Schweizerisches Konsumentenforum
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Das Schweizerische Konsumentenforum (KF, Eigenschreibweise: kf) ist eine seit 1961 bestehende Konsumentenorganisation in der Schweiz, die einerseits Konsumenten im Zusammenhang mit Kaufentscheidungen informiert und andererseits deren Interessen in Politik und Wirtschaft vertritt. Es führt regelmässig Produktetests durch, entsendet seine Mitglieder in Kommissionen und Arbeitsgruppen und fördert so auf verschiedenen Ebenen den Konsumentenschutz. Mit diesem Profil hat das KF grosse Gemeinsamkeiten mit der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), die seit 1964 besteht. Das KF gilt als wirtschaftsnäher und weniger von der Sozialdemokratischen Partei geprägt als die SKS.
Geschichte
Gründung und frühe Jahre
Bei der Gründung am 1. Dezember 1961 in Zürich lautete der Name der Organisation Konsumentinnenforum der deutschen Schweiz und des Kantons Tessin. In der Westschweiz war bereits 1959 die Fédération romande des consommatrices gegründet worden, die für die Deutschschweizer und Tessiner Kolleginnen eine Vorbildfunktion hatte. Obwohl die beiden Organisationen regelmässig zusammenarbeiteten, kam es nie zu einer Fusion.
Den entscheidenden Anstoss zur Gründung hatte der Dachverband Bund Schweizerischer Frauenvereine gegeben. Schliesslich zählten zwei weitere grosse Frauen-Dachverbände, der Evangelische Frauenbund der Schweiz und der Schweizerische Katholische Frauenbund, sowie neun schweizweit tätige Frauenvereine und dreizehn regionale Frauenzentralen zu den Gründungsmitgliedern. Zu den Kollektivmitgliedern kamen bald auch einige gemischtgeschlechtliche Organisationen hinzu, sie blieben jedoch noch jahrzehntelang in der Unterzahl. Ursprünglich verstand sich das Forum als politisch und konfessionell unabhängig.
Der organisatorische Zusammenschluss von Frauen über die Konsumthematik stand in den ersten Jahren des Forums in einem engen Zusammenhang mit der Frauenbewegung, die nach der 1959 abgelehnten Vorlage über das Frauenstimm- und Wahlrecht einen Aufschwung erlebte. Frauenorganisationen erhielten Zulauf und forderten nicht mehr nur die gleichen politischen Rechte, sondern generell mehr Möglichkeiten der Mitwirkung in allen Bereichen von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Zudem änderte sich das Konsumverhalten: Das sich ständig erweiternde Warenangebot der Nachkriegskonjunktur zwang die Menschen zu immer mehr Konsumentscheidungen, was ihnen die zusehends professionelleren Werbebotschaften eher erschwerten als erleichterten. Umso grösser war das Bedürfnis nach objektiven Informationen und Entscheidungshilfen, wie sie das Forum bot.
Produktetests und Publikationen
Zu den ersten Tätigkeiten des Konsumentinnenforums gehörten Produktetests, beispielsweise von Ölen und Fetten oder Waschmitteln. Unter dem Präsidium der Sozialdemokratin Emilie Lieberherr baute es ab 1965 ein professionelles Testwesen auf. Ab 1969 gab der Verein die inseraten- und werbefreie Konsumentenzeitschrift prüf mit heraus, in der die Testresultate veröffentlicht wurden. Die Abonnemente für prüf mit wurden für das Forum zu einer wichtigen Einnahmequelle, doch in den 1990er Jahren erlitt es massive Einbussen infolge der jetzt übermächtigen Konkurrenz durch kommerzielle Konsumzeitschriften. Deshalb entschloss sich das Forum unter der Leitung Margrit Krügers, eines Mitglieds des Landesrings der Unabhängigen (LdU), schliesslich dazu, das Erscheinen von prüf mit im Herbst 1997 einzustellen.
Nachdem das KF ab Ende der 1990er Jahre nur wenig in der Öffentlichkeit präsent gewesen war, gab es ab 2005 mit dem Sorgenbarometer (ab 2009 Pulsmesser) wieder eine jährliche Publikation heraus. 2009 wurde der Vereinssitz von Zürich nach Bern verlegt, um näher bei den politischen Entscheidungszentren zu sein.
Interessenvertretung
Ein weiterer Tätigkeitsschwerpunkt des Forums bildete von Anfang an die Interessenvertretung der Konsumenten in Vernehmlassungsprozessen und in thematischen Arbeitsgruppen verschiedener Wirtschaftspartner. In diesem Bereich war die Annahme der sogenannten Preisüberwachungsinitiative im Jahr 1982 ein grosser Erfolg. Diese Volksinitiative war von der Präsidentin Monika Weber lanciert worden und verhalf der Zürcher LdU-Kantonsrätin später zu einem Sitz im Nationalrat. Im Normalfall hatten sich die Vertreterinnen des Forums in den Kommissionen allerdings mit alltäglichen und konkreteren Problemen auseinanderzusetzen, etwa mit der Preisanschreibepflicht für Obst und Gemüse im Detailhandel, einheitlichen Textilpflegeetiketten oder in neuerer Zeit den Vertragsbedingungen im Online-Handel.
Moderne Entwicklungen
Das KF fokussierte sich vermehrt auf den Online-Bereich: Die im September 2013 gegründete Gruppe «Konsumhelden» sprach gezielt junge Konsumenten an, und im November 2013 eröffnete das KF eine Ombudsstelle für E-Commerce. Ab 2014 gab es sich einen politischen Beirat, in dem ausschliesslich bürgerliche Parteien vertreten waren. Damit liess das KF das Prinzip der parteipolitischen Ausgewogenheit fallen, das früher Teil seines Selbstverständnisses gewesen war.
Präsidentinnen
Die Umbenennung der Organisation in Schweizerisches Konsumentenforum erfolgte 1998 in der Absicht, breitere Kreise anzusprechen. Die Gründerinnen wählten 1961 die weibliche Form, weil das Forum aus der Frauenbewegung heraus entstand und damals das Einkaufen, das Verwalten des Haushaltsgelds sowie die Produkteverwertung als weibliche Aufgaben betrachtet wurden.
- 1961–1963: Yvonne Rudolf-Benoit
- 1963–1965: Claire Schibler-Kaegi
- 1965–1978: Emilie Lieberherr
- 1978–1986: Monika Weber
- 1986–1998: Margrit Krüger
- 1998–2002: Katharina Hasler
- 2002–2004: Liselotte Steffen (ad interim)
- 2004–2013: Franziska Troesch-Schnyder
- 2013–heute: Babette Sigg Frank
Zeitschriften
Das Forum hat im Laufe der Jahre mehrere Zeitschriften herausgegeben:
- 1969–1997: prüf mit
- 1999–2013: kf-Info
- 2005–2008: Sorgenbarometer
- 2009–heute: Pulsmesser
- 2018–heute: konsum-ch (kf-Magazin)[1]
Literatur
- Konsumentinnenforum Schweiz (Hrsg.): 30 Jahre Konsumentinnenforum, 1991.
- Brigitte Studer, Jakob Tanner: Konsum und Distribution. In: Patrick Halbeisen, Margrit Müller, Béatrice Veyrassat (Hrsg.): Wirtschaftsgeschichte der Schweiz im 20. Jahrhundert. 2012, S. 637–702, v. a. 692–695.
- Anina Eigenmann: Schweizerisches Konsumentenforum (KF). In: Historisches Lexikon der Schweiz. 12. Juni 2019.