Jos. Schneider Optische Werke
Hersteller von optisch-feinmeschanichen Objekten
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Jos. Schneider Optische Werke GmbH (kurz: Schneider-Kreuznach[1]) mit Sitz in Bad Kreuznach ist ein weltweit bekanntes optisch-feinmechanisches Unternehmen.

| Jos. Schneider Optische Werke GmbH (Kurzform: Schneider-Kreuznach)[1] | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 28. Dezember 1912 |
| Sitz | Bad Kreuznach, Deutschland |
| Leitung | Wolfgang Ullrich |
| Mitarbeiterzahl | 330[2] |
| Umsatz | 64,8 Mio. EUR[2] |
| Branche | Optik, Messtechnik, Feinmechanik |
| Website | www.schneiderkreuznach.com |
| Stand: 31. Dezember 2018 | |
Die Firma wurde mit Vertrag vom 28. Dezember 1912[3] unter dem Namen „Optische Anstalt Jos. Schneider & Co., Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ in Kreuznach an der Nahe gegründet und zum 18. Januar 1913 ins Handelsregister eingetragen.[4] Als Geschäftsführer wirkten der Beigeordnete und Kaufmann Josef [sic!] Schneider und der Ingenieur und Optiker Hermann Bauer aus München.[4] Dieses Unternehmen wurde durch Beschluss der beiden Gesellschafter zum 31. Dezember 1915 aufgelöst und von Josef Schneider liquidiert.[5] Ab 1. Januar 1916 führte Josef Schneider sen. das Geschäft als Einzelkaufmann weiter, Hermann Bauer und Josef August Schneider jun. wurden Prokuristen.[5] Ab dem 27. Dezember 1922 nannte sich die Firma Jos. Schneider & Co. Optische Werke[6], im Logo kurz auch als Schneider-Kreuznach. Die Schneider-Gruppe ist nach einem Konkurs im Jahre 1982 im Besitz der Familie des 2002 verstorbenen Fotoindustriellen Heinrich Manderman.[7]
Nach einer Neuausrichtung der Unternehmensstruktur entstand neben den beiden Geschäftsfeldern Film & Photo sowie Imaging Systems der dritte Bereich Precision Engineering.[8]
Firmengeschichte
Der Ursprung des Unternehmens lag in dem Interesse des Sohnes von Josef Schneider sen., Josef August Schneider, an optischen und feinmechanischen Geräten. Josef Schneider jun. hatte am 29. Mai 1910 ein Patent[9] zum optischen Ausgleich der Bildwanderung für eine Filmkamera bzw. einen Filmprojektor angemeldet, um die die störende Dunkelphase durch die Umlaufblende zu eliminieren (→ Mechau-Projektor). Auch wenn das Patent später keine Verwendung fand, habe es den Grundstock zum Aufbau der optischen Firma gegeben.[10] Demgegenüber war Josef Schneider sen. ein erfahrener Kaufmann und saß im Vorstand der Kreuznacher Solbäder Aktiengesellschaft. Nach Gründung der optischen Anstalt zum Jahresende 1912 befasste man sich mit der Produktion von Fotoobjektiven. In den folgenden Wochen wurden einige fototechnische Erfindungen von Josef Schneider jun. zum Schutze angemeldet, darunter:
- DRP 276.613: Photographischer Objektivsatz mit auswechselbaren Linsen verschiedener Brennweite und mehreren, den verschiedenen Linsenkombinationen zugeordneten Blendenskalen, die auf einem Skalenträger zusammengefaßt sind vom 21. Januar 1913
- DRGM 551.384: Schnellfassung für photographische Objektive vom 11. April 1913
- DRGM 568.538: Vorrichtung zum Einstellen der Objektivträger von photographischen Klapp⸗Kameras auf unendliche Bildentfernung vom 23. August 1913.
- DRP 278.561: Photographischer Objektivsatz mit auswechselbaren Linsen verschiedener Brennweiten und mehreren, den verschiedenen Linsenkombinationen zugeordneten, auf einem gemeinsamen Träger liegenden Blendenskalen vom 26. September 1913
- DRGM 576.359: Vorrichtung zum unmittelbaren Anzeigen und Ablesen der Blendenöffnungen an Satzobjektiven vom 24. Oktober 1913.
Diese Schutzrechtsanmeldungen zielten auf die Schaffung eines anastigmatischen Satzobjektives. Als erstes erfolgreiches Objektiv fertigte man einen von Ernst Arbeit im Juli 1911 patentierten[11] Doppelanastigmat, den dieser von seinem älteren Euryplan abgeleitet hatte und den Schneider als Claron-Satz[12] auf den Markt brachte. Arbeit war es gelungen, das zu Schlieren und Blasen neigende Baryt-Schwerkron zu vermeiden und das Objektiv dagegen ausschließlich aus Baryt-Leichtflint und Extra-Leichtflint aufzubauen. Entsprechend warb Schneider in den ersten Werbeanzeigen mit dem Slogan „Claron – der einzige blasenfreie Baryt-Anastigmat“.[13]

