Schwindlinge

Gattung der Familie Schwindlingsverwandte (Marasmiaceae) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Schwindlinge (Marasmius) sind eine Pilzgattung saprob lebender Blätterpilze aus der Familie der Schwindlingsverwandten, die überwiegend kleine und dünnfleischige Fruchtkörper bilden.

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Die Typusart ist der Halsband-Schwindling (Marasmius rotula).

Merkmale

Makroskopische Merkmale

Zur Gattung Schwindlinge gehören meist kleine, seltener mittelgroße Blätterpilze mit zentralem Stiel. Kennzeichnend für die Gattung ist, dass die Fruchtkörper bei Trockenheit einschrumpfen (Marzeszenz) und bei Feuchtigkeit wieder aufleben können, worauf der deutsche Name der Gattung hinweist. Die Lamellen können reduziert sein, manche Arten bilden ein Collar. Das Sporenpulver ist weiß.

Mikroskopische Merkmale

Die Sporen sind glatt, farblos und inamyloid. In der Regel sind Zystiden vorhanden. Die Hyphen weisen meist Schnallen auf.

Ökologie

Die Schwindlinge sind Saprobionten, die auf Sonderstandorten in der Streuauflage des Bodens oder als Holzzersetzer leben. Einige Schwindlingsarten sind sehr stark auf ein Substrat spezialisiert, so kommt der Stechpalmen-Schwindling (Marasmius hudsonii) nur auf abgefallenen Blättern der Stechpalme vor, der Efeu-Schwindling (Marasmius ephylloides) besiedelt ausschließlich Efeublätter.

Arten

Weltweit umfasst die Gattung etwa 350 Arten. In Europa kommen rund 50 Arten und Varietäten vor bzw. sind dort zu erwarten:[1]

Weitere Informationen Deutscher Name, Wissenschaftlicher Name ...
Schwindlinge (Marasmius) in Europa
Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Autorenzitat
Grünerlenblatt-Schwindling Marasmius alniphilus J. Favre 1952
Braunschneidiger Schwindling Marasmius anisocystidiatus Antonín, Desjardin & H. Gsell 1992
Trockenrasen-Schwindling Marasmius anomalus Lasch 1854
Marasmius anomalus var. microsporus (Maire 1908) Antonín 1988
Laubstreu-Käsepilzchen Marasmius bulliardii
(beschrieben als „bulliardi“)
Quélet 1877
Buchsblatt-Schwindling Marasmius buxi Fries in Quélet 1872
Marasmius castaneophilus Işıloğlu, Alli, Solak & Watling 2009
Marasmius celtibericus G. Moreno & Raitviir 1998
Hornstieliger Schwindling Marasmius cohaerens (Persoon 1801 : Fries 1821) Cooke & Quélet 1878
Hügel-Schwindling Marasmius collinus (Scopoli 1772 : Fries 1821) Singer 1942
Zweifarbiger Schwindling Marasmius corbariensis (Roumeguère 1880) Saccardo 1911
Lamellenloser Schwindling Marasmius cornelii Læssøe & Noordeloos 1987
Orangerötlicher Schwindling Marasmius curreyi Berkeley & Broome 1879
Silberwurz-Schwindling Marasmius epidryas Kühner 1936 ex A. Ronikier 2009
Efeublatt-Schwindling Marasmius epiphylloides (Rea 1911) Saccardo & Trotter 1925
Pappelblatt-Schwindling Marasmius favrei Antonín 1991
Marasmius hellebori-corsici Romagnesi 1978
Stechpalmen-Schwindling Marasmius hudsonii
(beschrieben als „hudsoni“)
(Persoon 1801 : Fries 1821) Fries 1838
Schilf-Schwindling Marasmius limosus Quélet 1877
Winziger Schwindling Marasmius minutus Peck 1875
Nelken-Schwindling Marasmius oreades (Bolton 1791 : Fries 1821) Fries 1836
Halsband-Schwindling Marasmius rotula (Scopoli 1772 : Fries 1821) Fries 1838
Netzaderiger Schwindling Marasmius saccharinus (Batsch 1786) Fries 1838
Nördlicher Schwindling Marasmius siccus (Schweinitz 1822 : Fries 1832) Fries 1838
Kompost-Schwindling Marasmius skalae Antonín 1988
Leistenblättriger Schwindling Marasmius tenuiparietalis Singer 1969
Fallschirm-Schwindling Marasmius teplicensis Antonín & Skála 1993
Ledergelber Schwindling Marasmius torquescens Quélet 1872
Gelbblättriger Schwindling Marasmius ventalloi Singer 1947
Nadelstreu-Käsepilzchen Marasmius wettsteinii Saccardo & P. Sydow 1899
Violettlicher Schwindling Marasmius wynneae
(beschrieben als „wynnei“)
Berkeley & Broome 1859
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Systematik

Einige Arten, die früher als Schwindlinge galten, wurden inzwischen anhand phylogenetischer Untersuchungen in andere Gattungen ausgegliedert. Es stellte sich heraus, dass sie nur entfernt verwandt sind und in die Familie Omphalotaceae gestellt werden müssen. Dazu gehören zum Beispiel die nach Knoblauch riechenden Arten wie der Langstielige (Mycetinis alliaceus) und der Echte Knoblauchschwindling (Mycetinis scorodonius), sowie einige kleine Arten wie der Nadel-Stinkschwindling (Paragymnopus perforans) und der Rosshaar-Schwindling (Gymnopus androsaceus).[2]

Der Niederliegende Schwindling (Rhizomarasmius setosus) gehört in die Familie Physalacriaceae und steht dort in der Gattung Rhizomarasmius.[3] Ebenso zu den Physalacriaceae gehört der ehemals als Marasmius epiphyllus bezeichnete Aderblättrige Schwindling, der aktuell Owingsia umbellifera genannt wird.[4]

Bedeutung

Aufgrund ihrer Größe kommen nur wenige Schwindlinge wie der Nelken-Schwindling (Marasmius oreades) als Speisepilze in Betracht. Der Nelken-Schwindling wird zuweilen wegen Bildung von Hexenringen und Verfärbungen in Zierrasen als Schadpilz betrachtet.

Quellen

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