Schmalspurbahn Taubenheim–Dürrhennersdorf

sächsische Schmalspurbahn mit 750 mm Spurweite im Lausitzer Bergland From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Schmalspurbahn Taubenheim–Dürrhennersdorf war eine sächsische Schmalspurbahn mit 750 mm Spurweite im Lausitzer Bergland. Die etwa zwölf Kilometer lange Strecke verlief von Taubenheim/Spree ausgehend über den Industrieort Oppach nach Dürrhennersdorf. Die 1892 eröffnete Strecke diente nur dem lokalen Verkehr und wurde 1945 als Reparationsleistung für die Sowjetunion demontiert.

Weitere Informationen Taubenheim (Spree)–Dürrhennersdorf ...
Taubenheim (Spree)–Dürrhennersdorf
Streckenverlauf
Ausschnitt der Streckenkarte Sachsen von 1902
Kursbuchstrecke:135m (1934)
161b (1944, 1946)
Streckenlänge:12,044 km
Spurweite:750 mm (Schmalspur)
Maximale Neigung: 25 
Minimaler Radius:100 m
Streckengeschwindigkeit:30 km/h
Kopfbahnhof Streckenanfang (Strecke außer Betrieb)
0,000 Taubenheim (Spree) 309 m
Strecke (außer Betrieb)
Anschluss von Bahnstrecke Oberoderwitz–Wilthen
Brücke über Wasserlauf (Strecke außer Betrieb)
Spree
Brücke (Strecke außer Betrieb)
2,560 EÜ Lindenberger Str. (10 m)
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
2,95 Oppach 314 m
Brücke (Strecke außer Betrieb)
3,595 Viadukt Oppach (75 m)
Brücke (Strecke außer Betrieb)
5,188 Bachbrücke (10 m)[1]
Brücke (Strecke außer Betrieb)
5,640 Bachbrücke (10 m)[2]
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
5,83 Beiersdorf (Oberlausitz) 374 m
Brücke (Strecke außer Betrieb)
6,050 Brücke Beiersdorf (22 m)
Haltepunkt / Haltestelle (Strecke außer Betrieb)
7,28 Oberschönbach 401 m
Haltepunkt / Haltestelle (Strecke außer Betrieb)
8,74 Schönbach (b Löbau/Sachs) 373 m
Haltepunkt / Haltestelle (Strecke außer Betrieb)
9,84 Unterschönbach 354 m
Brücke (Strecke außer Betrieb)
11,609 Viadukt Dürrhennersdorf (55 m)
Kopfbahnhof Streckenende (Strecke außer Betrieb)
12,044 Dürrhennersdorf 349 m
Anschluss an Bahnstrecke Ebersbach–Löbau
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Geschichte

19. und 20. Jahrhundert

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gab es einen allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung im 1871 neu gegründeten Deutschen Kaiserreich. Neben der Textilindustrie siedelten sich in der Gegend um Oppach, Beiersdorf und Schönbach auch einige metallverarbeitende Betriebe an. Die Industriellen dieser Gemeinden wünschten sich einen Bahnanschluss zur Verbesserung der Transportmöglichkeiten, um ihre Produkte nicht mehr mit Pferdefuhrwerken zu den Bahnhöfen der um Umfeld verlaufenden Regelspurstrecken bringen zu müssen. In einem 1887 gegründeten Komitee setzte sich besonders der Fabrikbesitzer und Abgeordnete Karl Friedrich Matthes aus Schönbach für einen Bahnbau ein. Von vornherein zweifelte die Staatsregierung aber an der Rentabilität einer Bahnstrecke, sodass der Landtag in Dresden am 7. Februar 1890 nur eine Schmalspurbahn mit der damals in Sachsen üblichen Spurweite von 750 mm genehmigte. Im September 1891 begannen die Bauarbeiten an der 12,04 km langen Eisenbahn. Insgesamt wurden 94.000 m³ Erdmassen bewegt, 13.740 m Gleis verlegt und mehrere Brückenbauwerke errichtet. Am 1. November 1892 eröffneten die K.Sächs.Sts.E.B. die Strecke.[3] Die Baukosten für die bahnamtlich TD-Linie bezeichnete Bahn beliefen sich auf ungefähr 1,1 Millionen Mark, da bei Oppach und Dürrhennersdorf zwei größere Brücken notwendig waren.[4]

