Selbach (Adelsgeschlecht)
Adelsgeschlecht
From Wikipedia, the free encyclopedia
Selbach (auch Seelbach) ist der Name eines erloschenen rheinländisches Uradelsgeschlechts.


Die Familie ist zu unterscheiden von den gleichnamigen, aber wappenverschiedenen württembergischen Herren von Selbach, Dienstmannen der Grafen von Eberstein.[1]
Geschichte
Das Geschlecht, das sich nach seinem namensgebenden Stammsitz in Selbach (Sieg) im heutigen Landkreis Altenkirchen nannte und zu den ausgebreitesten Familien der Region gehörte,[2] saß vorzugsweise im Siegenschen, Nassauischen und Saynschen zu Burbach, Schloss Crottorf, Gilsbach, Koverstein (1420), Langenau, Lohe, Neuenkirchen und Zeppenfeld. Nach ihren jeweiligen Sitzen nannten sich die Familien mit entsprechenden Beinamen: Taub(e) (lat. surdus) (kamen im 14. Jahrhundert vor), Hohenselbach (kamen im 14. Jahrhundert vor), genannt Dernbach (saßen 1484 zu Salzburg), genannt Lange, genannt Lohe (kamen im 15.–17. Jahrhundert vor; starben 1660 aus), genannt Quadfasel (kamen im 16. Jahrhundert vor), Wolf von Selbach (werden im 14. Jahrhundert erwähnt), genannt Riess oder Selbach-Zeppenfeld (kamen ab 1360 vor und starben 1728 aus).[3][4][5]
1326 war Schloss Crottorf ein Lehen der Grafen von Sayn und im Besitz der Brüder Johann und Arnold von Selbach, Söhnen des 1288 urkundlich genannten Ritters Eberhard von Selbach.[6][7] Den von Selbach gelang es, ihren Wohnsitz dadurch aus der Lehnsabhängigkeit zu lösen und zu ihrem Allod zu machen, dass Johann und Ludwig von Hatzfeld 1424 ihre Schwester Katharina mit Christian von Selbach zu Crottorf vermählten und der Braut den Hof Crottorf mit den dazugehörigen Ländereien als Mitgift gaben. Christians Enkel, Johan von Selbach, Marschall des Herzogtums Berg,[6] ließ den Hof um 1550 zu einer ansehnlichen Wasserburg umbauen. Er verheiratete seine jüngste Tochter Katharina, die spätere Erbin Crottorfs, 1559 mit Wilhelm von Hatzfeld zu Wildenburg. Das Paar begründete die Linie Hatzfeld-Wildenburg-Crottorf.
Auch im Baltikum finden sich Mitglieder der Familie. Johann von Selbach war 1477 Deutschorden-Vogt zu Jerwen. Friedrich von Selbach urkundete dort 1485.[8]
Das Geschlecht erlosch im Jahr 1739 mit den letzten Familienangehörigen der Linie Selbach zu Selbach.[5]
Persönlichkeiten
- Heinrich Taube von Selbach († 1364; auch Henricus Surdus de Selbach, Heinrich Taub, Heinrich der Taube), Kleriker, Jurist und Chronist
- Johan von Selbach († 1563), Kastellan zu Coevorden, Drost von Drenthe, Amtmann zu Windeck und Marschalck im Herzogtum Berg
Wappen
- Blasonierung des Stammwappens
- In Gold drei rechtschräge schwarze Wecken. Auf dem Helm mit schwarz-goldenen Helmdecken ein geschlossener schwarzer Flug, der hintere Flügel schwarz, der vordere golden und mit drei schwarzen Wecken belegt.[9]
- Blasonierung des vermehrten Wappens derer von Selbach zu Crottorf
- Geviert. Felder 1 und 4 das Selbachsche Stammwappen, Felder 2 und 3 in Silber eine rote Rose als Referenz auf das Stammwappen der Edelherren von Wildenburg, ehemalige Besitzer der Burg Crottorf.
- Weitere Wappenvarianten im Wappenbuch des Westfälischen Adels
- Wappen derer von Selbach zu Crottorf.
- Wappen derer von Selbach II.
- Wappen derer von Selbach III.
- Wappen derer von Selbach IV.
- Wappen derer von Selbach V.
- Wappen derer von Selbach zu Crottorf VII.
- Wappen derer von Selbach genannt Daube IX. (Variante)
- Wappen derer von Selbach zu Gilzbach X.
- Wappen derer von Selbach zu Hohenselbach XI.
- Wappen derer von Selbach genannt Loh/Loe XII., erloschen um 1630
- Wappen derer von Selbach genannt Loh/Loe XIII. (Variante)
- Wappen derer von Selbach genannt Quadfasel XIV.
- Wappen derer von Selbach genannt Wolf XV.
- Wappen derer von Selbach zu Zeppenfeld XVI.
Die Gemeinde Neunkirchen (Siegerland) nahm das Selbachsche Wappen als Gemeindewappen an. Außerdem findet sich das Selbachsche Wappen im Gemeindewappen von Burbach (Siegerland) sowie in den Wappen des Amts Burbach und der Gemeinde Kredenbach (Kreuztal).
- Wappen der Gemeinde Neunkirchen (Siegerland)
- Wappen der Gemeinde Burbach (Siegerland)
- Wappen des Amts Burbach
- Wappen der Gemeinde Kredenbach (Kreuztal)
Literatur
- Anton Fahne: Geschichte der kölnischen, jülichschen und bergischen Geschlechter in Stammtafeln, Wappen, Siegeln und Urkunden. Band I. Heberle, Köln 1848, S. 398 f. (hhu.de).
- Hermann von Goeckingk: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 6 (Abgestorbene, erloschene Geschlechter), 7. Abt.: Der abgestorbene Nassauische Adel, Nürnberg 1882, S. 38 (uni-goettingen.de) und Tfln. 62 (uni-goettingen.de) und 63 (uni-goettingen.de).
- Maximilian Gritzner: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3 (Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft), 11. Abt., T. 2: Der Adel der russischen Ostseeprovinzen, Teil 2: Der Nichtimmatrikulierte Adel, Nürnberg 1901, S. 199 (uni-goettingen.de) und Tfl. 138 (uni-goettingen.de).
- Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Band 8: Saackhen, Wailckhl v. Saackhen – Steinhauer zu Bulgarn. Leipzig 1868, S. 457 (Google Bücher).
- Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie. Band 2: L–S, Berlin 1856, S. 439 (digitale-sammlungen.de); Band 3: T–Z, Berlin 1858, S. 344 (digitale-sammlungen.de).
- Johann Siebmacher: Johann Siebmachers allgemeines großes und vollständiges Wappenbuch:
- 4tes Supplement, Nürnberg 1767, Tfl. 25 (digitale-sammlungen.de).
- 2. Teil, 12. Ausgabe, Nürnberg 1772, Tfl. 111 (uni-goettingen.de).
- 3. Teil, 9. Ausgabe, Nürnberg 1772, Tfl. 131 (uni-goettingen.de).
- Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 117 f. (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfl. 293 (hhu.de), 295 (hhu.de) und 297 (hhu.de).