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Seegeler Wunderbrunnen

Quelle in Seegel bei Leipzig From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Seegeler Wunderbrunnen (auch Heil- und Wunderbrunnen, früher Bronnen) ist ein Platz mit einer Quelle variierender Schüttung, der ab dem 17. Jahrhundert von Heilung Suchenden genutzt wurde, Anfang des 20. Jahrhunderts der Abfüllung von Tafelwasser und dessen Ausschank diente und heute eine denkmalgeschützte[1] Anlage für Erholungsuchende und Urlauber ist.

Schenke, Brunnenfassung und Brunnenhaus, um 1915

Lage

Die Anlage des Seegeler Wunderbrunnens liegt von Feldern umgeben als einzige Bebauung an der Straße von Werben nach Sittel, beides Ortsteile der Stadt Pegau südlich von Leipzig. Die Anlage steht auf der Flur des östlich davon gelegenen und ebenfalls zu Pegau gehörenden Seegel – daher der Name. Alle drei Dörfer waren bis 2012 Ortsteile von Kitzen. Etwa 140 Meter westlich der Anlage verläuft der Elsterfloßgraben.

Geschichte

Im Mai des Jahres 1645 trat an der oben beschriebenen Stelle eine Quelle mit klarem Wasser zutage. Viele Leute tranken davon und manche meinten, ihre Krankheit habe sich davon verbessert. Das führte zu verstärktem Besuch an der Quelle. Aber diese versiegte wieder. Der nächste Ausbruch ereignete sich 1664 und ein dritter 1677. Da inzwischen mehrere Verzeichnisse erfolgreicher Heilungen vorlagen, die jeden Einzelnen aufführten, der öffentlich danken ließ,[2] muss es in diesem Jahr Tausende zum Wunderbrunnen gezogen haben. Diesmal ergoss sich das Wasser aus zwölf Quellen und wurde in Röhren gefasst und in einen Kasten geleitet. Später wurde berichtet: „Man badet, man trinkt, man fährt das Wasser in Fässern von dannen, um auch in ferner Heimat seinen Segen zu genießen. Fürsten und Adlige, Bürger und Bauern sind zu ihm gepilgert.“[3] Auch diesmal versiegte die Quelle wieder, nach 13 Wochen war das heilkräftige Wasser verschwunden.

1898 sprudelte die Quelle wieder und versiegte fortan nie wieder ganz. Das Ackerfeld gehörte inzwischen dem Seegeler Bauern und Gastwirt Karl Friedrich Berger. Als diesmal der Ansturm Heilung Suchender ausblieb, beschloss dieser, die Quelle für seine Familie zu nutzen. Er beorderte die Familie seines Sohnes Theodor, die 1894 nach Leipzig gezogen war, zurück nach Seegel. Theodor Berger fasste die Quelle und erbaute ein kleines sechseckiges Brunnenhaus in Fachwerkbauweise mit einem Zwiebeltürmchen sowie an der Straße ein kleines Wirtshaus, die bald beliebte Wasserschenke. Hier gab es Wasser und Limonaden, Kaffee und selbstgebackenen Kuchen, kleine Spirituosen und Zigarren. Analysen bestätigten, es handelt sich um einwandfreies Trinkwasser, das keiner Aufbereitung bedarf. Also wurde es in Flaschen abgefüllt und als „Seegeler Heil- und Wunderbronnen“ (mit „o“) vertrieben.

Wunderbrunnen-Werbung

Theodor Bergers Sohn Alfred hatte Bildhauerei studiert und war auch in diesem Metier tätig. Daneben übernahm er 1918 die Geschäftsführung des Betriebes und wurde nach dem Tod seines Vaters 1922 Eigentümer. Unter ihm erfuhr die Einrichtung einen enormen Aufschwung. Durch geschickte Werbekampagnen, wobei er auch einen Stand auf der Leipziger Messe gestaltete, kurbelte er den Umsatz an. Er entwarf Briefpapier und Werbeschriften, Etiketten, Flaschen, Kronenverschlüsse und bemalte eigenhändig die Lieferfahrzeuge. In den 1930er Jahren ließ er einen Abfüllautomat mit einer Leistung von 3000 Flaschen pro Stunde installieren und belieferte während des Zweiten Weltkriegs auch das Militär. Da insbesondere von dort die Pfandflaschen nicht zurückkamen, entstand ein hohes Passiv-Betriebsvermögen, auf welches später die DDR Steuern forderte, die er nicht zahlen konnte, worauf der Betrieb Anfang der 1960er Jahre unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt und von 1978 bis 1987 vom Konsum bewirtschaftet wurde.

Alfred Bergers jüngere Tochter Hannelore, verheiratet Windau, erreichte nach jahrelangem hartnäckigem Bemühen, dass die Schulden nach und nach gestrichen wurden und so sie und ihre Schwester Theodora später Grundstück und Gebäude erben konnten. Nach der Wende ließ Hannelore Windau Betriebsteil und Gelände beräumen und sanieren sowie mit Kreditmitteln umbauen. Es entstand ein naturnahes Domizil mit Atelierräumen für bildende Künstler, das das Kulturamt der Stadt Leipzig von 1995 bis 2005 mietete.

Heutige Nutzung

Der gegenwärtige Besitzer des Anwesens ist der Leipziger Arzt und Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen Stefan Windau. Er ist der Sohn von Hannelore Windau und der Enkel des Bildhauers und Brunnenbetreibers Alfred Berger. In einer mehrjährigen Sanierung entwickelte er das etwa 1,5 Hektar große parkartige Anwesen zu einer Ferien- und Erholungsanlage. Die ehemalige Wasserschenke wurde zu einem Ferienhaus, und in den Abfüllgebäuden entstanden Ferienwohnungen. Das Quellwasser kann an mehreren Zapfstellen getrunken oder in einem Pool zum Baden genutzt werden. Auch ein Kneipp-Gang ist möglich. In einem großen liegenden Holzfass ist eine Sauna eingerichtet. In einem großen Holzbottich sind auch im Winter heiße Bäder für mehrere Personen im Freien möglich. Yoga-Kurse ergänzen das Angebot.

Literatur

  • Björn Meine: Das Wunderwasser von Werben. In: Leipziger Volkszeitung, 31. März 2026, S. 22
  • Ein Stück Freiheit und Abenteuer. In: SachsenSonntag 21. Februar 2022 (Digitalisat)
Commons: Seegeler Wunderbrunnen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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