Sechsfachmord von Stade
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Der Sechsfachmord von Stade vom 29. Juni 2026 bezeichnet einen Schusswaffenangriff in einer Mutter-Kind-Einrichtung im niedersächsischen Stade.
Tatverdächtig ist ein in Deutschland geborener 45-jähriger türkischer Staatsangehöriger[1], der im Zusammenhang mit einem Sorgerechtsstreit zu einem Hilfeplangespräch in der Einrichtung erschienen war und dort insgesamt sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erschoss. Neben drei Angestellten des privaten Trägers befanden sich auch drei Mitarbeitende des Jugendamts Hannover unter den Todesopfern.[2] Der Tatverdächtige floh nach den Schüssen vom Tatort und wurde kurze Zeit später in einem Pkw gestoppt und von Polizeikräften festgenommen. Das Amtsgericht erließ daraufhin Haftbefehl gegen den 45-Jährigen.[3]
Hintergrund und Tathergang
Am 22. April 2026 wurde die wenige Wochen alte Tochter des 45-jährigen Tatverdächtigen in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wegen Hirnblutungen infolge eines möglichen Schütteltraumas notfallmedizinisch behandelt.[4] Nach dem Befund soll der Mann gegenüber den Ärzten der MHH aggressiv aufgetreten sein und ihnen verbal gedroht haben.[5]
Daraufhin leitete das Jugendamt am 15. Mai die Inobhutnahme des Kindes ein.[6] Die Staatsanwaltschaft Hannover nahm Ermittlungen gegen die Eltern wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen auf.[4] Später ordnete ein Familiengericht an, den Säugling wieder mit der 34-jährigen[4] Kindsmutter zusammenzuführen. Mutter und Kind bezogen daraufhin am 26. Mai 2026 eine Mutter-Kind-Einrichtung in Stade.[7]
Am Tattag, den 29. Juni 2026 erschien der 45-Jährige zu einem Hilfeplangespräch in der Einrichtung. Im Verlauf des Gesprächs eröffnete er das Feuer und tötete sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendhilfe und des Jugendamts. Nach Recherchen vom NDR handelte es sich bei der Tatwaffe um eine Pistole des Typs Beretta Modell 70 mit 21 Schuss Munition, die der Tatverdächtige wenige Tage zuvor am Berliner Kurfürstendamm illegal erworben haben soll.[8] Gegen 12:10 Uhr wurde die Polizei wegen der Schüsse alarmiert. Wenig später stoppten Einsatzkräfte den Fluchtwagen und nahmen den mutmaßlichen Täter als Beifahrer eines Mercedes-AMG GLE 43[9] fest. Auch die 65-jährige Fahrerin des Fahrzeugs[10], die mutmaßliche Patentante des Kindes, wurde vorläufig festgenommen.[11]
Der Tatverdächtige wurde anschließend in eine Justizvollzugsanstalt gebracht, nachdem das zuständige Amtsgericht Haftbefehl gegen ihn erlassen hatte. Die Staatsanwaltschaft Stade wirft ihm sechsfachen Mord vor. Insbesondere die Mordmerkmale der Heimtücke und der niedrigen Beweggründe sieht sie als erfüllt an.[10] Später teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass auch gegen die 65-jährige Fluchtwagenfahrerin sowie gegen die Kindsmutter wegen des Verdachts des Mordes ermittelt werde.[12]
Zur Aufklärung der Tat richtete die Polizei eine Mordkommission ein.[13]
Rolle der Fluchtwagenfahrerin
Die 65-jährige Fluchtwagenfahrerin war mehreren Medienberichten zufolge bereits vor der Tat im Sorgerechtsstreit involviert. Am Freitag, dem 26. Juni, habe sie ein 20-seitiges Dokument an diverse Medienstellen versandt, um den Konflikt zwischen den Eltern und den Behörden in der Region Hannover öffentlich zu machen. Zusätzlich warf sie den behandelnden Ärzten vor, der Version des Vaters, das Kind im Schlaf versehentlich verletzt zu haben, keinen Glauben geschenkt und hierdurch eine Eskalationsspirale gefördert zu haben. Nach Recherchen der HAZ arbeitet die 65-jährige Frau für eine Lobbyorganisation, die binationale Ehepaare berät und sich selbst als „Schnittstelle von Familien-, Bildungs- und Migrationspolitik“ versteht.[14][15][16]
Am 2. Juli 2026 wurde bekannt, dass die 65-jährige Fahrerin des Fluchtwagens die Schwiegermutter des niedersächsischen Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe, Deniz Kurku (SPD), ist. Kurku erklärte, er habe die familiäre Verbindung nach Bekanntwerden unverzüglich den Ermittlungsbehörden und den zuständigen Stellen in seinem beruflichen Umfeld mitgeteilt und keine Kenntnis von der Tat gehabt. Die SPD-Fraktion sowie Ministerpräsident Olaf Lies stellten sich öffentlich hinter ihn.[17]
Reaktionen
Bundeskanzler Friedrich Merz schrieb: „Die Nachricht aus Stade erschüttert bis ins Mark … Viele Menschen, die helfen und schützen wollten, haben ihr Leben verloren oder wurden verletzt.“[18] Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußerte seine Anteilnahme.[18]
Ministerpräsident Olaf Lies erklärte, die Tat mache die gesamte Landesregierung tief betroffen. Innenministerin Daniela Behrens sprach von einem „entsetzlichen Tag für Stade und für ganz Niedersachsen“. Sechs Menschen seien „auf brutale Weise aus dem Leben gerissen“ worden, erklärte sie. Das verursachte Leid sei „schwer zu begreifen und noch schwerer in Worte zu fassen“. Die Tat werde Stade „lange beschäftigen“ und „Spuren hinterlassen“. Behrens sprach allen Betroffenen ihre Anteilnahme aus.[18]
Am 30. Juni 2026 kehrten rund 700 Menschen zu einer Trauerandacht in die St.-Wilhadi-Kirche ein.[19]