Segelfluggelände Riesa-Canitz

Segelfluggelände in Sachsen From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Segelfluggelände Riesa-Canitz liegt im Stadtteil Canitz der Stadt Riesa im Landkreis Meißen in Sachsen, etwa 4 Kilometer westlich des Zentrums von Riesa.[1]

Schnelle Fakten Kenndaten, Verkehrsanbindung ...
Segelfluggelände Riesa-Canitz
Riesa-Canitz (Sachsen)
Riesa-Canitz (Sachsen)
Riesa-Canitz
Lokalisierung von Sachsen in Deutschland
Kenndaten
Flugplatztyp Segelfluggelände
Koordinaten 51° 18′ 11″ N, 13° 13′ 40″ O
Höhe über MSL 123 m  (404 ft)
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 4 km westlich von Riesa
Basisdaten
Eröffnung 1935
Betreiber Segelfliegerclub Riesa-Canitz e. V.
Fläche 40 ha
Start- und Landebahn
08/26 920 m × 30 m Gras
Webseite
https://segelwiese-canitz.de
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Flugbetrieb

Das Segelfluggelände ist mit einer 920 m langen und 30 m breiten Start- und Landebahn aus Gras (Richtung 08/26) ausgestattet.[2] Es besitzt eine Betriebszulassung für Segelflugzeuge, Motorsegler und Luftsportgeräte sowie für Motorflugzeuge bis 2000 kg höchstzulässiger Abflugmasse, jedoch nur zum Zwecke des Schleppens von Segelflugzeugen, Motorseglern oder Hängegleitern sowie zum Absetzen von Fallschirmspringern und im ursächlichen Zusammenhang damit stehender Flüge.[1] Der Start von Segelflugzeugen erfolgt per Windenstart oder Flugzeugschlepp.[1] Der Halter und Betreiber des Segelfluggeländes ist der Segelfliegerclub Riesa-Canitz e. V.[1][3]

Geschichte

Der Flugplatz wurde in den Jahren 1934 und 1935 als Einsatzhafen I. Ordnung für die Luftwaffe der Wehrmacht errichtet. Er verfügte über ein Luftwaffengut, Unterflur-Zapfanlagen und einen Eisenbahnanschluss an die Strecke Dresden–Leipzig, der bis zum Tanklager führte. Es entstanden einige hölzerne Hallen, Schuppen und Baracken. Die Platzgröße betrug zu dieser Zeit 1100 × 750 m, die Rollfeldgröße 1000 × 600 m. Genutzt wurde er von der Flugzeugführerschule Oschatz. Zwischen September und November 1944 und im Januar 1945 waren verschiedene Jagdfliegereinheiten der Luftwaffe stationiert. Ab März 1945 lag der Flugplatz in der Kampfzone der sowjetischen 2. Luftarmee. Am 25. April des Jahres wurde er von Einheiten der 1. Ukrainischen Front besetzt und vom Mai bis in den Juni hinein von verschiedenen Jagdfliegereinheiten der sowjetischen Luftstreitkräfte als Einsatzplatz genutzt.

Nach Kriegsende wurden die vorhandenen Gebäude abgerissen und der Flugplatz einige Jahre nicht genutzt. Im Jahr 1953 übernahm die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) das Areal und nutzte es als Segelfluggelände. Laut Zeitzeugen sollen in den 1960er Jahren mehrere Belegungen durch sowjetische Hubschraubereinheiten stattgefunden haben; das Gelände war in diesen Zeiträumen für die GST gesperrt. Im Jahr 1979 wurden nach einigen gelungenen Republikfluchten mit Flugzeugen der GST etliche ihrer Segelflugplätze geschlossen, darunter auch Canitz. Nach den politischen Ereignissen von 1989 wurde der Flugplatz zum Anfang der 1990er Jahre der allgemeinen Luftfahrt übergeben und wird seitdem wieder für den Segelflug genutzt.

Streckenflugwoche

Die Canitzer Streckenflugwoche ist ein seit 1993 jährlich stattfindender Streckensegelflugwettbewerb, der vom Segelfliegerclub Riesa-Canitz e.V. auf dem Segelfluggelände Riesa-Canitz in Sachsen veranstaltet wird. Die Veranstaltung zieht Piloten aus ganz Deutschland und auch außerhalb an und bietet für zehn Tage ein Zuhause für bis zu 75 Segelflugzeuge sowie deren Piloten und deren Helfer. Im Vordergrund stehen der Spaß, die Freude am Fliegen und das Sammeln von Streckenflugerfahrungen in einer entspannten Atmosphäre. Die Teilnehmer konkurrieren in verschiedenen Klassen, darunter Clubklasse, Standardklasse, Gemischte Klasse und Doppelsitzerklasse, wobei Siegerpokale vergeben werden. Nach pandemiebedingten Ausfällen in den Jahren 2020 und 2021 feierte die Streckenflugwoche im Jahr 2025 ihr 30-jähriges Jubiläum. Hauptorganisator der Veranstaltung ist Lutz Scholz, ein Gründungsmitglied des Vereins.[4][5]

Stationierte Flugzeuge

Am Segelflugplatz Riesa-Canitz sind insgesamt 14 Segelflugzeuge stationiert. Der Segelfliegerclub Riesa-Canitz e.V. besitzt mehrere Flugzeuge für Ausbildung und Vereinsbetrieb. Dazu gehört ein doppelsitziges Schulungsflugzeug, ein SZD-50-3 Puchacz, sowie die Schulungseinsitzer vom Typ Astir CS 77 und DG 300 ELAN. Für Lizenzpiloten sowie zur Anfängerschulung steht der vereinseigene Hochleistungs-Doppelsitzer HpH 304 TS "TwinShark" zur Verfügung. Als Schleppflugzeug nutzt der Verein ein Ultraleichtflugzeug vom Typ TL 96 Sting.[6]

Die restlichen Flugzeuge sind in Privatbesitz von Vereinsmitgliedern. Zu den privat stationierten Hochleistungssegelflugzeugen zählen ein Ventus 2cxT und eine DG800. Weitere private Flugzeuge am Platz sind eine DG505MB, ein Jantar 2b, ein Standard Jantar, eine LS4 neo, ein Speed Astir, ein Mosquito und ein Cirrus. Eine besondere Rarität ist der Standard Jantar T mit Turbo-Antrieb, der einzige seiner Art.[6]

Luftfahrttechnischer Betrieb

Am Flugplatz Riesa-Canitz befindet sich der luftfahrttechnische Betrieb JPS mobile, der komplexe Instandhaltungsarbeiten nach ELA1 an Segelflugzeugen durchführt. Dieser Betrieb bietet Wartungs- und Reparaturleistungen für Segelflugzeuge an. Betrieben wird dieser Betrieb von Jan Paepke.[7]

Literatur

  • Stefan Büttner: Rote Plätze. Russische Militärflugplätze Deutschland 1945–1994. Fliegerhorste–Aerodrome–Militärbrachen. AeroLit, Berlin 2007, ISBN 978-3-935525-11-4.
  • Jürgen Zapf: Flugplätze der Luftwaffe 1934–1945 – und was davon übrig blieb. Band 2: Sachsen. VDM, Zweibrücken 2002, ISBN 3-925480-62-5.
  • Jürgen Zapf: Flugplätze der Luftwaffe 1934–1945 – und was davon übrig blieb. Lexikon aller Flugplätze von A–Z. VDM, Zweibrücken 2010, ISBN 978-3-86619-054-2.

Einzelnachweise

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