Schmergow
Ortsteil der Gemeinde Groß Kreutz (Havel)
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Schmergow liegt unmittelbar südlich der Havel zwischen Brandenburg an der Havel und Werder (Havel) in der Mittelmark im Westen des Landes Brandenburg. Er gehört zur Gemeinde Groß Kreutz (Havel) und hat etwa 850 Einwohner auf einer Fläche von 16,35 Quadratkilometern. Schmergow ist geprägt durch landwirtschaftliche Nutzungen wie Obst-, Gemüse- und Getreideanbau, ehemalige Lehmabbaugebiete und Auenwälder am Ufer der Havel.
Schmergow Gemeinde Groß Kreutz (Havel) | |
|---|---|
| Koordinaten: | 52° 27′ N, 12° 49′ O |
| Höhe: | 34 m |
| Fläche: | 16,35 km² |
| Einwohner: | 832 (31. Dez. 2022)[1] |
| Bevölkerungsdichte: | 51 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 26. Oktober 2003 |
| Postleitzahl: | 14550 |
| Vorwahl: | 033207 |
Ortsansicht | |

Geschichte und Etymologie
Etymologie
In Schmergow konnten Besiedlungsspuren bis in die mittlere Steinzeit nachgewiesen werden. Der Name „Smergowe“ ist erstmals im 13. Jahrhundert belegt. Er ist slawisch und bedeutet „Ort, wo Morcheln wachsen“; möglich ist auch „Siedlung eines Mannes namens Smerg“ (= Morchel). Das Ortswappen zeigt daher eine Morchel. Weitere historische Namensformen sind:
- 1217 Heinricus de Schmergowe (Zeuge in Brandenburg)
- 1273 in villa Schmergow
- 1305 villam Schmergowe, termini ville Schmergow
- 1309 Gereke Schmergowe (Bürger in Brandenburg)
- 1375 Schmergow
- 1450 Schmerghow
- 1481 Smergo
- um 1500 Smergo
- 1533 Schmergow
- 1624 Schmerge
- 1775 Schmerge, Schmergow
13. bis 15. Jahrhundert
Schmergow wurde 1273 erstmals als villa erwähnt, nachdem zuvor bereits ein Heinricus de Schmergowe im Jahr 1217 als Zeuge in Brandenburg erschien. Bereits zu dieser Zeit besaß das Kloster Lehnin zwei Hufen im Dorf. Bis 1305 stand der Ort unter markgräflicher Herrschaft, danach gehörte er bis 1542 dem Kloster Lehnin. Im Jahr 1375 umfasste Schmergow 51 Hufen, von denen eine dem Pfarrer zustand; außerdem gab es 15 Kossäten und einen Krug. 1402 wurde das Dorf von den von Quitzow überfallen und beraubt. 1450 wurden 52 Hufen sowie Kossäten und eine Herde erwähnt, 1480 bestanden zwei Herden.[2]
16. Jahrhundert
1538 wurden 45 Hufen, drei Kossäten und ein Schmied verzeichnet. Bei einer Visitation im Jahr 1541 wurden 120 Kommunikanten gezählt. Nach der Säkularisation des Klosters Lehnin kam Schmergow 1542 zum Amt Lehnin.[2] Der Pfarrer besaß ein Pfarrhaus mit einer Pfarrhufe (1541); dazu gehörten Wiesenflächen bei der Hufe. Im Jahr 1558 wurde zudem eine Wiese am Havelstrom erwähnt. Der Pfarrer verfügte über freie Fischerei, den Kornzehnten sowie den dritten Teil des Fleischzehnten. Der Küster besaß ein Küsterhaus mit einem Landstück von einem Scheffel Aussaat und Wiesenwachs für vier Fuder Heu. Außerdem erhielt er jährlich 38 Scheffel Roggen, aus jedem Haus vier Brote sowie Ostereier. Die Kirche besaß 1541 eine Wiese mit einem Ertrag von drei Fudern Heu und einen Heiligen Mann; 1558 wurden außerdem Ländereien mit einer Aussaat von vier Scheffeln über das dritte Jahr genannt.[3]
17. Jahrhundert
1602 lebten im Dorf 13 Bauern, acht Kossäten und sechs Häusler. 1605 verfügte der Dorfschulze über zwei Lehn- und zweieinhalb Erbhufen; daneben wurden elf Bauern mit viereinhalb Hufen, ein Bauer mit dreieinhalb Hufen und acht Kossäten genannt. 1610 besaß der Schulze zwei freie Hufen, die Kruggerechtigkeit sowie ein Wehr auf dem Schmergower Damm und zwei Bruchwehre. 1624 wurden 13 Bauern, sechs Kossäten, zwei Fischer mit je einem Wehr, zwei Hirten, ein Schmied, zweieinhalb Paar Hausleute sowie insgesamt 58 Hufen einschließlich einer Pfarrhufe aufgeführt. Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges waren 1652 noch zwölf Bauern und sieben Kossäten mit insgesamt 33 Personen vorhanden. 1687 bestanden zwölf Bauern mit viereinhalb Hufen, ein Bauer mit dreieinhalb Hufen, acht Kossäten, ein Schmied, ein Kuhhirte, ein Hirte mit Knecht, ein Braukrüger, drei Hausleute und drei Knechtefrauen. Die Dorfmark umfasste 57½ beitragspflichtige Hufen.[2]
18. Jahrhundert
1729 wurden zwölf Bauern und acht Kossäten gezählt. 1745 bestanden 13 Bauernstellen, acht Kossätenstellen sowie eine Windmühle. 1746 wurden ein Schulze mit zwei Lehn- und zweieinhalb Erbhufen, zwölf Bauern, acht Kossäten und drei Büdner, darunter Schmied und Windmüller, genannt. 1772 bestand Schmergow aus einem Prediger, einem Freischulzen, zwölf Bauern, neun Kossäten, einem Müller und einem Schmied.[2]
19. Jahrhundert
1801 umfasste das Dorf einen Lehnschulzen, zwölf Ganzbauern, acht Ganzkossäten, vier Büdner und 16 Einlieger. Zudem bestanden eine Schmiede, eine Windmühle und ein Krug. Die Feldmark umfasste 57 Bauernhufen und eine Lehnhufe; gezählt wurden 48 Feuerstellen. 1837 wurden 46 Wohnhäuser verzeichnet. 1858 hatte Schmergow eine Fläche von 6173 Morgen, davon 2796 Morgen Acker, 2215 Morgen Wiese und 1110 Morgen Weide. Im Dorf bestanden sechs öffentliche Gebäude, 60 Wohnhäuser und 139 Wirtschaftsgebäude, darunter zwei Ziegeleien und zwei Windmühlen. Schmergow war ein Dorf und Gemeindebezirk.[2] 1885 und 1895 wurden die Wohnplätze Erdestich und Ziegeleien genannt.[4]
20. und 21. Jahrhundert

