Schwabengau

mittelalterliche Gaugrafschaft am Nordostrand des Harzes From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Schwabengau, auch Suebengau oder Suavia, war eine Landschaft (pagus) im 10. und 11. Jahrhundert. Der Gau lag im östlichen Harzvorland, das heute zu Sachsen-Anhalt gehört.

Schwabengau
Ostfalen um das Jahr 1000
Schwabengau
Ostfalen um das Jahr 1000

Etymologie

Der Name Sueben in Tacitus’ Werk Germania, Kapitel 38, bezog sich auf sämtliche elb- und ostgermanischen Stämme südlich der Ostsee (Mare Suebicum). Aus dem 19. Jahrhundert stammt die Behauptung der Name des Gaus stamme von dort bereits von den Merowingern angesiedelten Schwaben ab, den dann sogenannten Nordschwaben. Der Name Nordschwabengau ist allerdings nirgends belegt. Die in einem Brief Theudeberts I. an Kaiser Justinian I. auftauchenden „Nordsueben“ waren die Schwaben bzw. Alemannen rechts und links der Donau und wurden in Abgrenzung zu den im Süden, etwa auf der Iberischen Halbinsel siedelnden Sueben so genannt. Nach anderer Meinung sind Sueben im 6. Jahrhundert den Slawen, von östlich der Saale kommend an den Nordostrand des Harzes, ausgewichen. Auch wurde der Name abgeleitet von einem Bericht Gregors von Tours, nach welchem 26.000 Saxones von einem gemeinsamen Feldzug mit Langobarden in Oberitalien 568 kommend, mit Sigiberts I. Genehmigung, über Gallien in ihre Heimat zogen, wo sie auf (angeblich von Sigibert I. angesiedelte) Sueben trafen, von denen sie 573 vernichtend geschlagen und vertrieben worden sein sollen.[1]

Geschichte

Der Schwabengau wird wohl zuerst 934 in einer Urkunde Heinrichs I. mit der Ortsangabe in pago suevia erwähnt. Die letzte bekannte Nennung war 1073.

Eike von Repgows Bericht von Schwaben am Harz erklärt die Herkunft der Herren im Lande Sachsen wie folgt: die Herren von Anhalt, von Brandenburg, von Orlamünde, Markgraf von Meißen, Graf von Brehna, Hakeborn, von Gneiz von Müchlen, von Dröbel, von Elsdorf, von Schneidlingen, Vogt Albrecht von Spandau, Schrapen von Gersleben, Anno von Jerdingsdorf, Hermann von Mehringen, Winningens und Seedorf alle sind Schwaben. Es folgen weitere Schwaben und Franken, jedoch alle freien Herren und Schöffen in Sachsen ansässig, sind geborene Sachsen.[2]

Frei erfunden ist wohl, dass 927 König Heinrich I. eine bereits längerwährende Adelsfehde im Schwabengau ausnutzte und zusammen mit dem Halberstädter Bischof zugunsten der frühen Askanier (nach Aschersleben benannt) eingriff. Sein Berater und Heerführer Thietmar belagerte und zerstörte angeblich die Burg Salfurt derart, dass der Ort (heute Bernburg an der Saale) danach „Brandanburg“ (die verbrannte Burg) genannt wurde und Thietmar danach die Grafenrechte im Schwabengau erhielt, und zwar, weil schon 934 sein angeblicher Sohn Siegfried angeblich im Besitz der Burg Salfurt war. Thietmar war angeblich am 1. Juni 932 gestorben.

Grafen

Grafen im Schwabengau waren:

Der Schwabengau war seit Esiko das Kerngebiet der Askanier und wurde zusammen mit dem benachbarten, zwischen Saale, Elbe und Mulde gelegenen Gau Serimunt zur Keimzelle des späteren Fürstentums Anhalt.

Siedlungen

Im Schwabengau lagen nach dem Atlas des Saale- und mittleren Elbegebietes[7] folgende Siedlungen:

Saale

An der Saale-Grenze (zwischen den Sueben und den Slawen) lagen die Orte (von Süden):

Saale-Hinterland

Im Hinterland der Saale lagen die Ortschaften:

Bode

An der Bodegrenze zum Nordthüringgau lagen (von der Bodemündung in Richtung Bodeknie):

An der Bodegrenze zum Harzgau lagen (vom Bodeknie Richtung Süden):

Wipper

Im Bereich der Wipper lagen die Siedlungen:

Eine

Nördlich der Wipper und an der Eine lagen die Siedlungen (stromaufwärts):

Selke

An der Selke lagen (stromaufwärts):

  • Habbendorf (südöstlich von Gatersleben)
  • Reinstedt

Zwischen Bode und Selke

Zwischen Bode und Selke lagen (von Westen):

  • Stadt Gernrode[25]
  • Rieder (Ballenstedt)
  • Bicklingen (nördlich von Rieder)
  • Karpenroth (südöstlich von Rieder)
  • Rothallsburg (nordwestlich von Ballenstedt) = Rothallasbvrc (Wüstung n. Ballenstedt sö. Quedlinburg; 1073 erwähnt; vgl. Abschnitt Grundherren)
  • Ballenstedt
  • Asmersleben (nördlich von Ballenstedt)
  • Zehling (nördlich von Ballenstedt)
  • Badeborn[26]
  • Gittelde (Ballenstedt) (nordöstlich von Ballenstedt)

