Seaborgit
Mineral aus der Gruppe der Uranyl-Sulfate
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Seaborgit (IMA-Symbol Sea[2]) ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfate“ (einschließlich Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate) mit der chemischen Zusammensetzung LiK2Na6(UO2)(SO4)5(SO3OH)(H2O)[3][1] und damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Lithium-Kalium-Natrium-Uranylsulfat.
| Seaborgit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
2019-087[1] |
| IMA-Symbol |
Sea[2] |
| Chemische Formel | LiK2Na6(UO2)(SO4)5(SO3OH)(H2O)[3][1] |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Sulfate (einschließlich Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate) |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | triklin |
| Kristallklasse; Symbol | triklin-pinakoidal; 1 |
| Raumgruppe | P1 (Nr. 2)[3] |
| Gitterparameter | a = 5,4511(4) Å; b = 14,4870(12) Å; c = 15,8735(15) Å α = 76,295(5)°; β = 81,439(6)°; γ = 85,511(6)°[3] |
| Formeleinheiten | Z = 2[3] |
| Häufige Kristallflächen | {100}, {010}, {001} und {101}[3] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | ≈ 2,5[3] |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 2,97(2); berechnet: |
| Spaltbarkeit | gut nach {100}[3] |
| Bruch; Tenazität | gebogen oder muschelig; spröde[3] |
| Farbe | hellgelb |
| Strichfarbe | blassgelb[3] |
| Transparenz | durchsichtig |
| Glanz | Glasglanz[3] |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα = 1,505(2)[4] nβ = 1,522(2)[4] nγ = 1,536(2)[4] |
| Doppelbrechung | δ = 0,031[4] |
| Optischer Charakter | zweiachsig negativ |
| Achsenwinkel | 2V = 85(1)°[4] |
| Pleochroismus | Sichtbar: X = farblos, Y und Z = hellgrünlichgelb[4] |
| Weitere Eigenschaften | |
| Chemisches Verhalten | wasserlöslich[3] |
| Besondere Merkmale | limettengrüne Fluoreszenz unter 405-nm-Laserlicht[3] |
Seaborgit kristallisiert im triklinen Kristallsystem und findet sich in Form von radialstrahligen Büscheln aus länglichen und abgeflachten Prismen oder Täfelchen von etwa 0,2 mm Länge. Die durchsichtigen Kristalle sind von hellgelber Farbe und zeigen auf den Oberflächen einen glasähnlichen Glanz. Auch die Strichfarbe ist blassgelb.
Etymologie und Geschichte

Entdeckt wurde Seaborgit erstmals in Mineralproben aus der „Blue Lizard Mine“, einem ehemaligen Bergwerk mit Kupfer-Uran-Vererzung im Bergbaurevier Red Canyon im San Juan County des US-Bundesstaates Utah. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch ein Mineralogenteam, bestehend aus Anthony R. Kampf, Travis A. Olds, Jakub Plášil, Joe Marty, Samuel N. Perry, Loretta Corcoran und Peter C. Burns. Benannt wurde das Mineral von ihnen zu Ehren des Kernphysikers und Kernchemikers Glenn Theodore Seaborg (1912–1999), der an der Entdeckung zahlreicher Transurane (auch des nach ihm benannten Seaborgiums) beteiligt war.[3]
Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 2019 zur Prüfung an die Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification der International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA/CNMNC: 2019-087[1]), die den Seaborgit als eigenständige Mineralart anerkannte. Bekanntgegeben wurde dies zusammen mit anderen anerkannten Mineralen 2020 im Newsletter 53 im Fachmagazin Mineralogical Magazine.[5] Die Publikation der Erstbeschreibung erfolgte 2021 im Fachmagazin American Mineralogist. Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Seaborgit lautet „Sea“.[2]
Das Typmaterial des Minerals wird im Natural History Museum of Los Angeles County (auch Los Angeles County Museum of Natural History; LACMNH) in Los Angeles unter der Inventarnummer 74163 aufbewahrt.[6][7]
Seaborgit wurde 2021 von der IMA/CNMNC zum Mineral des Jahres gewählt. Als bisher einzige bekannte Mineralart enthält Seaborgit sowohl Lithium als auch Uran als artenbildende Elemente und ist zudem eines der wenigen Minerale, die drei verschiedene Alkalimetalle enthalten.[8]
Klassifikation
Da der Seaborgit erst 2019 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er weder in der zuletzt 2009 aktualisierten[9] 9. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch in der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, verzeichnet. Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana kennt den Seaborgit noch nicht.
