Schwabtunnel

Tunnel in Stuttgart From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Schwabtunnel (offiziell: Schwabstraßentunnel) ist ein 125 Meter langer Straßentunnel in Stuttgart. Er unterquert einen östlichen Ausläufer des Hasenbergs.

Schnelle Fakten Bau, Betrieb ...
Schwabtunnel
Schwabtunnel
Schwabtunnel
Offizieller Name Schwabstraßentunnel
Nutzung Kraftfahrzeuge, Rad- und Fußverkehr
Ort Stuttgart
Länge 125 m
Anzahl der Röhren 1
Querschnitt U-förmig
Größte Überdeckung Hasenberg
Bau
Bauherr Stadt Stuttgart
Baukosten 289.000 Mark
Baubeginn 1894
Fertigstellung 1896
Betrieb
Betreiber Stadt Stuttgart
Lagekarte
Schwabtunnel (Baden-Württemberg)
Schwabtunnel (Baden-Württemberg)
Koordinaten
Nordportal 48° 46′ 3,3″ N,  9′ 36,6″ O
Südportal 48° 45′ 59,8″ N,  9′ 39,1″ O
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Die Schwabstraße und der Schwabtunnel sind nach dem Stuttgarter Pfarrer, Dichter, Publizisten und Herausgeber Gustav Schwab (1792–1850) benannt.[1]

Bauwerk

Der Tunnel ist 125 Meter lang und verbindet abschüssig den Stadtbezirk Stuttgart-West mit Stuttgart-Süd. Er ist 10,5 m breit und 6,5 m (die Portale bis 8,5 m) hoch.[2.1] Durch den Tunnel führen eine Fahrbahn mit zwei Fahrstreifen (einer je Richtung) sowie rechts und links der Fahrbahn jeweils ein Gehweg. Beide Tunneleingänge werden von Treppenaufgängen flankiert, die zur Straße hin mit einem Arkadenmotiv gestaltet sind: Die Bögen sind aus Sandstein gemauert und mit Mauerwerk aus unregelmäßigen, großen Granitblöcken gefüllt.

Die Schlusssteine beider Tunnelportale sind als Löwenköpfe gestaltet, darüber steht die Jahreszahl 1896. Wiederum darüber befindet sich jeweils eine weitere Bildhauer-Arbeit von Theodor Bausch: Auf der Heslacher Seite ist als allegorische Figurengruppe „Stuttgart“ dargestellt, auf der Stuttgarter Seite gibt es einen Balkon, an dessen Front das Stuttgarter Wappentier, ein springendes Pferd, in einer Kartusche gezeigt wird. Die Tunnelröhre wurde mit etwa einer Million Mauerziegeln ausgekleidet.[3.1] Am südlichen Portal führen Treppen hinauf zur Wannenstraße, auf der nördlichen Seite zur Hasenbergsteige.

Der Schwabtunnel ist ein Kulturdenkmal nach dem Gesetz zum Schutz der Kulturdenkmale des Landes Baden-Württemberg.[3.2]

Geschichte

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte sich die Einwohnerzahl Stuttgarts von 50.000 auf 176.000 mehr als verdreifacht.[4] Durch die Kessellage konnte sich die Kernstadt nicht mehr ausdehnen und viele zog es in die Stuttgarter Vororte. So sollten die Karlsvorstadt Heslach, wo überwiegend Arbeiter wohnten, mit dem Stuttgarter Westen, einem Industriestandort, verbunden werden.[3.3]

Der Schwabtunnel wurde 1894 bis 1896 unter Stadtbaurat Carl Kölle erbaut.[3.2] Die Baukosten betrugen 289.000 Mark.[5][6] Er wurde am 29. Juni 1896 eröffnet.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Tunnelportale weitgehend vermauert und im Tunnel Holztribünen aufgestellt, so dass der Tunnel zum Luftschutzbunker für 2000 Menschen wurde.[3.3] Der Rückbau der Einrichtungen für den Luftschutz dauerte bis Juni 1946.[6]

