Schmied von Essen

Kriegsnagelung in Essen, Nordrhein-Westfalen From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Schmied von Essen war ein Kriegerdenkmal zum Zweck der Kriegsnagelung im Essener Stadtkern. Es stand von 1915 bis 1918 auf dem Platz zwischen dem Hotel Handelshof und dem Essener Hauptbahnhof.

Schmied von Essen

Geschichte

Das hölzerne Monument des Schmieds von Essen diente der Kriegsnagelung: Die Bürger konnten hier gegen eine Spende Nägel oder kleine Tafeln einschlagen, die Spenden sollten Kriegsopfern zugutekommen. Diese Idee breitete sich 1915 von Wien aus über Österreich und ganz Deutschland aus.

Kriegsmal

Einweihungsfeier am 25. Juli 1915

Der Entwurf zur etwa 3,5 Meter großen Halbrelief-Figur des Schmieds von Essen stammte vom Berliner Bildhauer Ludwig Nick (1873–1936). Die die Figur umgebende Halle, die vorn am überspannenden Dachaufbau die Worte Unseren Helden trug, entwarf der Architekt Edmund Körner. Die auf ganzer Breite der Halle zum Schmied von Essen führenden Stufen waren von Blumenkübeln flankiert. Am 10. Juni 1915 gab es eine erste Vorstellung der Planung durch den damaligen Oberbürgermeister Wilhelm Holle.

Die Zeitungen schrieben auch vom Essener Schwertmann, denn der vor einem Eisernen Kreuz stehende, mit einem Schurzfell bekleidete Mann hielt in der linken Hand den Reichsschild und in der rechten ein Schwert. Er stand auf einem Sockel, den ein aus Eisen getriebener Drache zierte. Folgende zwei Zitate aus einer Rede von Kaiser Wilhelm II. befanden sich auf zwei Platten links und rechts direkt neben dem Schmied:

„Wir werden uns wehren bis zum letzten Hauch von Mann und Ross.“

und

„Noch nie wurde Deutschland überwunden, wenn es einig war.“

Das Wappen der Stadt Essen sowie das Logo der Friedrich Krupp AG, die drei Ringe, waren zu Füßen der Figur positioniert. Krupp wurde damals als Waffenschmiede des Deutschen Reichs bezeichnet. Der damalige Unternehmensinhaber Gustav Krupp von Bohlen und Halbach und seine Frau Bertha übernahmen die Kosten des gesamten Monuments von 12.000 Mark. Auch an der die Figur umgebenden Halle waren Texte angebracht. Links befand sich ein Sinnspruch aus dem 19. Jahrhundert, der übersetzt Wo Eisen liegt, wo Eichen wachsen, da wachsen auch Leute, die dazu passen bedeutet:

„Wo Isen Ligg Wo Erken Wass’t Dao Wass’t Auk Lu De Daobi.“

Auf der rechten Seite stand ein Zitat aus Goethes Des Epimenides Erwachen:

„Zusammen haltet euren Wert und euch ist niemand gleich.“

An weiteren Kosten für Nägel und Ansichtskarten beteiligten sich der Essener Beigeordnete Ortwin Grevel und der Diplomat Julius von Waldthausen.[1]

1915 wurde das Nagellied von Kurt Bracht in Essener Schulen eingeführt. Dieses und weitere Sprüche waren im Eisernen Buch des Schmiedes von Essen aufgeführt.[2]

Einweihung

Die Einweihung des Schmieds von Essen fand am 25. Juli 1915 auf dem nördlichen Bahnhofsvorplatz statt. (Die heute hier verlaufende Hollestraße gab es noch nicht, sie wurde 1922 als Hansastraße angelegt und erhielt 1932 ihren heutigen Namen.[3]) Eine Kompanie des Infanterie-Regiments Nr. 159 aus Mülheim an der Ruhr stellte sich zur Feierlichkeit auf, und es fanden sich Abordnungen der Kriegervereine, Vertreter der Behörden und geladene Gäste ein, umsäumt von einer Zuschauermenge. Die Essener Schriftstellerin Maria Weinand sprach den Prolog und der Essener Gesangsverein sang. Der Architekt Edmund Körner sprach bei der Übergabe. Als Oberbürgermeister Holle den Schmied von Essen in seine Obhut nahm, forderte er zur ersten Nagelung auf, wobei er selbst den ersten Nagel einschlug. Nachdem der Schmied enthüllt und die Deutsche Nationalhymne gesungen war, wurden erste Nägel eingeschlagen.[4][5] Am 31. Juli 1915 fand anlässlich der Einweihung der Nagelfigur im großen Saal des Essener Saalbaus eine Aufführung statt, um unbemittelten Kindern den Erwerb von Nagelkarten zu ermöglichen. Zur Aufführung kam Das Märchen von der Geige von Leïna Andersen.[6]

