Pentacon

Dresdner Unternehmen der optischen und feinmechanischen Industrie From Wikipedia, the free encyclopedia

Pentacon war ein Dresdner Unternehmen der optischen und feinmechanischen Industrie, das zeitweise ein bedeutender Fotokamerahersteller war. Der Name Pentacon leitet sich einerseits von der Marke Contax der Dresdner Zeiss Ikon Kamerawerke und Pentagon (griechisch für Fünfeck) ab, da ein in Dresden erstmals entwickeltes Pentaprisma für Spiegelreflexkameras im Querschnitt diese Form besitzt.

Schnelle Fakten
Pentacon
Logo
Rechtsform AG, ab den 1950er Jahren VEB
Gründung 1920er
Auflösung 1. Juli 1990
Sitz Dresden, Ortsteil Striesen, Schandauer Straße
Mitarbeiterzahl max. 6000[1]
Branche Optische Industrie
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Pentacon-Gebäude (Ernemannturm) in Dresden-Striesen

Die Pentacon GmbH Foto- und Feinwerktechnik war bis zu ihrer Schließung in Dresden ansässig. Sie war ein Unternehmen der Schneider-Gruppe, Bad Kreuznach.

Geschichte

Von der Firmengründung bis zur deutschen Wiedervereinigung

VEB Pentacon, Feinoptisches Werk Görlitz, Montage von Oreston-Objektiven („Meyer-Optik“)
Pentacon-Werbung an der Prager Straße in Dresden, um 1975

Zeiss Ikon, Dresden, war in den 1920er-Jahren aus insgesamt sechs Unternehmen der deutschen optischen Industrie hervorgegangen. Zwei der Unternehmen (Ernemann-Werke, Internationale Camera Actiengesellschaft [ICA]) stammten aus Dresden. Die Mitarbeiterzahl der Ernemann-Werke war 1923 auf dem Höhepunkt der Inflation auf fast 3.400 gestiegen, wurde bis Ende 1924 aber wieder fast halbiert. Kapitalknappheit an der im November 1923 eingeführten neuen Rentenmark zwang Ernemann 1926 zur Fusion mit der Jenaer Zeiss-Stiftung. Die Firma wählte als Logo den stilisierten Ernemannturm.

Nachdem Zeiss Ikon zunächst in einen Volkseigenen Betrieb umgewandelt worden war, erfolgte 1958 eine Umbenennung in VEB Kinowerke Dresden. Durch eine weitere Fusion entstand im folgenden Jahr ein neuer Großbetrieb der fotografischen Industrie in Dresden, der VEB Kamera- und Kinowerke Dresden mit rund 4.900 Beschäftigten. Zusammengeführt wurden weiterhin

Ab 1964 firmierte das Unternehmen dann als VEB Pentacon Dresden, dessen Name bereits 1958 gefunden und markenrechtlich geschützt wurde.[3] Als Unternehmenszeichen führte Pentacon die stilisierte Silhouette des Ernemann-Turms. Die Zusammenfassung der verstaatlichten sächsischen optischen Industrie ging 1968 mit der Gründung eines Kombinats unter Führung des VEB Pentacon Dresden weiter. So wurden der

ein Bestandteil des neu gegründeten Kombinat VEB Pentacon. Ab dem 2. Januar 1970 war die bisherige Ihagee das Objekt 18 des Kombinates VEB Pentacon; die Beschriftung der Meyer-Optik-Objektive wurde 1971 auf Pentacon umgestellt. Im Jahr 1980 folgten die Eingliederung des

Das Kombinat VEB Pentacon Dresden wurde schließlich 1985 dem Kombinat VEB Carl Zeiss Jena angegliedert, behielt aber seinen Namen. Diese Verbindung bestand bis zum 30. Juni 1990.

Ein kleiner Teil der Fertigung von Pentacon-Kameras erfolgte durch Zwangsarbeit in DDR-Hafteinrichtungen.[4][5]

Privatisierung und Liquidation der Pentacon durch die Treuhandanstalt

Am 1. Juli 1990 wurde die Pentacon GmbH mit 5.700 Mitarbeitern gegründet. Wie alle Betriebe der DDR, die Kredite zur Liquidität beantragt hatten, erhielt auch die Pentacon GmbH nur einen einheitlichen Pauschal-Kreditanteil von 41 % der beantragten Mittel – ungeachtet einer Gewichtung ihrer Sanierungsfähigkeit und -würdigkeit. Der Geschäftsführer der Pentacon GmbH, Gunter Schulzki, erklärte dazu[6]:

Die Treuhandanstalt läuft bei Versagen der erforderlichen Bürgschaften Gefahr, mit der Pentacon GmbH ihr eigenes Vermögen, das bei weitem nicht nur an der Liquidität des Betriebes zu messen ist, zu vernichten.