Der Tunnel wird heute durch den Verkehr stark belastet. Für Pferdefuhrwerke, Fußgänger und Straßenbahn geplant, nutzen ihn heute täglich 15.000 bis 20.000 Kraftfahrzeuge.[6][3.3] Erschütterung, Abgase und im Winter eingetragenes salzhaltiges Spritzwasser greifen die Bausubstanz an.[3.3] 2019–2021 wurde der Tunnel deshalb saniert und die Spritzschutzwände aus Beton entfernt.[7][3.4] 2025 wurde die Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h herabgesetzt und Maßnahmen gegen die Überholung von Zweirädern ergriffen.[8]

Es wurde vorgeschlagen – unter anderem vom VCD –, den Tunnel wieder auf nicht-motorisierten Verkehr zu beschränken.[3.3]

Rekorde

Dem Schwabtunnel werden mehrere Rekorde zugeschrieben. Laut einer Broschüre der Stadt Stuttgart unterliegen diese Rekorde jedoch dem Vorbehalt eines möglichen Gegenbeweises.[2.2]

Der Schwabtunnel soll der erste städtische Straßentunnel im Deutschen Reich gewesen sein. Zur Zeit seiner Eröffnung soll er der breiteste Straßentunnel Europas gewesen sein, die Führung der Stuttgarter Straßenbahn war bereits vorgesehen, ab 1902 verkehrte dort die erste Bahn.[9] Mit der Durchfahrt eines Automobils im Jahr 1900 soll der Stuttgarter Schwabtunnel das weltweit erste Tunnelbauwerk sein, das von einem Kraftwagen durchquert wurde.[2.2][3.3]

Der Tunnel zählt zwar zu den frühesten Straßenbahntunneln weltweit, 1899 verkehrte jedoch bereits die Straßenbahn durch den Spreetunnel Stralau–Treptow. Mit dem Salzburger Sigmundstor existiert zudem ein älterer innerstädtischer Straßentunnel auf dem europäischen Kontinent.[2.2]

Straßenbahnverkehr

In der Zeit vom 4. Dezember 1902 bis zum 9. Mai 1972 wurde der Schwabtunnel von der Straßenbahn Stuttgart befahren, zunächst ein-, ab 1929 zweigleisig. Die Linien wechselten: Ab 1902 bis 1914 wurde die Strecke Bopser – Etzelstraße – Olgaeck – Charlottenplatz – Schloßplatz – Friedrichstraße – Kronenstraße – Hegelplatz – Rosenbergplatz – Schwabstraße – Schreiberstraße (heute Erwin-Schoettle-Platz) befahren. 1910 erhielten die Linien erstmals Nummern, die Schwabstraßenlinie bekam die "6". Ab 1914 folgte (bis 1943) eine veränderte Linienführung: Schreiberstraße – Marienplatz – Wilhelmsbau – Schloßplatz – Hbf – Rosenbergplatz – Schwabstraße – Schreiberstraße, diese neue Linie 6 wurde nunmehr auch als Westring oder Ringlinie bezeichnet. Ab 1948 erhielt sie kurzzeitig die Nummer 9, dann bis 1954 die Nummer 20 und schließlich ab 3. Mai 1954 bis zur Stilllegung 1972 die Nummer 8, mit einem wieder veränderten Laufweg: Vogelsang – Kreuzung Schwab-/ Bebelstraße – Schloßstraße – Schloßplatz – Charlottenplatz – Eugensplatz – Wagenburgplatz – Aspergstraße – Gablenberg Schulhaus – Gablenberger Hauptstraße – Ostendplatz – Haußmannstraße – Werfmershalde – Landhausstraße – Neckarstraße – Schillerstraße – Hbf – Lautenschlagerstraße – Kronenstraße – Hegelplatz – Rosenbergplatz – Kreuzung Schwab-/ Bebelstraße – Schwabstraße – Schreiberstraße (heute Erwin-Schoettle-Platz). An den Tunnelwänden erinnern bis heute die Aufhängungshaken der Straßenbahnoberleitung an diese Epoche.[10] 1972 wurde die Linie 8 von der Buslinie 42 abgelöst, die bis heute durch den Tunnel verkehrt. Der Straßenbahnbetrieb durch den Schwabtunnel wurde damals eingestellt.

Literatur

Commons: Schwabtunnel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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