Schloss Plüschow

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Das Schloss Plüschow ist ein denkmalgeschütztes ehemaliges Herrenhaus in landschaftlich reizvoller Umgebung in Plüschow im Landkreis Nordwestmecklenburg (Mecklenburg-Vorpommern). Es wurde ursprünglich als Sommersitz genutzt.

Schloss Plüschow (Zust. 1988)

Geschichte und Architektur

„Cunrad von Bühlow auf Plütschow und Scharffsdorf“

Seit 1450 befand sich Plüschow (ehemals meist Plüskow genannt) im Besitz der Familie von Bülow. Im Jahre 1758 erwarb der Hamburger Kaufmann Philipp Heinrich Freiherr von Stenglin das Gut als Sommersitz. Der schlichte, zweigeschossige Backsteinbau von elf Achsen wurde 1763 für Stenglin und seine Frau errichtet. Als Baumeister des Hauses kommen sowohl der Lübecker Johann Adam Soherr als auch der Hamburger Ernst Georg Sonnin in Betracht.[1]

Der mecklenburgische Erbprinz Friedrich Ludwig kaufte 1802 das Gebäude und die Ländereien. Gut Plüschow hatte Ende der 1920er Jahre einen Umfang von 558 ha, davon waren 32 ha Forsten.[2] Der Besitz blieb als Großherzogliches Hofgut bis zur Enteignung 1945 im Besitz der Familie. Letzter Eigentümer war nach dem Genealogischen Handbuch des Adels der vormalige Großherzog von Mecklenburg, Friedrich Franz IV. (1882–1945).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Gebäude zuerst Kriegsflüchtlinge untergebracht und danach diente es verschiedenen kommunalen Zwecken wie als Betriebsküche, Kindergarten, Gaststätte und für die Verwaltung. Die Fassadenmitte ist sowohl an der Hof- wie auch an der Gartenseite durch übergiebelte Zwerchhäuser aufgewertet. Die Portale im Gebäude sind von Rocaillen bekrönt. Die Keller sind gewölbt. Die Einfassung des Hofportales wurde 1910 in Sandstein erneuert. Der Hofgiebel zeigt ein Uhrzifferblatt und eine Schlagglocke aus dem Jahr 1763. An die Gartenseite wurde zum Ende des 19. Jahrhunderts eine Veranda angebaut. Zwischen 1991 und 2002 ist das Schloss umfangreich saniert worden.

Die Raumaufteilung im Inneren des Gebäudes ist weitgehend unverändert. Das Obergeschoss ist durch ein Treppenhaus mit einer großen zweiläufigen Treppe erschlossen. Im Obergeschoss sind drei klassizistische Öfen aus der Zeit um 1810 erhalten. Die weiträumige Diele und weitere Erdgeschossräume sind mit Rokoko-Stuckdecken ausgestattet.

Im Dezember 2023 tauchte eine entwendete Barocktapete aus der Entstehungszeit des Schlosses wieder auf.[3]

Nutzung

Die großzügigen Räume werden unter der Trägerschaft des Förderkreises Schloss Plüschow e. V. als Künstlerhaus mit Ausstellungsräumen, Ateliers und Werkstätten genutzt. Eine permanente Ausstellung zeigt die Geschichte des Schlosses. Die Kreativwerkstatt für Kinder bietet Kunst-, Klang-, Theater- und Umweltprojekte. Sie wird durch das Landesjugendamt Mecklenburg-Vorpommern und das Jugendamt des Kreises Nordwestmecklenburg gefördert.

Aus dem Nachlass von Annie Bardon wurde dem Mecklenburgischen Künstlerhaus Schloss Plüschow die private Kunstbibliothek Bardons übereignet. Die Bibliothek steht als Präsenzbibliothek nach Anmeldung zur Verfügung. Die Kunsthistorikerin Annie Bardon (1946–2005) war bis 1999 Direktorin der Kunsthalle Rostock.[4]

Verwalterhaus

Das ehemalige Verwalterhaus nordöstlich des Schlosses wurde um 1760 erbaut. Der sechsachsige Bau ist eingeschossig und wurde mit einem Krüppelwalmdach gedeckt. Die beiden Eingänge sind korbbogig geschlossen.

Speicher

Den Speicher seitlich der Schlossauffahrt ließ Friedrich Franz IV. von 1924 bis 1928 als letztes Gebäude des 20. Jahrhunderts auf dem Anwesen errichten. Das langgestreckte eingeschossige Gebäude nutzen Mecklenburger Künstler für Ausstellungen. Der Maler Matthias Kanter aus dem Ortsteil Friedrichshagen richtete darin sein Atelier ein.[5]

Ehrhardt Museum

Im Oktober 2025 wurde der erste Spatenstich zum Bau des neuen Ehrhardt Museums gesetzt. Auf dem Gelände des Schlosses entsteht auf einer Fläche von 1400 Quadratmetern ein Ausstellungsort für Fotografie und zeitgenössische Kunst, das sich auf den Fotografen Alfred Ehrhardt (1901–1984) bezieht. Sein Sohn Jens Ehrhardt und dessen Frau Elke beauftragten den Architekten und Pritzker-Preisträger Francis Kéré mit dem Entwurf.[6]

Literatur

Einzelnachweise

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