Schwert des Ares
bei Priskos überlieferte sakrale Waffe, die im Zusammenhang mit der Herrschaft Attilas gestanden haben soll
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Das Schwert des Ares ist eine bei dem spätantiken Geschichtsschreiber Priskos (ca. 410/20 – um 474) überlieferte sakrale Waffe, die im Zusammenhang mit der Herrschaft des Hunnenkönigs Attila († 453) gestanden haben soll.
Priskos schildert in seinem Gesandtschaftsbericht über die Reise an den hunnischen Hof im Jahre 449, dass Attila ein dem Kriegsgott Ares geweihtes, uraltes Schwert besessen habe, dessen Wiederauffindung als göttliches Zeichen seiner künftigen Weltherrschaft gedeutet worden sei. Neben der knappen Mitteilung des Priskos, die in den Excerpta de legationibus aus dem 10. Jahrhundert[1] überliefert ist, steht eine ausführlichere Darstellung bei Jordanes[2] († nach 552), der sich ausdrücklich auf Priskos bezieht. Ob das Zitat in den Excerpta eine gekürzte Fassung einer ursprünglich längeren Darstellung ist oder ob Jordanes die Erzählung weiter ausgeschmückt hat, lässt sich nicht eindeutig entscheiden.[3] Der Darstellung bei Jordanes folgend habe ein Hirte das im Boden verborgene Schwert entdeckt, nachdem er der Blutspur eines verletzten Tieres gefolgt sei, und die Waffe anschließend Attila übergeben. Dieser habe den Fund dann als Bestätigung seiner göttlichen Sendung als Weltherrscher gedeutet.
Die Historizität der Geschichte wird unterschiedlich beurteilt. Teils wird die Existenz eines solchen sakralen Schwertes für möglich gehalten und mit vermeintlich weit verbreiteten Schwertkulten eurasischer Steppenvölker in Verbindung gebracht – mitunter gilt das Objekt sogar als zentrales Element der Herrscherrepräsentation Attilas und als wesentlicher Bestandteil seiner Herrschaftslegitimation;[4] andere Ansätze deuten die Erzählung hingegen als literarisch-ideologische Konstruktion. Vertreter der skeptischen Position betonen, dass die Geschichte in mehrfacher Hinsicht nicht mit den bekannten religiösen und politischen Vorstellungen der Hunnen vereinbar ist. Weder entsprach das Schwert den üblichen Symbolen von Herrschaft, noch passt die Zuschreibung universalherrschaftlicher Legitimation durch einen Kriegsgott zu dem aus anderen Quellen rekonstruierbaren Herrschaftskonzept der Steppenvölker.[5]
Stattdessen lässt sich die Erzählung, so die skeptische Position, plausibel als Produkt spätantiker römischer Deutungsmuster verstehen. Die Gleichsetzung der Hunnen mit den aus der antiken Literatur bekannten Skythen sowie die Vorstellung eines in Schwertform verehrten Kriegsgottes gehen auf die Rezeption Herodots[6] und dessen Nachwirkung in der lateinischen Historiographie zurück.[7] Als Urheber der Erzählung ist demnach Constantiolus anzunehmen, ein Pannonier im Dienst der Hunnen, der sie unmittelbar vor einer Audienz bei Onegesius, einer hochrangigen Persönlichkeit am Hof, vorgetragen hat. Dies geschah offenbar mit der Absicht, durch den Rückgriff auf vertraute Topoi die Gesandtschaft zu verunsichern und einzuschüchtern.[8] In dieser Perspektive erscheint das „Schwert des Ares“ weniger als historisches Objekt denn als rhetorisches Mittel zur Inszenierung und Steigerung hunnischer Machtansprüche gegenüber den Römern.
Literatur
- Giuseppe Zecchini: Attila e la spada di Marte. In: I disegni del potere, il potere dei segni, hrsg. v. Claudia Giuffrida/Margherita Cassia, Catania 2017, S. 139–45.
- Cameron Barnes: Attila and the Sword of Ares. In: Journal of Late Antique, Islamic and Byzantine Studies 2/1–2 (2023), S. 1–11.