Sebastian Huhnholz

deutscher Politikwissenschaftler und Ideenhistoriker From Wikipedia, the free encyclopedia

Sebastian Huhnholz (* 1980 in Berlin-Friedrichshain) ist ein deutscher Politikwissenschaftler und Ideenhistoriker.

Leben und Wirken

Sebastian Huhnholz wuchs in Berlin auf und legte im Jahr 2000 das Abitur ab.[1] Er studierte von 2002 bis 2008 Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin und arbeitete dort am Lehrstuhl für Theorie der Politik von Herfried Münkler sowie als Mitglied des Sonderforschungsbereichs 644 „Transformationen der Antike“. Huhnholz wurde 2014 an der LMU München mit einer Arbeit über US-amerikanische Imperiumsdiskurse und deren identitätspolitische Bezugnahmen auf das republikanische und kaiserzeitliche Rom des Altertums promoviert. Ebenda habilitierte er sich 2016–2021 über die Politische Ideengeschichte demokratischer Staatsfinanzierung. Zwischen 2020 und 2022 war Huhnholz kommissarischer Leiter des vakanten Arbeitsbereichs „Politische Ideengeschichte und Theorien der Politik“ an der Leibniz-Universität Hannover und vertrat von 2022 bis 2024 den Lehrstuhl für Politische Theorie und Ideengeschichte an der FAU Erlangen-Nürnberg. Seit 2025 ist er Gastwissenschaftler am Hamburger Institut für Sozialforschung sowie Gastprofessor für Politische Theorie und Rechtstheorie am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Staatsfinanzen, vergleichende Finanzverfassungslehre (z. B. Steuerstaatlichkeit), politische Theorien internationaler Beziehungen sowie die politische Ideen- und Intellektuellengeschichte. Huhnholz’ öffentliche und wissenschaftliche Tätigkeiten zielen darauf, eine ideengeschichtliche Serie klassischer bis gegenwärtiger Fiskalvorstellungen zu dokumentieren und demokratietheoretisch zu systematisieren. Diese Zugriffsweise geht auf den interdisziplinären Ansatz der Fiskal- bzw. Finanzsoziologie zurück. Der kombiniert Wirtschaftsgeschichte sowie Finanzverfassungs- und Steuerrechtsgeschichte mit Politischer Theorie, Intellektuellen- und Ideengeschichte in der Absicht, politische Kulturen der materiellen (Re-)Produktion von sozialer Herrschaft- und politischer Verfassungsordnung als je gesellschaftsspezifische Cluster zu identifizieren und sie vergleichend zu analysieren. Dieser finanzsoziologische bis fiskalpolitologische Erklärungsansatz geht von der Annahme aus, dass Gesellschaften und politische Regimes die ökonomischen Mittel, finanzwirtschaftlichen Medien, Rechtsordnungen und normativen Ideale ihrer ökonomischen Reproduktion nicht beliebig wählen und verändern können, sondern ideologisch, wirtschaftskulturell und rechtstechnisch aufeinander abstimmen. Allgemeine und einheitliche Bedeutungen von sozialtheoretischen Leitbegriffen wie Steuer, Eigentum, Markt, Staat u. a. können darum immer nur zeit-, diskurs- und kulturspezifisch stabil sein.

Daneben publiziert Huhnholz regelmäßig über Persönlichkeiten wie Reinhart Koselleck, Carl Schmitt und Heiner Müller. Er ist Mitherausgeber der Schriftenreihen Staatsverständnisse und Ordnungen globaler Macht (zugleich Mitbegründer), Mitglied im „Arbeitskreis Steuergeschichte“, gewähltes Mitglied der DVPW-Ethik-Kommission[2] und im Bereich der Politischen Bildung engagiert, etwa für das Cusanuswerk, die Naumann-Stiftung[3] und die Schader-Stiftung.[4] Er hat unter anderem in den Zeitschriften Aus Politik und Zeitgeschichte, Behemoth, Berliner Debatte Initial, Ethik und Gesellschaft, Friedens-Warte, Leviathan, Jahrbuch Ökonomie und Gesellschaft, Jahrbuch Politisches Denken, Journal of Modern European History, Merkur, Mittelweg 36, Neue Politische Literatur, Politische Vierteljahresschrift (PVS), Soziopolis, Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik, Zeitschrift für Kulturwissenschaften, Zeitschrift für philosophische Literatur und in der Zeitschrift für Politische Theorie (ZfPT) publiziert und schreibt für die Wissenschaftsblogs theorieblog und Verfassungsblog. Huhnholz rezensiert unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, für H-Soz-Kult, die Süddeutsche Zeitung, für WeltTrends und die Zeitschrift für Politik.

Ehrungen

Schriften (Auswahl)

Monografien
  • Dschihadistische Raumpraxis. Raumordnungspolitische Herausforderungen des militanten sunnitischen Fundamentalismus (= Politische Theorie. Band 12). Lit, Berlin/Münster 2010, ISBN 978-3-643-10546-2 (zugleich: Masterarbeit, Humboldt-Universität zu Berlin).
  • Krisenimperialität. Romreferenz im US-amerikanischen Empire-Diskurs. Campus-Verlag, Frankfurt am Main/New York 2014, ISBN 978-3-593-50203-8 (zugleich: Dissertation, LMU München).
  • Von Carl Schmitt zu Hannah Arendt? Heidelberger Entstehungsspuren und bundesrepublikanische Liberalisierungsschichten von Reinhart Kosellecks Kritik und Krise (= Wissenschaftliche Abhandlungen und Reden zur Philosophie, Politik und Geistesgeschichte. Band 95). Duncker & Humblot, Berlin 2019, ISBN 978-3-428-15570-5.
  • Der andere Ökonom. Max Webers Spätwerk und die fiskalische Verfassung einer neuen deutschen Demokratie. Duncker & Humblot, Berlin 2025, ISBN 978-3-428-19415-5.
Herausgeberwerke
  • mit Eva Marlene Hausteiner: Politische Ikonographie und Differenzrepräsentation (= Leviathan. Sonderband 34). Konferenzschrift. Nomos, Baden-Baden 2018, ISBN 978-3-8487-4277-6.
  • Fiskus – Verfassung – Freiheit. Politisches Denken der öffentlichen Finanzen von Hobbes bis heute (= Staatsverständnisse. Band 111). Nomos, Baden-Baden 2018, ISBN 978-3-8487-4803-7.
  • mit Karsten Fischer: Liberalismus. Traditionsbestände und Gegenwartskontroversen (= Schriftenreihe der Sektion Politische Theorie und Ideengeschichte in der DVPW. Band 37). Nomos, Baden-Baden 2019, ISBN 978-3-8487-3907-3.
  • mit Eva Marlene Hausteiner: Imperien verstehen. Theorien, Typen, Transformationen (= Ordnungen globaler Macht. Band 1). Nomos, Baden-Baden 2019, ISBN 978-3-8487-4753-5.
  • mit Aaron Sahr, Eva Weiler: Politische Theorien öffentlicher Finanzen. Zur (De-)Politisierung von Geld, Eigentum und Steuern (= Leviathan. Sonderband 43). Nomos, Baden-Baden 2025, ISBN 978-3-7560-2345-5.

Einzelnachweise

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