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Schloss Tjolöholm

Schloss in Schweden From Wikipedia, the free encyclopedia

Schloss Tjolöholm (schwedisch Tjolöholms slott) liegt bei Kungsbacka in Schweden am Kungsbackafjord. Das heutige Schloss wurde zwischen 1898 und 1904 nach den Plänen des Architekten Lars Israel Wahlman im Tudorstil sowie im Stil der Arts-and-Crafts-Bewegung erbaut. Es gilt als eines der bedeutendsten Beispiele dieser Architekturrichtungen in Skandinavien. Es ist seit 1935 als Byggnadsminne eingestuft.

Schloss Tjolöholm

Beschreibung

Luftbild

Das Anwesen und die Gärten sind ganzjährig frei zugänglich. Das Schloss selbst kann im Sommer täglich sowie im restlichen Jahr regelmäßig an Wochenenden und während der Ferienzeit im Rahmen von Besichtigungen besucht werden.[1]

Geschichte

Ansicht um 1840

Im Jahre 1231 wurde Tjolöholm erstmals erwähnt, damals noch Thiulfö geschrieben, und gehörte König Waldemar II. von Dänemark. 1659 kaufte es der schwedische Feldmarschall Carl Mauritz Lewenhaupt. In der folgenden Zeit wurde das Schloss mehrmals weiterverkauft und schließlich 1892 vom Stallmeister J. F. Dickson erworben. Dieser ließ das alte Gebäude einreißen und den heutigen Bau errichten.

Die Ära Dickson und Bonde (Bau und Tragödie)

Die Entstehung des heutigen Schlosses ist von familiären Tragödien geprägt. Noch vor dem eigentlichen Baubeginn verstarb James Fredrik Dickson 1898 an einer Blutvergiftung. Seine Witwe, Blanche Dickson (geb. Dennison), führte das monumentale Bauprojekt allein fort. Das Schloss wurde 1904 fertiggestellt und mit modernster Technik (darunter eine eigene Stromerzeugung und innovative Heizsysteme) ausgestattet. Nur zwei Jahre später, im Jahr 1906, verstarb auch Blanche Dickson auf der Rückreise von einer Erholungsreise nach Ceylon an einer Tropenkrankheit auf dem Roten Meer, ohne das Schloss je langfristig bewohnt zu haben.[2]

Das Anwesen fiel daraufhin an die gemeinsame Tochter, Blanche Bonde (geb. Dickson, 1875–1960), die durch ihre Ehe mit dem Grafen Carl Bonde in den Hochadel aufgestiegen war. Sie bewohnte das Schloss über Jahrzehnte hinweg mit ihren vier Söhnen Carl, Thord, Nils und Thure, die dort ihre Jugend verbrachten. Nach der Scheidung des Ehepaars im Jahr 1920 nutzte Blanche Bonde das Schloss primär als herrschaftliche Sommerresidenz und gestaltete die privaten Gemächer (darunter das Schreibzimmer, das Ankleidezimmer und die Bibliothek) nach eigenen Entwürfen um.

Aufgrund der immensen Unterhaltskosten und des harten Klimas wurde das Schloss ab 1951 nicht mehr beheizt und stand leer. Blanche Bonde verstarb 1960.

Übergang in die Öffentlichkeit

Da keiner der vier Söhne die finanziellen Mittel aufbringen konnte, um den sanierungsbedürftigen Bau privat weiterzuführen, entschied sich die Erbengemeinschaft für einen Verkauf.[3][4] Im Jahr 1964 erwarb die Stadt Göteborg das gesamte, 668 Hektar große Anwesen inklusive des historischen Arbeiterdorfes und machte das Schloss für die Öffentlichkeit zugänglich.

Im Spätsommer 1983 rückte das Schloss in den Fokus der internationalen Sportwelt, als auf dem weitläufigen Gelände ein internationales Reit- und Fahrturnier stattfand. Prinz Philip, Herzog von Edinburgh, nahm als aktiver Vierspänner-Fahrer an den Wettkämpfen teil und nächtigte während dieser Zeit im königlichen Gästezimmer des Schlosses.[5]

Heutige Nutzung und Schlosspark

Häuser der Gutsangestellten

Heute wird das Schloss von einer Stiftung (Stiftelsen Tjolöholm) verwaltet[6] und zieht jährlich über 200.000 Besucher pro Jahr an. Der weitläufige Schlosspark, der bis an den Kungsbackafjord reicht, ist von zahlreichen Wanderwegen durchzogen.

Das zum Anwesen gehörende Arbeiterdorf („Allmogebyn“) wurde ursprünglich für die Gutsangestellten im nationalromantischen Stil errichtet. Alle Häuser verfügen über einen Garten und waren für die damalige Zeit modern mit Innentoiletten. Heute wird ein Großteil der Gebäude von der Stiftung als Hotel und Ferienwohnungen vermietet, während einige Häuser privat bewohnt sind. Das ehemalige Gemeinschaftshaus beherbergt das Restaurant „Storstugan“. Das gesamte Dorf steht unter Denkmalschutz.[7]

Auf dem Gelände befand sich ursprünglich auch ein prachtvolles Mausoleum, das Blanche Dickson für ihren verstorbenen Ehemann in Auftrag gegeben hatte und nach ihrem eigenen Tod von ihrer Tochter Blanche Bonde vollendet wurde. Aufgrund des feuchten Untergrunds sackte das Fundament jedoch ab, weshalb die Särge in die Familiengruft von Fjärås umgebettet werden mussten und heute nur noch die Fundamentreste als Ruine auf der Seeseite vom Schloss existieren.[8]

Schlosskirche Tjolöholm im Arbeiterdorf

Seit 1988 wird in der Weihnachtszeit vor dem Schloss ein traditioneller Weihnachtsmarkt errichtet und in der Schlosskirche finden Adventskonzerte statt.

Im Jahr 2010 diente das Schloss als Filmkulisse für den Film Melancholia des dänischen Regisseurs Lars von Trier.

Literatur

Commons: Tjolöholms slott – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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