Seoul-Virus

RNA-Virus aus der Familie Hantaviridae From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Seoul-Virus (englisch Seoul virus, SEOV oder SOUV; Spezies Orthohantavirus seoulense, früher Seoul orthohantavirus, Seoul hantavirus) ist ein RNA-Virus aus der Familie Hantaviridae, Unterfamilie Mammantavirinae. Das Erregerreservoir ist die Wanderratte.[3] Der Nachweis von Hantaviren-Infektionen ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz meldepflichtig bzw. anzeigepflichtig (siehe im Einzelnen unter Hantaviren).

Schnelle Fakten Systematik, Taxonomische Merkmale ...
Seoul-Virus
Systematik
Klassifikation: Viren
Realm: Riboviria[1][2]
Reich: Orthornavirae[2]
Phylum: Negarnaviricota
Subphylum: Polyploviricotina
Klasse: Bunyaviricetes
Ordnung: Bunyavirales
Familie: Hantaviridae
Unterfamilie: Mammantavirinae
Gattung: Orthohantavirus
Art: Orthohantavirus seoulense
Unterart: Seoul virus
Taxonomische Merkmale
Genom: (−)ssRNA segmentiert, zirkulär
Baltimore: Gruppe 5
Hülle: vorhanden
Wissenschaftlicher Name
Seoul virus
Kurzbezeichnung
SEOV, SOUV
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Ein großer Teil der Hantavirus-Infektionen verläuft beim Menschen vermutlich asymptomatisch oder mit unspezifischen Symptomen. Hantaviren können aber auch schwere Krankheitsbilder hervorrufen. Asiatische und europäische Hantavirus-Stämme sind Auslöser des Hämorrhagischen Fiebers mit renalem Syndrom (HFRS).[3][4]

Die Spezies Seoul orthohantavirus mit dem Seoul-Virus ist zu unterscheiden von der Bakteriophagen-Gattung Seoulvirus (dsDNA-Viren der Klasse Caudoviricetes vom Morphotyp Myoviren) mit der Spezies Seoulvirus SPN3US (Referenzstamm Salmonella-Phage SPN3US).

Genom

SEOV ist wie alle anderen Hantaviren ein einzelsträngiges RNA-Virus negativer Polarität. Sein Genom hat drei verschiedene Segmente: S (klein, englisch small), M (mittel, en. medium) und L (groß, en. large).[5][6]

Aufbau

Das Virus ist pleomorph (d. h., es hat verschiedene Formen); oft ist jedoch eine kugelförmige Gestalt zu beobachten, wobei seine beiden Oberflächenglykoproteine in Reihen angeordnet sind. Innerhalb dieser Kugel befinden sich die drei zirkulären RNA-Segmente kreisförmig angeordnet. Die RNA ist mit dem N-Protein (Nukleokapsid-Protein) des Virus beschichtet und an das sog. L-Protein gebunden.

Die 5'- und 3'-Enden der Genomsegmente stimmen überein, wodurch eine Pfannenstielstruktur entsteht. Diese Basenpaarung kommt bei allen Hantavirus-Spezies vor, wobei die genaue Pfannenstielstruktur und -sequenz für jede einzelne Spezies charakteristisch ist. Dabei gibt es allerdings Ähnlichkeiten und Überlappungen zwischen verschiedenen Spezies, einschließlich einer Konsensussequenz mit acht Nukleotiden.[7][5][6]

Verbreitung

International

Das Seoul-Virus ist hauptsächlich in Asien verbreitet, wo es auch seinen Ursprung hat.

Europa

Das Virus soll über infizierte Wildratten auf Schiffen nach Europa gelangt sein.[8]

Deutschland

Der erste Nachweis einer Übertragung auf einen Menschen in Deutschland – von einer sogenannten Farbratte – wurde im Oktober 2019 bei einer 19-jährigen Frau aus Nordhorn dokumentiert und im Dezember 2020 in der Fachzeitschrift Emerging Infectious Diseases publiziert.[9] Die Erkrankte musste wegen hohen Fiebers und Hepatitis sowie mit Symptomen eines akuten Nierenversagens mehrere Tage intensivmedizinisch und insgesamt fast zwei Wochen lang im Krankenhaus versorgt werden.

Ausführlich dokumentiert wurde im März 2024 eine Übertragung in Ostdeutschland. Eine bis dahin gesunde 44-jährige Frau suchte die Nephrologische Klinik der Universität Leipzig auf, wegen eines drohenden Nierenversagens nach mehrtägigen Symptomen wie Fieber, Durchfall, Fatigue und Hypotonie. Sie musste vorübergehend dialysiert werden, erholte sich aber schließlich vollständig. Laboruntersuchungen erbrachten Hinweise auf Hantaviren und zuletzt auf eine Infektion mit dem Seoul-Virus, die höchstwahrscheinlich beim Besuch in einer privaten Zucht für Heimtierratten („Farbratten“), einige Wochen vor Beginn ihrer Symptome, erfolgt war. Ergänzende Laboruntersuchungen ergaben, dass bei den vier von der Patientin dort erworbenen Ratten sowie bei ihrem Ehemann und ihrer Tochter keine Hantavius-Infektionen nachweisbar waren, wohl aber bei mehreren Ratten im Besitz der privaten Züchter. Auch die Züchterin, ihr Ehemann und deren Tochter wurden positiv auf Hantaviren getestet, konnten sich aber an keine Symptome erinnern, die auf eine überstandene Hantavirus-Infektion hinweisen könnten.[10] Die Viren wurden den Nachverfolgungen zufolge wahrscheinlich durch Aerosole während eines Besuchs in der Zuchtanlage übertragen, gefolgt von einer fünfwöchigen Inkubationszeit bis zum Auftreten der Krankheitssymptome.

Siehe auch

Literatur

  • Jan Clement, James W. LeDuc, Graham Lloyd, Jean-Marc Reynes, Lorraine McElhinney, Marc Van Ranst, Ho-Wang Lee: Wild Rats, Laboratory Rats, Pet Rats: Global Seoul Hantavirus Disease Revisited. In: Viruses. Band 11, Nr. 7, 2019, S. 652 (Volltext).

Einzelnachweise

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