlecht von Sierstorpff. Das Rittergut wurde zur Residenz umgebaut und 1783 im durch den Oppelner Architekten Hans Rudolph Stil des Klassizismus verändert.

Im Jahr 1859 wurde das Schloss von Hans Ulrich von Schaffgotsch und seiner Frau Johanna Gryzik von Schomberg-Godulla erworben, die es vor 1864 durch den Breslauer Architekten Carl Johann Lüdecke zu ihrem herrschaftlichen Wohnsitz umgestaltet und ausgebaut hatten.

Wie man bis vor kurzem glaubte, war der Erbauer des Schlosses nicht Carl Johann Lüdecke selbst, sondern Constanty Heidenreich und Richard Young.[1]

Nach dieser aufwendigen Umgestaltung im Stil des Eklektizismus hatte es den Charakter eines Märchenschlosses. Es verwies auf das Schicksal der Hausherrin, das ja auch märchenhaft war. Es war die Geschichte des „schlesischen Aschenputtels“ Johanna Gryzik, das als kleines Mädchen von dem kinderlosen Montanindustriellen Karl Godulla adoptiert worden war und 1848 als Kind sein großes Vermögen geerbt hatte[2].

20. Jahrhundert

Bis 1945 war Schloss Koppitz im Besitz eines Nachkommen der Erbauerin Johanna von Schaffgotsch, die 1910 gestorben war.

Die Wirren und Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs überstand das Schloss ohne Schaden. Noch in der ersten Hälfte der 1950er Jahre wurden dort Ferienaufenthalte und Veranstaltungen für Kinder veranstaltet. Später wurde die Schlossanlage geplündert, und im Jahre 1958 ging das Schloss in Flammen auf. Danach sind das Schlossgebäude und der Park durch ständigen Missbrauch und Vandalismus in einen ruinösen Zustand geraten.

21. Jahrhundert

Im Jahr 1990 verkaufte die Stadt- und Landgemeinde Grodków in der Hoffnung auf den versprochenen Wiederaufbau einem Krakauer Geschäftsmann für einen geringen Geldbetrag die Schlossruine; zusätzlich wurde Ratenzahlung bis 2015 eingeräumt. Der neue Eigentümer hielt sich aber nicht an sein Renovierungsversprechen; der Prozess der Verwüstung wurde in den 18 Jahren bis 2008 nur noch beschleunigt.

Im Juni 2008 kaufte das Unternehmen ZARMEN aus Chorzów (Königshütte) die ruinöse Schlossanlage mit der erklärten Absicht, sie zu rekonstruieren. Im Herbst 2012 wurde mit Renovierungsarbeiten begonnen.

Nach unzähligen Besitzerwechseln und Versuchen, das Schloss zu restaurieren, wurde es Anfang 2017 von der Firma Globucor Luxembourg Polska übernommen. Diese plant die Einrichtung eines Deutsch-Polnischen Museums. Die Arbeiten sollen etwa sieben Jahre dauern.[3]

Beschreibung des Schlosses

Nordseite des Schlosses

Das Ehepaar Johanna und Hans Ulrich von Schaffgotsch lebte ein halbes Jahrhundert in diesem Schloss und konnte dort im November 1908 die Goldene Hochzeit feiern. Der Gebäudekomplex hatte auf jeder Etage (einschließlich Keller) mehr als 50 Räume. Es beherbergte eine hervorragende Sammlung von Skulpturen, Gemälden und Jagdtrophäen, eine Sammlung seltener Bücher und Rüstungen. Als Gäste verkehrten dort die angesehensten Mitglieder der europäischen Aristokratie, Fürsten und Barone, aber auch Künstler und Politiker.

Der dreistöckige zentrale Teil besaß einen betonten Haupteingang, der durch einen markanten Risalit mit Säulenhalle charakterisiert war. Zwei Türme ragten mit ihren Ecktürmchen und Verzierungen rechts und links des Haupthauses empor und der Gebäudekomplex war auf drei Seiten von einem Teich umgeben, so dass das Schloss fast wie eine Wasserburg wirkte. Von der nordwestlichen Seite wurde über eine steinerne Brücke über den Burggraben das Schloss erreicht.

Parkanlage

Tor zum Park des Schlosses (2010)
Die Schlossruine von der Gartenseite

Das Schloss war einer sehr großen und weiträumigen Parkanlage mit vielen Skulpturen und Kunstwerken umgeben. Dieser große Landschaftspark im Englischen Stil, dessen Gründer und Betreuer der königliche Gartendirektor Georg Hempel war, war ebenfalls sehenswert. In der Nähe des Schlosses befanden sich Blumen- und Gemüsegärten, ein Obstgarten, eine Orangerie, ein Rosarium und ein Wintergarten. Tropenpflanzen und bunte Blumenkompositionen befanden sich vor dem Palasteingang. Im Park gab es hundertjährige Eichen, künstliche Ruinen eines Schlosses, einen sogenannten Mausturm, die Grabkapelle der Familie, einen Dianatempel, einen Chinesischen Pavillon und verschiedene Lauben. Er wies originelle Springbrunnen auf und in ihm standen sehr viele lebensgroße Tier- und Menschenfiguren von Carl Kern. Sie sind heutzutage alle nicht mehr vorhanden.

Literatur

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