Sebastian Lee
deutscher Violoncellist und Komponist
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Leben
Sebastian Lee wurde in Hamburg von dem Romberg-Schüler Johann Nikolaus Prell (1773–1849) unterrichtet. Auch sein jüngerer Bruder Louis Lee (1819–1896)[2] spielte Cello sowie Klavier[3].
1830 begann Sebastian Lee seine Karriere als Solist mit Konzerten in Deutschland, zuerst in Hamburg, dann in Leipzig. Es folgte eine Tournee über Kassel und Frankfurt nach Paris, wo er im April 1832 eintraf und mit großem Beifall im Théâtre-Italien auftrat. 1836 gastierte er in London, kehrte aber 1837 nach Paris zurück. Hier war er von 1837 bis 1868 Solocellist im Orchester der „Grand Opéra“.[4] Außerdem war er von 1840 bis 1870 Lehrer am „Conservatoire de Paris“[5].
Sebastian Lee gab 1845 in Frankreich seine bis heute verwendete und bekannte Violoncello-Schule op. 30 (Ecole du Violoncelliste) heraus. Seine Zeit in Paris war geprägt von reicher Schaffenskraft und unzähligen Auftritten in den Salons der Pariser Gesellschaft, bei denen er seine eigenen Kompositionen spielte (wie z. B. Fantasien über bekannte Opernmelodien oder Walzer)[6]. Er trat aber auch in öffentlichen Konzerten auf, sowohl solistisch[7] als auch in kammermusikalischen Besetzungen[8]. In direktem Bezug zur genannten Schule op. 30 stehen die Etüden op. 31 Bd. 1 und Bd. 2, die bis heute verlegt werden und in Gebrauch sind, sowie die jeweils zu drei Werken zusammengefassten Duette op. 36, op. 37, op. 38, op. 39.
Mit Ausbruch des Deutsch-Französsichen Krieges kehrte er nach Hamburg zurück. Hier wirkte er u. a. als erster Cellist in den Philharmonischen Konzerten und ließ sich als Cellolehrer nieder. Außerdem veranstaltete er in Hamburg Kammermusik-Soireen und schrieb weitere Werke bzw. Bearbeitungen für das Cello.[9]
Sebastian Lee war mit Caroline Theodora Luther (1806–1882) verheiratet und hatte zwei Kinder: Sein Sohn Eduard war Pianist und starb bereits 1861 mit 26 Jahren in Hamburg[10], seine Tochter Caroline (* 1842) war mit dem Hamburger Kaufmann Cesar Böckmann verheiratet, ein Bruder des Lee-Schülers Ferdinand Böckmann. Sie wurde ebenfalls musikalisch ausgebildet und soll mit Adelina Patti befreundet gewesen sein.[11] Sebastian Lee lebte zuletzt im Haus seiner Tochter,[12] in der Friedrichstraße 3 (Uhlenhorst).[13]
Sebastian Lee starb in Hamburg am 4. Januar 1887.
Werke (Auswahl)
Schulen
Violoncello-Schule op. 30
Etüdensammlungen
- Melodische und progressive Etüden op. 31: Bd. 1, 1–22; und Bd. 2, 23–40
- Zwölf Etüden zur Vervollkommnung op. 57
- Vierzig leichte Etüden in der ersten Lage op. 70
- Sechs melodische Etüden für das Cello allein op. 76
- Guide du jeune Violoncelliste; 40 Exercices journaliers pour le Violoncelle op. 82 et. op. 83
- Sechs Etüden für Violoncello op. 92
- Fünfzig Etüden für den Anfang (Die ersten Schritte des jungen Violoncellspielers) op. 101
- Sechs Capricen für Violoncello solo op. 105
- Zwölf melodische Etüden für das Violoncello op. 113
- 30 Präludien in allen Tonarten, jedem Präludium eine Tonleiter, mit und ohne Benutzung des Daumens für das Violoncello op. 122
- Vierundzwanzig melodische Etüden für zwei Violoncelli op. 131
Duos für 2 Violoncelli
Duette aus „Die Schule des Violoncellisten“ op. 36, op. 37, op. 38, op. 39
- Drei leichte Duos in fortschreitender Schwierigkeit F-Dur, C-Dur, D-Dur op. 36
- Drei Duos G-Dur, B-Dur, d-Moll op. 37
- Drei Duos in fortschreitender Schwierigkeit D-Dur, F-Dur, a-Moll op. 38
- Drei mittelschwere Duos G-Dur, c-Moll, D-Dur op. 39
- Sechs leichte Duos für zwei Violoncelli mit fortschreitender Schwierigkeit op. 60 Bd. 1, Nr. 1–3; Bd. 2, Nr. 4–6
- Sechs Capricen für Violoncell mit Begleitung eines zweiten Violoncell op. 109
- 22 Sehr Leichte Duette op. 126
Duos für Violoncello und Violine
Duette op. 124, op. 125
Bedeutung und Wirken
Sebastian Lee hat mehrere in der damaligen Zeit bekannte Cellisten herangebildet. Die bekanntesten davon sind Albert Gowa, Ferdinand Böckmann, August Bieler und Johann Karlowicz.[14]
Die Bedeutung von Sebastian Lee liegt aus heutiger Sicht im Besonderen auf seinen dankbaren, musikalisch und technisch anspruchsvollen Etüden und Duetten, deren Studium dem Studierenden die Mittel für ein absolut gesanglich orientiertes Spiel in die Hand gibt. Von seinen über 130 hinterlassenen Cellowerken widmen sich die Mehrheit pädagogischen Zwecken.[15] Laut Julius Bächis Einschätzung liegt der Schwerpunkt seiner Etüden auf eine „elastische, feiner Nuancierung fähige Bogenführung und auf gediegenen, satten, modulationsreichen Ton.“[16] Sebastian Lee hat die Gabe, schon während 16 Takten eine spezifische Stimmung und eindeutige, unverwechselbare musikalische Atmosphäre zu schaffen – sehr gut zu erfahren zum Beispiel in Op. 30 (Übungen in den Tonarten) oder Op. 101 (50 kurze Übungen für den Anfänger).
Literatur
- Julius Bächi: Berühmte Cellisten. Porträts der Meistercellisten von Boccherini bis Casals und von Paul Grümmer bis Rostropovitch. Zürich/Freiburg i. Br. 1973, S. 58 f.
- Theodore Baker: A Biographical Dictionary of Musicians. New York 1900, S. 347.
- Margaret Campbell: The Great Cellist. London 1988, S. 69.
- Oscar Paul (Hg.): Handlexikon der Tonkunst. 2. Band, Nachtrag, Leipzig 1873, S. 16 (Digitalisat).
- Wilhelm Joseph von Wasielewski: Das Violoncell und seine Geschichte. Leipzig 1889, S. 182 (Digitalisat).
Weblinks
- Werke von und über Sebastian Lee im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Werkeverzeichnis auf Klassika die deutschsprachigen Klassikseiten
- Niederländischer Eintrag auf Cellist
- 40 leichte Etüden; Op. 70 (LilyPond)
- Noten und Audiodateien von Sebastian Lee im International Music Score Library Project