Neben der Personenbeförderung diente die Schmalspurbahn vor allem dem Transport von Landwirtschaftsprodukten, Steinen und Kohlen für die an der Strecke liegenden Fabriken. Mit der Aufnahme des regulären Verkehrs begann auf der Schmalspurbahn zudem der Bahnpostverkehr. Dafür kam als sogenannte A-Bahnpost ein im Eigentum der Kaiserlichen Reichspost befindlicher zweiachsiger Bahnpostwagen zum Einsatz. Um 1930 verlagerte die Reichspost den Postverkehr auf die Straße. Während des Zweiten Weltkriegs gab es dann nochmals eine Bahnpost auf der Schmalspurbahn.[5]

Auf der Strecke kamen in den Anfangsjahren täglich drei gemischte Züge zum Einsatz, in denen sowohl Personen- als auch Güterwagen eingereiht waren. Ab der Inbetriebnahme fand auf der TD-Linie auch Rollbockverkehr statt, zunächst aber nur mit einem Rollbockpaar. Im Jahr 1911 gaben die K.Sächs.Sts.E.B. den gemischten Betrieb auf, da mit dem steigenden Verkehrsaufkommen die Rangieraufenthalte immer länger dauerten. Fortan verkehrten zusätzlich auch reine Güterzüge. In den Jahren 1927/28 stellte die RBD Dresden auf der Taubenheimer Strecke vom Rollbock- auf Rollwagenbetrieb um – bis dahin war die TD-Linie eine der letzten sächsischen Schmalspurbahnen mit dieser in Sachsen 1885 eingeführten Technologie gewesen. Voraussetzung für den Rollwagenbetrieb war ein stärkerer Oberbau und erhöhte Laderampen, diese Umbauten ließ die RBD Dresden 1927 ausführen. Dies erfolgte, damit die verbliebenen Rollböcke nach Zittau umgesetzt werden konnten, denn die ČSD wollten die von ihnen betriebene Schmalspurbahn Frýdlant v Čechách–Heřmanice nicht auf Rollwagenbetrieb umstellen. Da die RBD Dresden den Neubau veralteter Rollböcke ablehnte, zog sie die letzten sächsischen Fahrzeuge in Zittau zusammen.[6]

Viadukt Dürrhennersdorf (1911)

Ihre Blütezeit erlebte die TD-Linie zwischen 1938 und 1944 durch Kriegsvorbereitungen und den Zweiten Weltkrieg. Die hier ansässige Rüstungsindustrie produzierte zahlreiche kriegswichtige Güter. So verkehrten neben fünf Zugpaaren auch noch zwei Personenzüge auf dem Abschnitt Taubenheim–Oppach, auch wurden zusätzliche Güterzüge in den Fahrplan eingelegt. Wichtigster Güterkunde in dieser Zeit war vor allem das Siemens-Werk in Oppach. Zwischen 1000 und 1200 Berufspendler nutzten in dieser Zeit täglich die Schmalspurbahn.[7] So wurden ab 1940 planmäßig zwei Lokomotiven benötigt, zum angedachten Einsatz der Schmalspurtriebwagen 137 322–325 kam es nicht. Noch am 8. Mai 1945 sprengten Wehrmachtsangehörige den Viadukt in Dürrhennersdorf, die behelfsmäßig reparierte Brücke konnte ab Juni 1945 wieder befahren werden.[8]

Wenige Monate nach Kriegsende stellte die RBD Dresden am 17. September 1945 den Betrieb auf der Strecke ein. Die Schienen sowie fast alle Fahrzeuge gehörten zu den Reparationen an die Sowjetunion. Im November 1945 fuhr der letzte Abbauzug. In den nachfolgenden Jahren wurden zwar einige Versuche unternommen, die Strecke wiederaufzubauen, das Vorhaben scheiterte aber an Materialmangel.

21. Jahrhundert (Nachnutzung)

Heute sind noch viele Relikte der ehemaligen Bahnlinie zu finden. Der Bahnhof Taubenheim (Spree) ist Bestandteil des historischen Rundweges im Ort. Nördlich des Bahnhofs erinnert der Straßenname An der Kleinbahn an die Schmalspurbahn. In Oppach steht an der Straße der Jugend das ehemalige Empfangsgebäude und sind im östlichen Gemeindegebiet die Widerlager des einst über die Löbauer Straße führenden Viaduktes zu sehen. Von Mitte August 2014 bis Anfang Februar 2025 stand der im Eigentum des Interessenverbandes der Zittauer Schmalspurbahnen e.V. befindliche Schmalspurwagen 970-243 in Oppach auf Höhe des Anne-Rose Säuberlich-Hauses. Derartige Personenwagen fuhren einst auch auf der TD-Linie. In Dürrhennersdorf sind ebenfalls noch Relikte der Schmalspurbahn, wie der Lokschuppen[9] und die Widerlager des Viaduktes, vorhanden.

