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Seilbahn Brest

Verkehrssystem in der französischen Stadt Brest From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Seilbahn Brest, französisch Téléphérique de Brest, ist eine Seilbahn in der französischen Stadt Brest. Sie überquert den Fluss Penfeld und verbindet das Stadtviertel Quartier des Capucins mit der Station Jean Moulin in der Innenstadt. Es handelt sich um die erste in den ÖPNV integrierte Luftseilbahn Frankreichs.

Weitere Informationen Fahrt, Hintergrund ...
Seilbahn Brest
Lage:Brest, Bretagne
Gesamtlänge:420 m
Seilbahntyp:Pendelbahn
Fahrt
Dauer:1 Minute 30 Sekunden
Geschwindigkeit:27 km/h
Beförderungsleistung:1220 Personen/h
Hintergrund
Besitzer:Keolis Brest
Eröffnung:2016
Hersteller:Bartholet Ropeways
Technik
Tragseildurchmesser:50 mm
Zugseildurchmesser:25 mm
Antrieb:2 × 293 kW
Quelle: isr.at und remontées-mécaniques.net
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Die Seilbahn ist eine beliebte Touristenattraktion und bietet eine gute Aussicht über die Stadt.

Aus technischer Sicht handelt es sich um ein spezielles Pendelbahnsystem ähnlich einem Funifor mit breiter Seilspur, zwei Zug- und vier Tragseilen, bei dem jedoch die beiden Fahrbahnen der Kabinen nicht seitlich nebeneinander verlaufen, sondern sich auf derselben Trassenlinie befinden und bei dem sich die beiden Gondeln höhenversetzt übereinander kreuzen.

Ein auffälliges Merkmal der Seilbahn ist die einzige, 82 Meter hohe Fachwerkstütze, die dafür sorgt, dass der Fluss darunter von Schiffen befahren werden kann.[1] Besonders ist, dass die Seilspuren sich durch das spezielle Seilbahnsystem auf der Stütze übereinander befinden und nicht wie bei gewöhnlichen Pendelbahnen neben der Stütze verlaufen, sondern durch den Fachwerkmast führen.

Geschichte

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts bestand das Quartier des Capucins aus Werkshallen der französischen Marine. Nachdem diese ab 2004 nicht mehr gebraucht wurden, wurde beschlossen, die Hallen zu erhalten und dort ein neues Stadtviertel mit Raum für Ateliers, Gastronomie und Sport zu schaffen.[2]

Ein Problem war die Anbindung des neu geplanten Viertels an den ÖPNV: Die beiden Haltestellen der Straßenbahn Brest liegen relativ weit entfernt und die Busse der Linien 1 und 41 halten ebenfalls nicht in der Nähe. Daher prüfte die Metropolregion die Möglichkeiten einer Brücke, einer Schwimmbrücke und einer Seilbahn. 2011 fiel die Wahl auf die Seilbahn, weil diese eine schnelle, direkte und komfortable Verbindung zu relativ geringen Kosten bietet und der Betrieb klimaneutral ist.

Im Jahr 2016 wurde die Seilbahn gebaut. Der Bauherr war SemTram, DCSA übernahm die Bauleitung, die Planung wurde von Bouygues durchgeführt. Der Seilbahnhersteller ist Bartholet Ropeways. Insgesamt kostete die Bahn 19,1 Millionen Euro.[3]

Technik

Seilführung

Untere Kabine bei der Durchfahrt durch die Fachwerkstütze (2016)
Einsehbare Seilbahntechnik in der Station Ateliers. Links ist einer der Tragseil-Abspannpoller teilweise sichtbar.

Die Seilbahn Brest ist eine breitspurige Pendelbahn mit zwei Kabinen und abweichender Seilführung in einspuriger Trassierung. Jede Kabine wird insgesamt von zwei Zugseilen gezogen und von zwei Tragseilen getragen. Dieses System wurde mit dem Ziel entwickelt, im Bereich der Stationen Platz dadurch zu sparen, dass nur eine einzige Einfahrbucht von beiden Kabinen genutzt wird und folglich nur zwei anstelle von sonst drei Perrons nötig sind. Dies wird erreicht, indem die Gondeln in der Draufsicht auf derselben Linie verkehren. Dabei hat jede Gondel eine eigene Spurweite der zwei Tragseile und der am Gehänge montierten Laufwerke, eine Gondel breiter, die andere schmäler. Die Tragseile mit der breiteren Spur liegen etwas unterhalb des Niveaus des schmalspurigeren Tragseilpaares, was durch eine unterschiedliche Bauhöhe der Gehängeträger kompensiert wird. In den Stationen liegen alle zwei Tragseilpaare in einer Höhenlage so, dass die Perrons unterschiedslos von beiden Kabinen genutzt werden können. In der nicht ganz auf halbem Weg angeordneten Stütze wird das Tragseilpaar mit der schmäleren Spurweite durch die obere Durchfahrtsöffnung geführt und die breitere Spur durch die untere Durchfahrt. Die obere Gondel mit der schmäleren Spur bewegt sich dadurch auf ihrer stärker ansteigenden Gradiente immer nach der Stationsausfahrt erst innerhalb, im Bereich der Stütze dann oberhalb der Ebene der breiteren Tragseilspur. Die Gondeln kreuzen sich dadurch einige Meter vor der Stütze mit nun soviel Höhenversatz übereinander, dass sie sich ohne Kollision passieren können. Der Stütze kommt dabei die entscheidende Funktion zu, neben der Schaffung der Durchfahrtshöhe über dem Fluss Penfeld auch die Höhenstaffelung für die Begegnung der Gondeln zu schaffen.

