Schloss Wewer
Schloss in Deutschland
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Das Schloss Wewer gehört zu einem ehemals von Imbsen'schen Rittergut am Rande des Paderborner Stadtteils Wewer in Nordrhein-Westfalen. Die Schlossanlage besteht aus mehreren Gebäuden verschiedenen Datums und wurde im 19. Jahrhundert als Wewer II bezeichnet, um es von dem Besitz Wewer I mit der Alten Burg Wewer zu unterscheiden. Nach dem Ankauf des Imbsen'schen Besitzes im Jahr 1838 wurden die beiden Güter durch den Freiherrn Friedrich Carl von und zu Brenken zu einem Besitz vereint.

Das Schloss steht seit dem 26. Juni 1985 als Baudenkmal unter Denkmalschutz. Alle Gebäude des Anwesens werden heute privat genutzt, sie können nicht besichtigt werden. Von der Straße ist das Areal aber einsehbar.
Geschichte

Ein Gut in Wewer gehörte zu den frühen Besitzungen des Hochstifts Paderborn, eine dortige villa findet schon im 11. Jahrhundert urkundliche Erwähnung. Im Hochmittelalter nannte sich ein Ministerialengeschlecht nach seinem in Wewer vorhandenen Besitz, denn im Jahr 1189 wurde ein Suetherus von Wewer urkundlich genannt. Daneben gab es in Wewer die Familie von Clostere.
1429 waren die Herren von Wewer Besitzer des Gutes. 1449 belehnte das Paderborner Domkapitel Arndt (Arnold) von Imbsen, gest. vor 1478, verheiratet mit Gertrud von Monychhausen, als Nachfolger der Familien von Clostere und von Wewer.[1] Seit 1478 waren Arndts Söhne Cordt I. und Johann gemeinschaftliche Besitzer. Johann verkaufte seinen Teil 1519 an den Ritter Reineke von Brenken, der zuvor Cordts Tochter Anna geheiratet hatte und die Alte Burg bezog, nachdem die Imbsen in den Vorgängerbau des Schlosses Wewer, die Oldenburg oberhalb der Alme, übergesiedelt waren.[1] Obwohl Anna Cordts Erbtochter war, kam dessen Hälfte an Wewer nicht an die Familie ihres Mannes, denn nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Cordt ein zweites Mal. Aus dieser Verbindung ging der Sohn Melchisedech hervor, dem er seinen Anteil am Lehen vererbte. Fortan wurden beide Hälften des Amtes Wewer als zwei getrennte Rittergüter geführt.[2] Jobst Gottfried von Imbsen ließ die Oldenburg abreißen und auf den Grundmauern in der Zeit von 1684 bis 1686 das barocke Schloss errichten.[1]

Am 12./13.07.1813 übernachtete in Schloss Wewer die mit der Eigentümerfamilie verwandte Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, von der dort frühe Gedichte gefunden wurden, mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Jenny[3].[1] Die Familie von Brenken aus der Alten Burg zu Wewer erlosch im Jahre 1817. Ihr Erbe war der Freiherr Franz Joseph von und zu Brenken zu Erpernburg. Als die Familie von Imbsen mit dem Tod Wilhelm Anton von Imbsens am 28. April 1833 ebenfalls im Mannesstamm ausstarb, ging ihr verschuldeter Besitz an die Töchter und stand mit dem Schloss zum Verkauf.[4][5] Friedrich Carl von und zu Brenken, Franz Josephs Sohn, ergriff die Gelegenheit und erwarb den gesamten Imbsen’schen am 6. Februar 1838[4], womit der Besitz wieder in einer Hand vereint war. Das Archiv des Schlosses kam durch die Heirat Sophia von Imbsens im Jahr 1842 an die Familie ihres Mannes Friedrich Ludolf von Landsberg-Velen.[5] Es befindet sich heute als Depositum im Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen (ehemals Staatsarchiv Münster).
Friedrich Carl von und zu Brenken übergab den Wewerschen Besitz an seinen zweiten Sohn Hermann, der mit seiner Frau Maria von Haxthausen fast die gesamte zweite Jahrhunderthälfte in Wewer verbrachte und dem Schloss eine Kapelle sowie aufwendige Vorgebäude anfügte. Hermanns Nachfolger wurden nacheinander seine Söhne Max und Dietrich und nach dessen Tod 1927 dessen Sohn Reinhard, der 1957 verstorbene letzte männliche Namensträger des Geschlechts von Brenken. Reinhard vererbte Schloss Wewer an seine Tochter Juliana von Brenken-Papen, während die Alte Burg an Isa Freifrau von Elverfeldt kam. Damit wurde die Alte Burg, als der ehemalige Brenken’sche Stammsitz, ab den 1970er Jahren von einem Familienmitglied zu neuem Leben erweckt, nachdem hier zeitweise auch die Rentei des Gutes untergebracht war.[1]
Beschreibung