Um 1900 umfasste die Gemarkung 1628 Hektar, im Dorf standen 107 Häuser. 1906 bestand Schmergow aus dem Dorf mit zwei Ziegeleien und zwei Mühlen. 1931 war es Landgemeinde mit dem Wohnplatz Ziegelei und umfasste 113 Wohnhäuser mit 234 Haushaltungen bei einer Gemeindefläche von 1629 Hektar. 1939 bestanden fünf land- und forstwirtschaftliche Betriebe über 100 Hektar, zehn Betriebe mit 20 bis 100 Hektar, sieben mit 10 bis 20 Hektar, fünf mit 5 bis 10 Hektar sowie 51 Betriebe mit 0,5 bis 5 Hektar.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 1946 im Zuge der Bodenreform 1070 Hektar enteignet und aufgeteilt. Davon erhielten 56 Landarbeiter 234,4 Hektar, sechs Obstzüchter 18,8 Hektar, 48 Umsiedler 229,1 Hektar, 31 nichtlandwirtschaftliche Arbeiter, Angestellte und Handwerker 63,08 Hektar, zwei Gärtner 6,2 Hektar, 24 Bauern 98,3 Hektar, die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) 9,7 Hektar und die Gemeinde Phöben 39,7 Hektar; 306 Hektar wurden in ein VEG überführt.[2]
1953 entstand eine LPG Typ III mit 28 Mitgliedern und 91 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. 1960 bestanden eine LPG Typ III mit 100 Mitgliedern und 714 Hektar Nutzfläche sowie zwei LPG Typ I mit 17 Mitgliedern und 103 Hektar Nutzfläche. Diese wurden 1961 zusammengeschlossen und 1969 an die LPG Typ III angeschlossen. Daneben bestand ein VEG als Betriebsteil von Groß Kreutz mit 53 Beschäftigten und 306 Hektar Nutzfläche. 1973 waren eine LPG, das VEG, ein Betriebsteil des VEB Besamung Potsdam sowie die Floßmeisterei der Wasserwirtschaftsdirektion Havel in Schmergow ansässig.[3]
Die ehemals eigenständige Gemeinde Schmergow wurde am 26. Oktober 2003 nach Groß Kreutz/Emster eingemeindet.[5] Seit dem 1. Juli 2004 trägt die Gemeinde den Namen Groß Kreutz (Havel).[6]
Bevölkerungsentwicklung
| Einwohnerentwicklung in Schmergow von 1772 bis 1971 | ||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jahr | 1772 | 1801 | 1817 | 1837 | 1858 | 1871 | 1885 | 1895 | 1905 | 1925 | 1939 | 1946 | 1964 | 1971 |
| Einwohner | 302 | 377 | 354 | 468 | 568 | 760 | 1076 und 11 (Erdestich) | 1035 und 2 und 37 (Ziegeleien) | 1030 und 25 (Ziegeleien) | 891 | 879 | 1265 | 994 | 1000 |
Kultur und Sehenswürdigkeiten

- Die Dorfkirche Schmergow ist eine denkmalgeschützte evangelische Kirche. Das barocke Kirchenschiff wurde 1744 errichtet, der Westturm stammt aus dem 15. Jahrhundert. Zur Kirchenausstattung gehören eine Kanzel aus dem 18. Jahrhundert sowie eine 1856 von Carl Ludwig Gesell erbaute Orgel.
- Die Dorfschmiede wurde etwa 1905/1910 erbaut und steht ebenfalls unter Denkmalschutz, ebenso die Ziegelpflasterstraße aus dem Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts.
Weblinks
- Schmergow in der RBB-Sendung Landschleicher vom 29. Mai 2016
Literatur
- Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 395ff.)