Jedes Zugseil bildet eine Schlaufe, sodass es aus je einer Innen- und einer Außenseite besteht. Jedes Seil hat also zwei Abschnitte, beide Seile zusammen haben vier. Eine der beiden Kabinen ist an den beiden Innenseiten befestigt, die andere an den Außenseiten, wofür das Gehänge entsprechend breiter ist.[4]

Durch die beiden voneinander unabhängigen Zugseilschlaufen kann es allerdings auch zu kleinen Unterschieden in der Länge der Seile kommen. Das wird ausgeglichen durch Umlenkscheiben in der Station Jean Moulin, die hydraulisch in Fahrtrichtung oder in die entgegengesetzte Richtung bewegt werden können.

Antrieb und Abspannung

In der Station Ateliers befinden sich die beiden Antriebe für beide Zugseile. Jedes Seil hat dabei seinen eigenen Antrieb, im Normalbetrieb sind diese gekoppelt. Die Seile werden durch die Antriebsscheibe, an der sich auch die Bremsen befinden, in den Spannschacht gelenkt. Dort lenken Umlenkscheiben, die durch 16,6 Tonnen schwere Betongewichte nach unten gezogen werden, die Seile wieder nach oben, wo sie nochmals abgelenkt werden und so wieder auf die Strecke gelangen.

Die Tragseile werden in Jean Moulin abgespannt und sind in Ateliers verankert, dort befinden sich auch die Seilreserven.[3]

Stationen

Jean Moulin

Station Jean Moulin

Die Station Jean Moulin liegt sich in der Innenstadt und ist teilweise auf einer Plattform errichtet, die über das unterhalb gelegene Hafengebiet ragt. Dort befinden sich die Abspanneinrichtungen der vier Tragseile und die Umlenkscheiben der Zugseile, die zum Ausgleich der Längen hydraulisch beweglich sind.

Das Stationsgebäude ist sehr kompakt gehalten und besteht aus zwei überdachten und umbauten Bahnsteigen, wovon einer dem Ein- und einer dem Ausstieg dient. Außerdem gibt es einen Wartebereich und Ticketautomaten.

In der Nähe befinden sich Haltestellen der Buslinie 1 und der Straßenbahnlinie A.[5]

Ateliers

Station Ateliers mit der unteren Kabine

Die Station Ateliers im Ausstellungs- und Freizeitzentrum Ateliers des Capucins[6] ist in das historische Gebäude der ehemaligen Marinehallen eingebaut.

Hier befindet sich – durch Glasscheiben einsehbar – mit den beiden Motoren, den Bremsen, der Abspannung der Zugseile und der Verankerung der Tragseile ein Großteil der Seilbahntechnik. Auch diese Station besteht aus einem Einstiegs- und einem Ausstiegsperron, dorthin gelangen die Passagiere über eine Treppe oder einen Aufzug.[3]

Kabinen

Die beiden Kabinen Lewin (oben) und Charlotte (unten)

Die beiden Kabinen von Gangloff sind Lewin und Charlotte benannt und tragen den Schriftzug ihres Namens auf beiden Stirnseiten. Lewin ist die obere der beiden Kabinen und mit den Innenseiten der Zugseile verbunden, hat also das schmalere Gehänge. Charlotte ist dementsprechend die untere Kabine, hat ein breiteres Gehänge und wird von den Außenseiten der Zugseilschlaufen gezogen.

Die beiden Kabinen selbst sind gleich gebaut: sie haben eine Kapazität von 60 Personen und sind rundherum verglast, außerdem gibt es im Boden und in der Decke der Kabinen ein kleines Fenster. Auf jeder der beiden Seiten haben die Kabinen zwei Türen. An den Stirnseiten gibt es Bänke und in der Mitte Klappbänke, an deren Stelle auch Platz für Rollstuhlfahrer ist.

Die Scheiben der Kabinen werden bei der Überfahrt der Kaserne und privater Gärten undurchsichtig, damit diese nicht eingesehen werden können.[3]

Betrieb

Die Seilbahn fährt alle fünf Minuten, eine Fahrt dauert anderthalb Minuten. Montags ist sie von 11:00 bis 24:00 Uhr in Betrieb, dienstags bis donnerstags von 7:30 bis 24:00 Uhr, freitags und samstags von 7:30 bis 0:30 Uhr und sonntags von 0:00 bis 23:00 Uhr. Für die Fahrt ist ein Bahn- bzw. Busticket oder das gesonderte Seilbahnticket nötig, das für die Hin- und Rückfahrt 2 Euro kostet.[5]

Technische Probleme

Am 10. August 2017 stürzte bei den jährlichen Wartungsarbeiten eine der Kabinen ab und wurde zerstört.[7]

Ende Mai 2020 wurden bei den jährlichen Wartungsarbeiten Probleme an der Stütze, der Antriebssynchronisierung und an der Hydraulik zum Ausgleich der Seillänge sowie unerwartet früher Verschleiß der Schrauben festgestellt. Zur Reparatur musste der Betrieb eingestellt werden. Die Wiederinbetriebnahme war für Anfang Dezember 2020 geplant, fand allerdings verspätet erst Anfang Februar 2021 statt. Während der Reparatur pendelte zwischen den Stationen ein Elektrobus.[8] Die Kosten für die Reparatur übernimmt der Hersteller.[9][10]

Einzelnachweise

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