Die Anlage besteht aus dem barocken Schloss, Wirtschaftsgebäuden und einer Mühle sowie einem Schlosspark.
Architektur
Mittelpunkt der heutigen Anlage ist ein zweigeschossiges Schloss aus der Zeit des Barocks. Es ist durch Fenster in 13 Achsen unterteilt und besitzt ein hohes Walmdach mit kleinen Gauben. Das Portal an der Nordseite ist von zwei Säulen flankiert und wird von einem Wappenrelief mit den Wappen Imbsen und Westphalen sowie einer Inschrift mit der in einem Chronogramm enthaltenen Jahreszahl 1686[6] bekrönt. An der Nordwestecke schließt sich dem Gebäude eine neugotische Schlosskapelle des Paderborner Dombaumeisters Arnold Güldenpfennig aus dem Jahr 1862[7] an. Westlich des Herrenhauses steht das Torgebäude von 1867. Die übrigen Ökonomiegebäude des Anwesens sind jüngeren Datums.[8]
Schlosspark
Nordöstlich des Herrenhauses liegt ein rund 9,6 Hektar[9] großer Landschaftsgarten, der im Osten von der Alme und im Westen von der Kreisstraße 37 begrenzt wird. Er wurde im Zuge von baulichen Veränderungen des Ritterguts um das Jahr 1860[10] anstelle eines barocken Parterregartens angelegt. Die Grundstruktur des 19. Jahrhunderts ist größtenteils noch erhalten, das verzweigte System von geschlängelten Gartenwegen existiert indes nicht mehr. Einige andere Gartenelemente, wie zum Beispiel ein Brunnen und eine Grotte, sind nur noch fragmentarisch erhalten.[10]
Literatur
- Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen. Band 2: Westfalen. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1969, S. 599.
- Wewer. In: Alexander Duncker (Hrsg.): Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie nebst den königlichen Familien-, Haus-, Fideicommiss- und Schattull-Gütern. Band 5. Duncker, Berlin 1862, Blatt 298 (zlb.de [Text zwei Seiten danach]).
- Isa Freifrau von Elverfeldt, Die Ritter von und zu Brenken, Wewer Band III, Erweiterte Neuauflage 2025.
- Isa Freifrau von Elverfeldt, Die Freiherren von und zu Brenken, Wewer Band IV, Erweiterte Neuauflage 2025.
- Isa Freifrau von Elverfeldt, Die Freiherren von Imbsen, Wewer Band V, 2016.
- August Kracht: Die Rittergüter der Provinz Westfalen. Weidlich, Frankfurt a. M. 1972, ISBN 3-8035-0560-7, S. 180–181.
- Albert Ludorff: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Paderborn (= Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen. Band 7). Schöningh, Münster 1899, S. 149–150, 152–153 (Digitalisat).
- Karl Eugen Mummenhoff: Schlösser und Herrensitze in Westfalen. Nach alten Stichen (= Burgen, Schlösser, Herrensitze. Band 3). Weidlich, Frankfurt a. M. 1961, S. 68.
- Heinrich Otten (Bearb.): Denkmäler in Westfalen, Stadt Paderborn. Petersberg 2018.
Weblinks
- Haus und Schloss Wewer auf westfalen-adelssitze.de ( vom 28. April 2016 im Internet Archive)
- Schlosspark Wewer bei LWL-GeodatenKultur des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
- Das Gut Wewer im GenWiki