Schmalspurbahn Bärn-Andersdorf–Hof

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Die Schmalspurbahn Bärn-Andersdorf–Hof war eine Schmalspurbahn in Mähren (Tschechien), die ursprünglich als Lokalbahn durch den österreichischen Staat erbaut und betrieben wurde. Sie zweigte in Bärn (Moravský Beroun) von der Bahnstrecke Olomouc–Opava východ ab und führte im Niederen Gesenke nach Hof in Mähren (Dvorce u Bruntálu). Die 1898 eröffnete Strecke wurde 1933 stillgelegt.

Weitere Informationen Bärn-Andersdorf–Hof in Mähren (Beroun-Ondrášov–Dvorce) ...
Bärn-Andersdorf–Hof in Mähren
(Beroun-Ondrášov–Dvorce)
Streckenverlauf
Streckennummer:3002
Streckenlänge:11,484 km
Spurweite:760 mm (Bosnische Spur)
Maximale Neigung: 26,95 
Minimaler Radius:75 m
Streckengeschwindigkeit:30 km/h
Kopfbahnhof Streckenanfang (Strecke außer Betrieb)
0,000 Bärn-Andersdorf / Beroun-Ondrášov 538 m
Strecke (außer Betrieb)
(Anschluss von Bahnstrecke Olomouc–Opava východ)
Brücke über Wasserlauf (Strecke außer Betrieb)
0,117 Bystřice (10 m) 534 m
Brücke über Wasserlauf (Strecke außer Betrieb)
1,717 Stollenbach (6,5 m) 535 m
Haltepunkt / Haltestelle (Strecke außer Betrieb)
2,026 Bärn Stadt / Beroun město 544 m
Haltepunkt / Haltestelle (Strecke außer Betrieb)
5,269 Brokersdorf / Čabová 609 m
Bahnübergang (Strecke außer Betrieb)
Straße Šternberk–Troppau
Kulminations-/Scheitelpunkt (Strecke außer Betrieb)
7,400 Scheitelpunkt 635 m
Bahnübergang (Strecke außer Betrieb)
8,600 Straße Šternberk–Troppau
Brücke über Wasserlauf (Strecke außer Betrieb)
9,454 Lobník (5 m) 591 m
Haltepunkt / Haltestelle (Strecke außer Betrieb)
9,976 Reigersdorf / Rejchartice 572 m
Kopfbahnhof Streckenende (Strecke außer Betrieb)
11,042 Hof in Mähren / Dvorce 564 m
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Geschichte

Nach der Eröffnung der Bahnstrecke Olmütz–Jägerndorf–Troppau der Mährisch-Schlesischen Centralbahn (MSCB) im Jahre 1872, deren Trasse durch das Feistritztal führte, ergaben sich für die etwa zehn Kilometer östlich gelegene Kleinstadt Hof in Mähren wirtschaftliche Standortnachteile. Aber auch die abseitige Lage des Bahnhofs Bärn-Andersdorf war alles andere als optimal, während die Normalspurbahn durch das Feistritztal geführt wurde, lag Bärn mit seiner zahlreichen Textilindustrie am Stollenbach in einem kleinen Seitental.

Nach langen Verhandlungen erklärte sich der österreichische Staat schließlich zum Bau einer schmalspurigen Lokalbahn nach Hof bereit. Mit finanzieller Unterstützung der Stadtgemeinde Hof begann im Frühjahr 1898 der Bau der Strecke.