Im Jahr 1989 hatte Pentacon 290.000 Kameras produziert, von denen 250.000 exportiert wurden. Damit erreichte das Unternehmen einen Anteil von zehn Prozent am Weltmarkt. Allerdings kostete die Herstellung einer einzigen Kamera nach der Währungsunion 1.000 DM. Verkauft wurde sie an die Händler für 200 DM, also mit einem Verlust von jeweils 800 DM.[7] Daraus ergaben sich natürlich existenzielle wirtschaftliche Schwierigkeiten, weshalb die Treuhandanstalt bereits am 2. Oktober 1990 die Liquidation des Unternehmens als ersten Dresdner Großbetrieb bekanntgab. Für 8,85 Millionen DM erwarb dann der Fotounternehmer Heinrich Manderman, der die Pentacon-Produkte unter dem Markennamen Beroflex vor der Wiedervereinigung in der Bundesrepublik Deutschland vertrieben hatte, die Pentacon GmbH i.L. Sie gelangten als Jos. Schneider Feinwerktechnik GmbH & Co. KG in Mandermans Schneider-Gruppe.[8] Zum 30. Juni 1991 erhielten 2.867 Beschäftigte, also mehr als 90 % der noch verbliebenen Mitarbeiter, ihre Kündigung. Lediglich 232 Beschäftigte erhielten am 1. Juli 1991 einen neuen Arbeitsvertrag, um noch kurzfristig an der weiteren Auflösung des Betriebes mitzuwirken.

Ein Teil des Dresdner Kombinats wurde der Familie Noble rückübertragen und gehört heute zum Kamera Werk Dresden. Das Kamera-Werk Dresden stellt unter anderem Panoramakameras der Marke NOBLEX und Industriekameras der Marke LOGLUX her, da die Markenrechte an Pentacon an Manderman gingen. Ebenfalls wieder verselbstständigt wurden die Görlitzer Betriebsteile der Meyer-Optik, die aber 1991 wieder liquidiert wurde.

Der Markenname Praktica war von der Treuhandanstalt 1991 nicht dem Erben des früheren Besitzers der Kamera-Werke Niedersedlitz, John H. Noble, zurückgegeben worden. Stattdessen wurde er dem Pentacon-Betriebsteil zugeschlagen, der heute zur Dresdner PENTACON GmbH Foto- und Feinwerktechnik gehört (ein Unternehmen der Jos. Schneider-Gruppe, Bad Kreuznach). Über die Markenrechte war es 1994 zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung zwischen Noble und der Schneider-Gruppe gekommen.

Die technische Ausstattung, die Möbel und sämtliche Dokumente gingen in den Müll.

Seit den 1990er-Jahren tragen auch Ferngläser und Kompaktkameras die Markenbezeichnung PRAKTICA. 2001 wurde die Herstellung von Spiegelreflexkameras der Marke Praktica eingestellt. Seit 2002 gibt es Digitalkameras der Marke Praktica, 2004 wurde mit der Produktreihe Luxmedia begonnen. Optiken werden beispielsweise auch für Polaroid produziert. Zum 30. Juni 2015 wurde der Handel mit Praktica-Kameras eingestellt.

Inhaber der Marke Praktica ist seit 16. September 2015 die PRAKTICA LIMITED, SL9 7HJ, Gerrards Cross, GB (vgl. Deutsches Patent- und Markenamt Az. DD646601, 003418944 und 010904605).

Im August 2022 wurde der operative Geschäftsbetrieb der Pentacon GmbH in Dresden eingestellt.[9]

Fotokameras

Besonders bekannt sind die Kameras der Praktica-Reihe und die Pentacon Six sowie die Pentacon Super. Im Jahr 1967 wurde das PL-System (Pentacon Loading) eingeführt und war von da an Bestandteil aller Praktica-Kameras.

Neben der Praktica-Reihe wurden hergestellt:

Weitere Produkte

Pentacon stellte weiterhin Schmalfilm-Kameras her, beispielsweise die AK 8, die Pentaflex 8 oder die Pentaka 8B (1964). Auch anderes Zubehör befand sich im Portfolio wie ein Diaprojektor. Die Scannerkamera Scan 7000 wurde im Jahr 2010 auf der photokina vorgestellt. Sie löst 20.000 × 20.000 Pixel auf und läuft mit der SilverFast Archive Suite.