Im Bodeknie

Im Gebiet des Bodeknicks lagen (von Süden):

Lage unbekannt

Hinzu kommen mindestens noch folgende, bis heute nicht identifizierte Siedlungen:

  • Hamecenroht = unbekannt, im Gebiet nö. des Harzes[32]
  • Hillimeroht = unbekannt, im n. Harzvorland[33]
  • Hiloua = unbekannt, im n. Harzvorland[34]
  • Smalenbicke = unbekannt, im Gebiet nö. des Harzes[35]

Weitere

Nicht im Atlas enthalten sind:

  • Emmelestorp = ? im Gebiet Aschersleben/Quedlinburg
  • Lepenitz wüst nw von Bernburg (Saale)
    • Lepenitz war eine alte sorbische Siedlung und sorbischer Hauptort westlich der Saale bei Bernburg Richtung Altenburg. Um das Jahr 1450 wurden die sorbischen Bewohner von Lepenitz gezwungen, ihr Dorf zu verlassen. Sie wurden außerhalb der Stadtmauern Bernburgs auf der gegenüberliegenden, östlichen Saaleseite unterhalb des Schloßberges in der sogenannten Freiheit angesiedelt. Freiheit bedeutete in diesem Fall, dass die Bewohner der Freiheit frei von Abgaben und Dienstleistungen waren, welche üblicherweise von den Bewohnern des Bannbezirks der Burg geleistet werden mussten. Andererseits waren die Sorben aber dem Bernburger Rat gegenüber abgabenpflichtig. Von der Warte der sorbischen Bevölkerung aus bedeutete Freiheit eher die „Freiheit von Grund und Boden“, welcher nun zwischen deutschen Bernburger Bürgern verteilt wurde. Die Akten der Kirche von Lepenitz wurden Bestandteil des Bernburger Schloßarchivs.
  • Uvestholze = Wüstung zwischen Ballenstedt und Rieder sö. Quedlinburg

Grundherren

Der Domherr Liudger von Magdeburg besaß um 1050 folgende Orte:

  • Queinstete = Quenstedt s. Aschersleben
  • Zobikeri = Zöbiker, wüst nö. Quenstedt
  • Smalenbicke = unbekannt, im Gebiet nö. des Harzes
  • Hartuuigeroht = Wüstung im Ostteil von Bräunrode sw. Aschersleben
  • Hamecenroht = unbekannt, im Gebiet nö. des Harzes
  • Hillimeroht = unbekannt, im n. Harzvorland
  • Gerenroht = Gernrode s. Quedlinburg
  • Hansel = Haselndorf, wüst n. Königsaue nw. Aschersleben
  • Reterderoht = Ritterode w. Hettstedt/s. Aschersleben
  • Bruniroht = Bräunrode sw. Aschersleben
  • Poplize = Poplitz, wüst n. Sandersleben
  • Brundel = Bründel Gem. Plötzkau ö. Aschersleben an der Saale
  • Winninge = Winningen n. Aschersleben
  • Bornicar = Groß Börnecke nw. Staßfurt
  • Brunistorf = Brunsdorf, wüst n. Friedrichsaue nw. Aschersleben
  • Hiloua = unbekannt, im n. Harzvorland

Diese Orte gingen nach seinem Tod an König Heinrich IV., der sie am 21. Juni 1060[36] dem Erzbistum Magdeburg schenkte.

Am 26. Juli 1073 legte das Kollegiatstift St. Pancratius und Abundus auf der Burg Ballenstedt (als Probstei zum Benediktiner-Kloster Nienburg gehörig) der Kanzlei Heinrichs IV. ein sehr wahrscheinlich in Nienburg selbst gefertigtes ungesiegeltes angeblich unfertiges Diplom Heinrichs III. vor, welches mit einem Siegel Heinrichs IV. versehen wurde. Die Kirche nutzte die prekäre Lage des Königs in Sachsen aus, der in der Harzburg kurz vor seiner Flucht (zusammen mit den Reichskleinodien) stand. Hierdurch setzte sich die Kirche in Ballenstedt (und damit das Kloster Nienburg) in den Besitz großer Ländereien im Schwabengau:

  • 8 Hufen in Asmarsleuo = Asmersleben, Wüstung n. Ballenstedt sö. Quedlinburg;
  • 3 Hufen in Uvelpeslevo = Welbsleben sö. Quedlinburg;
  • 1 Hufe in Pedabrvnno = Badeborn sö. Quedlinburg;
  • 2 Hufen in Uvestholze = Wüstung zwischen Ballenstedt und Rieder sö. Quedlinburg;
  • 1 Hufe in Rothallasbvrc = Wüstung n. Ballenstedt sö. Quedlinburg;
  • 5 Hufen in Emmelestorp = ? im Gebiet Aschersleben/Quedlinburg.[37]
  • De origine gentis Swevorum. Qualiter Swevi terram quam nunc incolunt primum obtinuissent. In: Paul Hirsch (Hrsg.): Widukindi monachi Corbeiensis rerum gestarum Saxonicarum libri tres (= Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum ex Monumentis Germaniae Historicis separatim editi). Hannover 1935 (digitale-sammlungen.de [abgerufen am 3. August 2024]).
  • Urkunde vom 25. Juni 934 RI II,1 n. 46, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0934-06-25_1_0_2_1_1_108_46 (Abgerufen am 19. Februar 2015).

Anmerkungen

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