Bahnhof Bärn Stadt (um 1905)

Am 31. Dezember 1898 wurde die Strecke eröffnet. Den Betrieb führten die k.k. Staatsbahnen (kkStB) selbst aus. Es fuhren zunächst vier Zugpaare täglich. Die Verkehrsentwicklung blieb aber weit unter den Erwartungen, sodass ab 1900 täglich drei gemischte Zugpaare 3. Klasse, die für die elf Kilometer lange Strecke zwischen 45 und 50 Minuten benötigten, verkehrten.[1] Im Frühjahr 1913 wurden einige Brücken verstärkt, damit fortan schwerere Rollböcke verkehren konnten. Wegen des geringen Verkehrs war die Schmalspurbahn schon im Ersten Weltkrieg unwirtschaftlich.[2]

Nach Zerfall Österreich-Ungarns infolge des Ersten Weltkriegs ging die Strecke an die neu gegründeten Tschechoslowakische Staatsbahnen (ČSD) über. Die ČSD führten den Betrieb unverändert fort. Nun gab es Tschechisch/Deutsche-Bahnhofsnamen, während zuvor nur deutsche Stationsbezeichnungen verwendet wurden. Ein in den 1920er Jahren geforderter Lückenschluss zur Bahnstrecke Suchdol nad Odrou–Budišov nad Budišovkou kam nicht zustande.

1928 betrug der Fehrbetrag der Betriebskosten 200.000 Kronen, verursacht zum großen Teil durch Schneeräumung im Winter. Durch die wirtschaftliche Notlage infolge der Weltwirtschaftskrise sank die Auslastung der Strecke weiter und die Bahn wurde noch unrentabler. Eine 1930 eingerichtete, private Autobuslinie von Budišov nad Budišovkou über Stará Libavá und Moravský Beroun nach Ondrášov entzog der Bahn zusätzlich Fahrgäste. Ab dem 2. Oktober 1932 verkehrte darum nur noch ein gemischtes Zugpaar an Werktagen. Sonntags ruhte der Verkehr.

Der Stückgutverkehr wurde ab dem 7. August 1933 von Lastkraftwagen übernommen. Am 14. September 1933 wurde der Eisenbahnbetrieb endgültig eingestellt, die Gleise wurden 1937 abgebaut. Der Reiseverkehr ging auf die neu eingerichtete ČSD-Autobuslinie 2300 von Suchdol nad Odrou nach Ondrášov über.

Erneute Pläne im Zweiten Weltkrieg, die aufgegebene Trasse auf Regelspur umzubauen und mit der nahen Bahnstrecke Suchdol nad Odrou–Budišov nad Budišovkou zu verbinden, wurden nicht mehr realisiert. Auch der in den 1960er Jahren geplante Bau eines Anschlussgleises zum Kunststoffhersteller Granitol auf dem Gelände des Stadtbahnhofs Bärn kam nicht zur Ausführung.

Erhaltene Brücke zwischen Ondrášov und Moravský Beroun (2013)

Relikte der Strecke sind bis heute sichtbar. Vor allem die Brücke zwischen Ondrášov und Moravský Beroun und die Hochbauten der Stationen in Moravský Beroun, Čabová und Dvorce erinnern noch an die einstige Schmalspurbahn.

Streckenbeschreibung

Verlauf

Die Strecke querte kurz nach dem Bahnhof Bärn-Andersdorf (Ondrášov) die Feistritz und folgte zunächst dem Tal des Stollenbachs in nordöstlicher Richtung bergwärts. Nach den Stationen Bärn Stadt und Brockersdorf (Čabová) kreuzte man zweimal die Fernstraße Šternberk–Troppau und die Europäische Hauptwasserscheide. Vorbei an Reigersdorf (Rejchartice) folgte die Strecke nun den Lobniggrund bis Hof in Mähren.

Betriebsstellen

Bärn-Andersdorf

Der Bahnhof Bärn-Andersdorf liegt bereits auf der Flur von Andersdorf, heute ein Ortsteil von Moravský Beroun. Der Normalspurteil wurde für die Schmalspurbahn nur geringfügig erweitert, es entstand ein Überladegleis und eine Rollbockgrube. Zusätzliche Gebäude wurden nicht gebaut. Auch die Gleisanlagen der Schmalspurbahn, gelegen auf dem Bahnhofsvorplatz, waren einfach gehalten.