Beispiele für den Einsatz von Pentacon-Produkten

Der Fotograf Herbert Schulze, hauptsächlich für bekannte Rock- und Pop Musiker im Einsatz, lichtete mit Pentacon-Kameras Silly, City oder die Puhdys ab, auch Udo Lindenberg im August 1989 bei einem Konzert in Hamburg. – Der Historiker Götz Aly erhielt zur Konfirmation im Jahr 1961 in seiner schwäbischen Heimatstadt eine Exa II geschenkt, damals noch von Ihagee produziert. – Im August 1978 fotografierte der Kosmonaut Sigmund Jähn aus der Raumstation Saljut 6 die Erde und das Innere der Raumkapsel, und zwar mit einer Pentacon Six M und einer Praktica EE-2.[1]

Gebäude und Flächen der Kamerawerke

Da das Kombinat aus einem weitläufigen Geflecht verschiedener Standorte und historischer Firmenkerne und zu verschiedenen Zeiten in Striesen und der Seevorstadt entstanden ist, gab es kein einheitliches Fabrikgelände. Prägend war auf alle Fälle der Ernemann-Bau mit seinem markanten Rundturm, der auf Entwürfe der Architekten Emil Högg & Richard Müller für die Ernemann-Werke zurückgeht.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs demontierten sowjetische Ingenieure Maschinen und Anlagen in einem Wert von rund 40 Millionen Reichsmark als Reparationsleistung. Einige Maschinen kamen jedoch zurück, damit hier vor Ort die spezialisierten Arbeitskräfte fertige Fotogeräte für die Lieferung in das Siegerland produzieren konnten. Es gab auch einen Auftrag an den Ingenieur Siegfried Böhm zur Entwicklung einer neuen Kamera, die im Jahr 1949 als Praktica vorgestellt wurde. Sie entstand in größeren Stückzahlen, die jedoch zum überwiegenden Teil in die Sowjetunion ging. Damit verbunden war aber auch ein schrittweiser Wiederaufbau der Montagestrecken für den einheimischen Markt.[1]

Das Gebäude mit Turm ist inzwischen ein bedeutendes Baudenkmal, zu dem detaillierte Etagen-Grundrisse und Schnittzeichnungen im Dresdner Stadtarchiv vorhanden sein sollen. Weiter wäre das Pentacon-Viereck-Gelände zu nennen, das von den Straßenzügen Schandauer Straße, Junghansstraße, Glashütter Straße und Gottleubaer Straße umgrenzt wird. Über die Junghansstraße gab es eine Brücke, die zwei Werksteile miteinander verband (Fußgänger und kleiner Warentransport).[1]

Ein bekanntes Bauwerk war in der DDR-Zeit das Pentacon-Klubhaus. Es handelte sich dabei um ein Industriegebäude aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts, in dem auch noch gusseiserne Stützen erhalten sind. Es wurde immer wieder an neue Nutzungen angepasst, so eben auch in den Jahren des Kombinats Pentacon. Die wichtigsten Elemente des Hauses waren die Betriebsgaststätte, ein großer Mehrzwecksaal im ersten Stockwerk mit Parkett-Fußboden und eine Betriebsarzt/Zahnarzt-Praxis mit Physiotherapie. Im Großen Saal fanden Betriebstanzfeste, Faschings- und Auszeichungsfeiern, auch reine Kulturveranstaltungen wie Zauberkunststücke, Auftritte der Dixiland-Bands oder sogar eine Gesangsdarbietung mit Manfred Krug statt. In weiteren Räumen des Klubhauses trafen sich ein Tanzzirkel, ein Betriebschor, ein Amateur-Filmstudio, ein Zirkel schreibender und zeichnender Arbeiter, ein Mandolinenorchester – insgesamt gab es 15 verschiedene Arbeitsgemeinschaften und eine eigene Bibliothek. Alle Angebote wurden gut angenommen und erzeugten ein kollegiales Miteinander. Mit der endgültigen Abwicklung des Betriebes wurde das Klubhaus Eigentum der Stadt Dresden.[1]

Nachnutzung der Immobilien und Flächen

Zahlreiche reine Fabrikgebäude wurden nach Beendigung der Produktion abgerissen. Erhalten geblieben ist das dreieinhalbgeschossige Klubhaus, das behutsam saniert und technisch modernisiert wurde. Die Kulturverantwortlichen der Dresdner Stadtverwaltung fanden mit dem Neuen Ostdeutschen Verlag und seiner Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung neue Hauptmieter.[3][1]

Im Jahr 2004 gründete sich der Verein Medienkulturhaus e.V., der die Trägerschaft über das ehemalige Klubhaus übernahm und eine Galerie betreibt. Inzwischen (Stand Frühjahr 2026) befinden sich in dem Gebäude der Sender Sachsen Fernsehen, ein Yoga-Studio, ein Start-up-Unternehmen, ein Architektenbüro und eine Buchhaltungsfirma. Der Kinosaal für rund 100 Besucher steht allerdings seit 2018 leer. Schließlich betreibt der Christliche Verein Junger Menschen im Untergeschoss das Kultur- und Nachbarschaftszentrum Striesen. Es gibt aber noch freie Räume.[1]

Literatur

In den Medien

Einzelnachweise

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