In Beiersdorf und Oberschönbach ist die ehemalige Bahnstrecke Teil des Rundweges um den Bieleboh, von Mittelschönbach kann der Bahndamm bis zum Ortsbeginn von Dürrhennersdorf als Radweg benutzt werden. In der ersten Hälfte der 2020er Jahre wurde der Ausbau des Radweges auf dem Bahndamm von Schönbach in den Ortskern von Beiersdorf fortgesetzt. Durch den Ersatzneubau des Beiersdorfer Viadukts und der Brücke über die Schmiedentalstraße ist der Radweg inzwischen durchgängig von Schönbach bis zum ehemaligen Bahnhof in Beiersdorf befahrbar. Die Einweihung des durchgängig befahrbaren Radweges im Gemeindegebiet von Schönbach fand am 21. September 2025 statt. An diesem Tag konnte die von 1925 bis 1927 auf der TD-Linie eingesetzte Dampflok IV K Nr. 145 (99 555) auf einem Tieflader im ehemaligen Gleisbereich des Bahnhofes Schönbach besichtigt werden.[10]

Seit Anfang Februar 2025 steht der zuvor in Oppach aufgestellte Schmalspur-Personenwagen 970-243 auf einem neu errichteten Gleisjoch neben dem Empfangsgebäude in Taubenheim, wo er seit September 2025 als Café verwendet wird und nach einer Neulackierung auch seine ab 1927 gültige Nummer „Dresden K 394“ trägt.

Fahrzeugeinsatz

Die eingesetzten Lokomotiven und Wagen entsprachen den allgemeinen sächsischen Bau- und Beschaffungsvorschriften für die Schmalspurbahnen und konnten daher freizügig mit Fahrzeugen anderer sächsischer Schmalspurstrecken mit 750 mm Spurweite getauscht werden.

In den Anfangsjahren kamen zunächst die dreifach gekuppelten I K-Lokomotiven auf der Strecke zum Einsatz. Kurzzeitig gehörte auch eine Lokomotive der Gattung III K (Nr. 36) zum Lokomotivbestand. Ab 1926 bis zur Stilllegung 1945 wurde der Zugverkehr fast ausschließlich von Lokomotiven der leistungsstärkeren Gattung IV K bewältigt. Belegt ist zudem der kurzzeitige Einsatz einer Lok der Gattung V K um 1940. Bei Schäden wurden die Lokomotiven oft mit denen der Zittauer Schmalspurbahn getauscht.

Im Jahr 1892 waren drei zweiachsige und ein vierachsiger Reisezugwagen sowie 13 gedeckte und 22 offene Güterwagen vorhanden. Bis 1926 wurden die zweiachsigen Reisezugwagen durch vierachsige ersetzt. Zur Betriebseinstellung 1945 waren insgesamt 17 vierachsige Personenwagen im Bestand.

Der Güterverkehr wurde zunächst fast ausschließlich mit Schmalspurgüterwagen abgewickelt, da zunächst nur ein einziges Rollbockpaar vorhanden war. Später wurde der Rollfahrzeugverkehr eingeführt. Im Jahr 1945 waren 23 vierachsige Rollwagen vorhanden. Dazu kamen insgesamt 18 schmalspurige Güterwagen der Gattungen OO/OOw, GGw und HH.[11]

Fotos

Literatur

  • Reiner Preuß: Alles über Schmalspurbahnen der Oberlausitz. transpress Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-613-71431-1, S. 12–79, 94–99
  • Wolfram Wagner, Gotthard Paul, Peter Krause und Christoph Walter: Die Geschichte der Schmalspurbahnen Taubenheim (Spree)–Dürrhennersdorf und Herrnhut–Bernstadt; 2. Auflage, Deutscher Modelleisenbahn-Verband (Hrsg.), 1989; ohne ISBN
  • Matthias Hengst: Frühere sächsische Schmalspurbahnen nördlich der Elbe. Bufe-Fachbuch-Verlag, Egglham 1995, ISBN 3-922138-56-X.

Einzelnachweise

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