Im Jahre 1914 brachte die Firma eine Kopie des erfolgreichen Dagors unter dem Namen Symmar in den Lichtstärken 1:6,5 und 1:4,5 auf den Markt.[14] Dieses Objektiv war offenbar im eigenen Hause von Hermann Bauer gerechnet worden. Das Warenzeichen Symmar hatte man sich bereits zum 17. Januar 1913 schützen lassen.[15] Am am 25. April 1913 folgte die Wortmarke Componar[16].
Kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde zudem ein Doppelgauß nach Vorbild des Meyer Aristostigmats in den Lichtstärken 1:4,5; 1:5,5 und 1:6,8 unter der Bezeichnung Isconar herausgebracht.[14] Das Warenzeichen „ISCO“ hatte sich Schneider Kreuznach bereits am 17. Januar 1913 unter der Nummer 174.775 schützen lassen.[17] Der Objektivname Isconar folgte am 11. Oktober 1913 (Warenzeichennummer 189.505).[18]

Großen Erfolg am Markt hatte die Firma dann nach dem Ersten Weltkrieg mit ihrem vom Tessar-Typ abgeleiteten Anastigmaten „Xenar“. Dieses Objektiv war von dem Optiker Hans Deser gerechnet worden, der zum 1. Juni 1919 in die Firma eingetreten war und das firmeneigene Rechenbüro aufgebaut hat.[19] Der Optiker Hermann Bauer war bereits zum 10. April 1918 aus der Firma ausgeschieden.[20] Zum 5. März 1920 wurde Josef Schneider jun. Mitinhaber der Firma.[21]

Prägend für die weltweit erfolgreichen Produktentwicklungen von 1924 bis Mitte der 1940er Jahre war sein Chef-Konstrukteur Albrecht Wilhelm Tronnier, der ab 1936 in (seiner Heimatstadt) Göttingen ISCO aufbaute.
Die ersten Objektive mit veränderlicher Brennweite wurden 1957 entwickelt. Der Bereich Feinwerktechnik entwickelt, produziert und vertreibt seit 1961 elektrohydraulische und elektropneumatische Servoventile mit elektronischen Reglern. Schneider führte 1964 als einer der ersten Produzenten Zoomobjektive für Film, Fotografie und Fernsehen ein. Sie wurden beispielsweise auch in Nizo-Filmkameras eingesetzt.[22] 1972 expandierte Schneider mit der Vertriebstochter Schneider Optics Inc. in die USA.
Die Krise der Schmalfilmfotografie Anfang der 1980er Jahre hatte auch für Schneider existenzielle Bedeutung. Das inzwischen in eine Aktiengesellschaft umgewandelte und von Hans Joseph Schneider geführte Unternehmen musste 1982 Insolvenz anmelden. Neuer Mehrheitsaktionär, Investor und Unternehmensleiter wurde der Fotounternehmer Heinrich Manderman.[7] Im Zuge des Konkursverfahrens wurde 1982 das Firmenarchiv an das Landeshauptarchiv Koblenz abgegeben.
Seit 1984 sind Brillengläser aus Silikat-Glas und Kunststoff im Vertriebsprogramm. Mit der Übernahme der B+W Filterfabrik (gegr. 1947 durch Walter Biermann und Johannes Weber in Berlin) im Jahr 1985 und der Produktion von Käsemann-Polarisationselementen in Glas und Kunststoff kam der Geschäftsbereich Fotofilter hinzu. Asphärische Großformatobjektive wurden seit 1999 gefertigt, moderne Kino-Projektionsobjektive mit Irisblende sind seit 2003 auf dem Markt.
Die Schneider-Gruppe expandierte ab 1997 durch Gründung der Tochtergesellschaften Pentacon GmbH Foto- und Feinwerktechnik (einem Teil des ehemaligen Kombinat VEB Pentacon, Dresden), durch Übernahme der Century Precision Optics in den USA, der Integration der ISK OPTICS GmbH (ehemals ISCO Gruppe Göttingen) und der Gründung von Niederlassungen in Südkorea, Hongkong und China.
1997 gab Heinrich Manderman aus gesundheitlichen Gründen die Geschäftsleitung vollständig an Peter Weber ab, den er bereits 1992 zum Geschäftsführer berufen hatte. Nach dem Tod von Heinrich Manderman 2002 wurde seine Tochter Ethel Cygler Hauptgesellschafterin der Jos. Schneider Optische Werke GmbH. Seit Anfang 2003 war Josef Staub Alleingeschäftsführer,[7] im November 2015 beendete er seine Tätigkeit, ihm folgte im April 2016 Thomas Kessler nach. Seit 1. April 2020 leitet Wolfgang Ullrich die Schneider-Gruppe.[23]
Schneider-Gruppe
Zur Schneider-Gruppe gehören neben der 1913 gegründeten Jos. Schneider Optische Werke GmbH mit dem Stammsitz Bad Kreuznach, Deutschland, vier Tochtergesellschaften.[24]
Aktuelle Tätigkeiten und Produkte