Bärn Stadt

Im dreigleisigen Bahnhof Bärn Stadt entstand neben dem Empfangsgebäude ein Frachtenmagazin samt Laderampe. Eine Ladestraße existierte an einem weiteren Stumpfgleis. Das Gelände des Bahnhofs ist heute teilweise durch die Fabrikanlage der Firma Granitol überbaut. Das Empfangsgebäude existiert noch innerhalb des Fabrikgeländes.[3]

Brokersdorf

Einfach gestaltet war der Haltepunkt Brokersdorf, hier errichtete man ein Wärterhaus mit angebauter Wartehalle. Das Gebäude ist noch erhalten.

Reigersdorf

Der Haltepunkt Reigersdorf war ebenfalls sehr spartanisch ausgestattet, ein Wärterhaus samt Wartehalle und ein kleiner Stall für den Wärter waren die einzigen Anlagen. Die Station lag schon auf der Flur von Hof, die namensgebende Ortschaft lag etwa zwei km südlich des Haltepunkts.

Straßenseite des ehemaligen Empfangsgebäudes von Hof in Mähren / Dvorce(Stand 2025)

Hof in Mähren

Der Bahnhof Hof in Mähren lag am südwestlichen Stadtrand und besaß drei Gleise. Hier war ein Empfangsgebäude, ein Frachtenmagazin mit angebauter Rampe, ein zweiständiges Heizhaus samt Wasserturm sowie Lokbehandlungsanlagen errichtet worden. Ähnlich wie in Bärn Stadt war die Ladestraße an einem Stumpfgleis angeordnet.[4] Ein Stand des Heizhauses und das Empfangsgebäude, in den 1930er Jahren kurzzeitig als Schulgebäude genutzt, sind heute noch vorhanden.

Fahrzeugeinsatz

kkStB U 12, hier als Museumslokomotive U 37.002 in Jindřichův Hradec (2006)

Die kkStB wollte zunächst Lokomotiven der Reihe Yv für die Strecke beschaffen. Allerdings wurden zwei fabrikneue Lokomotiven der Reihe U mit den Nummern U 12 und U 16 gekauft, die in Hof stationiert wurden. Während des Ersten Weltkrieges wurde die Reservelokokomotive zur k.u.k. Heeresbahn abgegeben. Als Ersatz stationierten die kkStB eine Baulokomotive der Reihe A in Bärn, der später noch eine zweite folgte. Bei den kkStB trugen sie die Nummern A.001 und A.005. Probefahrten mit einem Dampftriebwagen der NÖLB waren erfolglos, die Leistung reichte nicht für die Mitnahme eines Wagens, damit hätte auch der Posttransport entfallen müssen. Nach der Übernahme der Strecke durch die ČSD wurde die U 12 im Jahr 1925 in U 37.002 umgezeichnet, die A.001 und A.005 erhielten die Nummern U 25.001 und U 25.005.

Die Lokomotiven U 25.001 und U 25.005 wurden nach der Stilllegung im Juli 1932 ausgemustert und verschrottet. Die Lokomotive U 37.002 wurde dagegen 1933 mit weiteren Fahrzeugen zur Strecke Röwerdorf–Hotzenplotz umgesetzt. Sie blieb nach zwischenzeitlichem Einsatz auf der Schmalspurbahn Ružomberok–Korytnica und der Pioniereisenbahn Prešov museal erhalten und ist heute betriebsfähige Museumslokomotive in Jindřichův Hradec.[5]

Literatur

  • Johann Blieberger, Arthur Meyer, Josef Pospichal. Schmalspurig durch Alt-Österreich. bahnmedien.at. 2022. ISBN 978-3-903177-38-3
  • Stanislav Pavlíček: Naše Lokálky, Dokořán 2025, ISBN 978-80-7675-234-4
  • Andreas W. Petrak, Joachim Piephans, Martin Junge, Hans-Jürgen Barteld: Nach Hof und Hotzenplotz! Schmalspurbahnen in Mährisch-Schlesien. edition bohemica, Goldkronach 2018, ISBN 978-3-940819-31-4.
  • Radek Sedláček: Místní dráha – Ondrášov–Dvorce na Moravě (= Pohledy do dějin zrušených tratí. Band 3). Nymburk 1998.

Einzelnachweise

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