Die von der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführte Strunz-Klassifikation in der 9. Auflage ordnet den Seaborgit in die Klasse der „Sulfate (einschließlich Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)“ und dort in die Abteilung der „Uranylsulfate“, genauer in die Unterabteilung „Mit mittelgroßen und großen Kationen“ (englisch Uranyl sulfates – With medium-sized and large cations) mit der Systemnummer 7.EC. Eine weitergehende Einordnung in eine Gruppe mit chemisch oder kristallographisch verwandten Mineralen wurde bisher nicht vorgenommen (Stand 2026; vergleiche dazu auch gleichnamige Unterabteilung in der Klassifikation nach Strunz (9. Auflage)).[10]
Kristallstruktur
Seaborgit kristallisiert in der triklinen Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2) mit den Gitterparametern a = 5,4511(4) Å; b = 14,4870(12) Å; c = 15,8735(15) Å; α = 76,295(5)°; β = 81,439(6)° und γ = 85,511(6)° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]
Eigenschaften
Das Mineral ist schon bei Raumtemperatur wasserlöslich[3] und durch seinen Urangehalt von bis zu 21,81 Gew.-% Uran[11] radioaktiv.
Unter Einwirkung von 405 nm-Laserlicht zeigt Seaborgit eine limettengrüne Fluoreszenz.[3]
Bildung und Fundorte
Seaborgit bildet sich sekundär im Zusammenhang mit der nachbergbaulich stattfindenden Oxidation asphaltreicher Sandsteinlager in feuchter unterirdischer Umgebung. Als Begleitminerale können unter anderem Copiapit, Ferrinatrit, Gips, Ivsit, Metavoltin und Römerit auftreten.[12]
Bisher konnte das Mineral ausschließlich an seiner Typlokalität in der Blue Lizard Mine im San Juan County von Utah entdeckt werden (Stand 2026).[13]
Vorsichtsmaßnahmen
Aufgrund der ionisierenden Strahlung des Minerals sollten Mineralproben vom Seaborgit nur in staub- und strahlungsdichten Behältern, vor allem aber niemals in Wohn-, Schlaf- und Arbeitsräumen aufbewahrt werden. Ebenso sollte eine Aufnahme in den Körper (Inkorporation, Ingestion) auf jeden Fall verhindert und zur Sicherheit direkter Körperkontakt vermieden sowie beim Umgang mit dem Mineral Mundschutz und Handschuhe getragen werden.
Siehe auch
Literatur
- Ritsuro Miyawaki, Frédéric Hatert, Marco Pasero, Stuart J. Mills: IMA Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) Newsletter 53. In: Mineralogical Magazine. Band 84, Nr. 1, 2020, S. 159–163, doi:10.1180/mgm.2020.5 (englisch, cambridge.org [PDF; 132 kB; abgerufen am 12. April 2026]).
- Anthony R. Kampf, Travis A. Olds, Jakub Plášil, Joe Marty, Samuel N. Perry, Loretta Corcoran, Peter C. Burns: Seaborgite, LiNa6K2(UO2)(SO4)5(SO3OH)(H2O), the first uranyl mineral containing lithium. In: American Mineralogist. Band 106, Nr. 1, 2021, S. 105–111, doi:10.2138/am-2020-7540 (englisch).
- Aaron J. Celestian: New mineral names: Alteration products. In: American Mineralogist. Band 107, Nr. 2, 2022, S. 318–320; hier: 320, Seaborgite, doi:10.2138/am-2022-NMN107228 (englisch, pubs.geoscienceworld.org [PDF; 270 kB; abgerufen am 12. April 2026]).
Weblinks
- Seaborgit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- IMA Database of Mineral Properties – Seaborgite. In: rruff.net. RRUFF Project (englisch).
- Seaborgite search results. In: rruff.net. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (englisch).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Seaborgite. In: rruff.net. (englisch).