Sericho (Meteorit)

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Schnelle Fakten Allgemeines, Lokalität ...
Sericho
Scheibe des Sericho-Meteoriten, ausgestellt am Campus des Chiba Institute of Technology in Tokio
Allgemeines
Offizieller Name
nach MBD
Sericho
Synonym Habaswein
Authentizität sicher
Lokalität
Land Kenia
Ort Sericho
Streufeld 45 Kilometer
Fall und Bergung
beobachtet nein
Datum (Fund) 2016
Beschreibung
Typ Stein-Eisen-Meteorit
Klasse Pallasit
Gruppe MGP
Masse (total) 2,8 t
Referenzen
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Sericho ist ein Stein-Eisen-Meteorit der Klasse der Pallasite, der im Osten Kenias gefunden wurde. Der Meteorit wurde 2016 in der Nähe der Ortschaft Sericho (Isiolo County) als solcher erkannt und 2017 offiziell als Meteorit bestätigt.[1] Aufgrund der im Anschliff dekorativ wirkendenden, ungewöhnlich großen und zahlreich vorhandenen Olivinkristalle und einer guten Verfügbarkeit gilt Sericho als einer der populärsten Meteoriten für Sammler.[2]

Entdeckung

Im Jahr 2016 stießen zwei Brüder, die auf der Suche nach entlaufenen Kamelen waren, auf massive und ungewöhnliche Steine. Da es in dieser Gegend keine anderen Felsen gibt, vermuteten sie einen extraterrestrischen Ursprung und verbrachten anschließend mehrere Wochen damit, die Steine mit Motorhebern einzusammeln und nach Habaswein zu transportieren.[1]

In der Folge wurden Proben des Materials an Meteoritenhändler und Forscher weitergegeben. 2017 gelangte ein etwa 100 kg schweres Stück in die Hände eines Sammlers, was zur genaueren Untersuchung und internationaler Bekanntheit führte. In weiterer Folge wurden insgesamt etwa 2,8 Tonnen Sericho-Material gesammelt. Die dokumentierten Funde stammen aus einem Streufeld, das sich einige Kilometer westlich von Habaswein und südlich von Sericho über eine Länge von ca. 45 Kilometer durch die Halbwüste erstreckt. Die Massen der geborgenen Stücke liegen bei bis zu 500 kg. Die kleineren Stücke wurden näher an Habaswein gefunden.[1]

Sericho ist kein beobachteter Fall. Der Zeitpunkt des Niedergangs des Meteoriten ist nicht bekannt. Es wird aber angenommen, dass der Fall bereits Jahrzehnten oder Jahrhunderten vor der Entdeckung der Steine stattfand. Obwohl sie erst 2016 als Meteoriten identifiziert wurden, waren die Steinmassen in der Halbwüste den Kamelhirten der Region seit Jahrzehnten bekannt, weil sie sich als große, dunkel gefärbte Blöcke deutlich von der ansonsten steinarmen Umgebung abhoben. Ein Dorfältester erzählte, dass er als Kind mit seinen Brüdern auf den Steinen gespielt hatte.[1] Der Meteorit erhielt seinen Namen nach der nächstgelegenen Ortschaft Sericho. Anfänglich kursierten auch Bezeichnungen wie „Habaswein Meteorite“.

Klassifikation

Sericho ist ein Stein-Eisen-Meteorit und gehört zur Gruppe der Pallasite. Pallasite bestehen typischerweise aus einer Metallmatrix (Eisen-Nickel-Legierung), in die Silikatminerale – meist Olivin – eingebettet sind. Meteoriten dieser Art stammen aus dem Übergangsbereich zwischen Kern und Mantel eines differenzierter Asteroiden, der vor Milliarden von Jahren auseinandergebrochen ist.[3] Die Außenseiten vieler großer Massen zeigen eine dunkle Schmelzkruste, teils mit charakteristischen Schmelzspuren. Sericho zeigt die für Pallasite typische Struktur aus transparenten bis durchscheinenden Olivinkristallen in einer Metallmatrix aus Eisen und Nickel.

  • Die Olivinkörner sind überwiegend rundlich bis ovoid und weisen eine Größe von etwa 0,5–1 cm auf.
  • Die Farbe variiert von gelb-grün über braun bis orange; teilweise ist Edelsteinqualität (Peridot) vorhanden.
  • Der Volumen- bzw. Flächenanteil der Olivinkristalle in dünnen Scheiben liegt bei vielen Proben um 70 % und darüber, was Sericho besonders „kristallreich“ erscheinen lässt.
  • In der Metallmatrix lassen sich bei geätzten Schnittflächen oft Widmanstätten-Strukturen erkennen, wie sie für langsam abkühlende Eisen-Nickel-Legierungen typisch sind.
Commons: Sericho – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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