Kriegsnagelungen bis 1918

Nachdem am ersten Tag 1387 Metallnägel in die Holzfigur und die seitlichen Platten eingeschlagen wurden, gab es später viele Nagelungsfeiern von Schulklassen, Vereinen oder Unternehmen, aber auch von einzelnen Bürgern. Zur Feier der Kriegsjahreswende am 1. August 1915 kamen, nach einem festlichen Zug durch die Stadt Essen, etwa 600 Waisenkinder zur Nagelung, wobei eine Kapelle spielte und ein Chor sang. Später schlugen die Mitglieder des Chores der St.-Johanniskirche unter dem Vortrag von Nägelliedern ihre Nägel ein und spendeten ihre Beträge. An diesem Tag wurde die Gesamtzahl aller Nägel von 6418 erreicht.[7] Bis zum 5. August 1915 erhielt das Nagelbild 8118 Nägel bei Gesamteinnahmen von 18.000 Mark.[8] Der Stadtteil Rellinghausen rief am 31. Oktober 1915 ein eigenes Nagelfest ins Leben.[1] Auch am Abend war mit Hilfe von Scheinwerferlicht aus dem Hotel Handelshof heraus die Nagelung möglich. Am 9. Januar 1916 lud der Werkmeister-Verein Essen-Ruhr zur Nagelung, wobei das Erscheinen aller zur sogenannten Ehrenpflicht gemacht wurde.[9]

Im Essener Rathaus fand am 2. Mai 1918 auf Veranlassung der Verwaltung eine Besprechung zum Schmied von Essen statt. Es wurde mitgeteilt, dass das Denkmal repariert ist, einen helleren Anstrich erhält und auf dem Bahnhofsvorplatz erhalten bleiben soll. Der Architekt Edmund Körner schlug eine bessere Ausleuchtung des Denkmals und die Erneuerung der umliegenden gärtnerischen Anlagen vor. Zudem sollten künftig auch die großen Frauenorganisationen herangezogen werden. Nach Abzug von Unkosten waren bis zu diesem Tag insgesamt 348.902 Mark durch Nagelungen gesammelt worden. Davon waren 327.000 Mark in Kriegsanleihen und der Rest bei der Sparkasse angelegt worden.[10]

Am 17. Oktober 1918 lief die bis dahin rund drei Jahre andauernde Sammlung an Spenden durch die Nagelungen aus. Nachdem man sich 1915 hohe Ziele bezüglich der Spenden gesetzt hatte, kam über die gesamte Zeit abzüglich aller Kosten eine Spendensumme von rund 356.000 Mark zusammen, was einen Misserfolg bedeutete. Die Spenden sollten ursprünglich in die Kriegsfürsorge fließen, aber es wurde ein Großteil in Kriegsanleihen angelegt und ging damit verloren.[1] Die Figur des Schmieds von Essen sollte nach vollendeter Nagelung eigentlich dauernd in einem öffentlichen Gebäude Platz finden. Da die Figur jedoch als Symbol des Kaiserreichs angesehen wurde, war sie nach Kriegsende nicht mehr gern gesehen. Der Ausschuss des Schmieds von Essen fasste am 19. Februar 1919 den Beschluss, das Standbild vorläufig im kleinen Vorhof des Grillohauses unterzubringen, das sich gegenüber der Kirche St.-Johann-Baptist in der Kettwiger Straße (hier damals Burgstraße) befand.[11] Im September 1919 wurden einige eingeschlagene Plaketten vom Standbild entwendet.[12]

Neuaufstellung im Grugapark und Zerstörung

Die Figur des Schmieds von Essen wurde restauriert und fand, nach Zwischenstation von 1921 bis 1934 im Stadtgarten, einen neuen Platz im Grugapark. Sie wurde oberhalb der Farbenterrassen zusammen mit einem Leuchtbrunnen aufgestellt.[1] Während des Zweiten Weltkriegs fiel die Figur vollständig den Kriegseinwirkungen zum Opfer. Sie wurde zusammen mit dem gesamten Grugapark zerstört, der von den Alliierten rund 500 Bombentreffer erhielt.[1]

Einzelnachweise

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