Kernkompetenzen des Unternehmens sind:
- Optikdesign,
- Mechanikdesign,
- Messtechnik für optische Systeme (MTF, Interferometrie, Spektralphotometrie usw.),
- Hochwertige Optikfertigung (inklusive Asphärentechnologie),
- Präzisionsfeinmechanik,
- Design und Herstellung von Dünnschichtsystemen.
Aktuelle Tätigkeitsfelder sind unter anderem:
- Berührungslose Messtechnik mittels digitaler Bildverarbeitung,
- Bildaufnahme und -verarbeitung
- Digitale Projektion (LCD, DMD)
- Gerätebau für optische Instrumente
Schneider-Kreuznach ist spezialisiert auf die Entwicklung und Produktion von Hochleistungsobjektiven. Die Produktpalette umfasst Vergrößerungsobjektive, Kino-Projektionsobjektive für alle gängigen Formate der analogen und digitalen Technik, Projektoren und Objektive für den HomeCinema-Bereich, Objektive für diverse technische Anwendungen, Lupen zur visuellen Kontrolle, fotografische Filter (B+W Filter) für digitale und analoge (Schwarzweiß- und Farbfilm) Fotografie sowie Softwarefilter für digitale Bildbearbeitung, optische Filter für unterschiedlichste industrielle Anwendungen, elektrohydraulische und elektropneumatische Servoventile mit elektronischen Reglern und Einstärken-, Mehrstärken- und Gleitsichtgläser. Auch in Bereichen der digitalen Kinoprojektion, des HomeCinema, E-Cinema und der Simulation ist Schneider-Kreuznach aktiv. In dem Smartphone Blackberry Priv, welches das erste auf Android basierende Gerät von BlackBerry ist, werden Kameratechnik und Objektive von Schneider-Kreuznach verbaut.[25]

Schneider-Kreuznach war zudem Hersteller/Entwickler von Mittelformat-Objektiven für Hasselblad (V-Serie), Rollei (6000-Serie), Alpa (mit Entfernungsschnecke versehene Großformatobjektive), Exakta (Exakta 66 mit P6-Bajonett) und Phase One/Mamiya[26]. Daneben produzierte man Aufnahmeobjektive für Kleinbild- und Großformat-Objektive inklusive Verschlüsse für die Digitalfotografie. In der Digitalfotografie kooperierte Schneider-Kreuznach mit den Kameraherstellern Kodak, Samsung und Phase One/Mamiya. 2016 beendete Schneider-Kreuznach seine Pläne in der Objektiventwicklung für MFT-Kameras, um sich auf den Markt für Vollformatsensorkameras in Film und Foto zu konzentrieren.[27]
2025 stellte Schneider-Kreuznach gemeinsam mit südkoreanischen Hersteller Samyang Optics erstmalig Zoom-Objektive mit Autofokus für die Consumer-Digitalfotografie vor.[28]
Besondere Ereignisse
Die NASA setzte bei ihren Weltraummissionen „Lunar Orbiter“ des Apollo-Programms von 1959 bis 1976 und bei den Space-Shuttle-Flügen seit 1990 Schneider-Objektive ein. In Vorbereitung der ersten Mondlandung lieferten Schneider-Objektive Bildmaterial zur Kartografie des Mondes.
Die Firma (bzw. deren Mitarbeiter) erhielten 1976, 1978, 1989, 2000, 2001 und 2006 den Academy Technical Achievement Award, der von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences analog zu den Oscars verliehen wird.[29]
Film
- Die Durchblicker aus Bad Kreuznach. Jos. Schneider Optische Werke in Bad Kreuznach. (Alternativtitel: Schneider-Optik – Die Durchblicker aus Bad Kreuznach.) Dokumentarfilm, Deutschland, 2011, 28:55 Min., Buch und Regie: Thomas Niemietz, Produktion: SWR, Reihe: made in rheinland-pfalz, Erstsendung: 12. Oktober 2011 bei SWR, Inhaltsangabe und online-Video von ARD.
Weblinks
- Firmenarchiv im Landeshauptarchiv Koblenz
- Schneider-Kreuznach by Jos. Schneider Optische Werke GmbH
- Schneider Optics USA
- Century Optics USA ( vom 13. April 2004 im Internet Archive)
- Pentacon GmbH Foto- und Feinwerktechnik Dresden
