Schweizer Figurentheatermuseum
Museum in Freiburg i. Üe. (Fribourg), Schweiz
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Das Schweizer Figurentheatermuseum, auch bekannt als Schweizerisches Marionettenmuseum, befindet sich in Freiburg im Üechtland in der Schweiz. Es ist landesweit das Museum mit der grössten Sammlung an Spielfiguren aus aller Welt. Das Museum sammelt, pflegt, dokumentiert und stellt sie aus. Es unterhält eine mehrsprachige Fachbibliothek. Ausserdem betreibt es ein Figurentheater, das regelmässig Vorstellungen für Klein und Gross anbietet.
| Daten | |
|---|---|
| Ort | Freiburg im Üechtland, Schweiz |
| Art |
Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Geschichte des Figurentheaters, Ethnologie
|
| Eröffnung | 1985 |
| Besucheranzahl (jährlich) | 5000[1] |
| Betreiber |
Stiftung Bindschedler
|
| Leitung |
Jean Bourgknecht
Vorsitz des Stiftungsrats |
| Website |
www.marionnette.ch/de/ franz., deutsch, engl., italien. |


Museumsbestand
Die Sammlung umfasst rund 5000 Stücke aus der ganzen Welt. Zu sehen sind Puppen und Schattenfiguren verschiedener Spieltechniken aus China, Indien, Indonesien, Afrika, Südamerika und aus verschiedenen europäischen Ländern, darunter auch der Schweiz. Nebst den Figuren sind auch Kulissen und anderes Zubehör zu sehen. Zum Bestand zählen unter anderem Arbeiten von Jakob Flach, Else Hausin, Erich Weiss und Jean Bindschedler. So dokumentiert die Sammlung verschiedene Techniken: Marionetten, Stab-, Finger- und Schattenfiguren sowie Figurenmasken.
Eine Fachbibliothek mit rund 1500 Titeln (Stand Januar 2024) ergänzt die Sammlung.[2] Die Publikationen erklären die Bedeutung von Spielfiguren und Masken im Allgemeinen und Marionetten im Besonderen in verschiedenen Kulturen, verschiedene Techniken der Spielweise, Herstellung und Inszenierung von der Antike bis in die Gegenwart. Darunter gibt es Publikationen, die in der Schweiz nur im Figurentheatermuseum zu finden sind. Die Sammlung wird laufend mit Neuerscheinungen aus der ganzen Welt ergänzt.[3]
Nach Gustav Gysin ist das Freiburger Puppentheatermuseum das einzige Museum schweizweit, das sich ausschliesslich auf Puppentheater spezialisiert hat.[4] Jean-Robert Gisler präzisiert, dass das Freiburger Museum nicht das einzige Puppenmuseum der Schweiz sei, aber es sei das wichtigste und das mit der grössten Sammlung. Seit dem Jahr 2008 befinden sich das Museum, das Theater und das Café unter einem Dach neben der Mittleren Brücke an der Adresse Derrière les Jardins 2 in Freiburg.[5]
Organisation
Träger des Museums, der Bibliothek und des Restaurants Café de la Marionnette ist die Stiftung Bindschedler. Ihr Ziel ist es, die Kunst des Figurentheaters zu fördern und zu verbreiten, indem sie dafür sorgt, das Museum und das Theater lebendig zu erhalten.[5]
Die Stiftung wird vom Stiftungsrat geleitet. Dieser bestellt die Museumskommission und verpachtet bzw. vermietet das Restaurant Café de la Marionnette. Die Museumskommission ist verantwortlich für die Lagerung, den Unterhalt, die Restaurierung sowie Reparatur der Museumsstücke und organisiert jährlich zwei Wechselausstellungen. Sie analysiert Schenkungen und Nachlässe für das Museum und berichtet zuhanden des Stiftungsrates über Potenziale und Herausforderungen neuer Schenkungen bzw. Nachlässe. Dieser entscheidet über das weitere Vorgehen.
Durch Subventionen hält sich das Museum über Wasser. Ohne die Mitarbeit freiwilliger Helferinnen und Helfer im Stiftungsrat und im Komitee der Freunde der Marionette wäre die Museumsarbeit nicht möglich.[5]
Aktivitäten
Das Freiburger Figurentheatermuseum zeigt jährlich zwei Wechselausstellungen aus dem eigenen Bestand und organisiert Aufführungen für verschiedene Altersgruppen mit einheimischen und ausländischen Talenten des Puppenspiels.[6]
In der Werkstatt werden Workshops für Kinder und Jugendliche angeboten. Die Teilnehmenden erlernen die Herstellung eigener Puppen und machen sich mit dem Bespielen von Spielfiguren vertraut.[7]
Geschichte


Das Museum geht auf Jean Bindschedler, einen Maler, Bildhauer und Schöpfer von Spielpuppen, zurück.[8] Jean Bindschedler und seine Frau Marie-José Aeby waren begeisterte Puppentheaterspieler. Das Paar hatte schon in den 1970er Jahren das Figurentheater Les Marionnettes de Fribourg gegründet. Sie machten anfänglich alles selbst, wie die Figuren, das Bühnenbild, die Kostüme und die Inszenierungen. Mit dieser Familientheatertruppe tourten sie durch die Schweiz und traten auch im Ausland auf.[9] Besonders erfolgreich mit über 150 Aufführungen war das Stück L’énorme crocodile.[10]
Die Bindschedlers waren auch leidenschaftliche Sammler. Im Jahr 1985 gründeten sie das Museum und richteten es ein. Am Anfang bestand die Sammlung einzig aus den Marionetten und Bühnenbildern des eigenen Theaters. Durch Kauf, Schenkungen und Leihgaben von schweizerischen und ausländischen Marionetten, Stab- und Handpuppen und von Schattenfiguren bis zu Masken und Requisiten wuchs die Sammlung ständig.[11] So kamen unter anderem Sammlungen der Schweizer Künstlerin Else Hausin und von Erich Weiss, einem Professor am Technikum in Winterthur, nach Freiburg.[12]
Weil das Puppentheater in der Schweiz kaum als Kunst wahrgenommen wurde, war anfänglich die Unterstützung der Behörden spärlich. Vorurteile wie etwa, dass Puppentheater nur etwas für kleine Kinder sei, dominierten lange das Kunstverständnis der Behörden. Bindschedler kämpfte zeitlebens gegen solche Vorurteile an. Die Bindschedlers konnten zeigen, dass Puppentheater sich sowohl für Erwachsene wie für Kinder eignet.[9]
Am 21. Dezember 1989 wurde die Stiftung Bindschedler gegründet. Als die eigene Wohnung für die umfangreiche Sammlung zu eng wurde, kaufte die Stiftung, unterstützt durch das Bundesamt für Kultur, 1997 das Gebäude, in dem sich heute das Museum befindet.[13] 2001 wurde das Museum umgebaut.[14]
Literatur
- Jean Bindschedler: Les Marionnettes de Fribourg. In: Pro Fribourg. Nr. 77, Juni 1988, S. 25–26 (französisch).
- Le jeux de mains. In: Pro Fribourg. Nr. 77, Juni 1988, S. 27–30.