Servair
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Servair ist ein französisches Catering-Unternehmen für Fluggesellschaften. Es ist eine mehrheitliche Tochtergesellschaft des Schweizer Catering-Unternehmens Gategroup (70 %), wobei Air France ein Referenzaktionär ist.[2][3][4] Servair hat seinen Hauptsitz am Flughafen Paris-Charles-de-Gaulle. 2023 erzielte Servair einen Umsatz von 276 Millionen Euro.[1]
| Servair | |
|---|---|
| Rechtsform | S.A. |
| Gründung | 1971 |
| Sitz | Flughafen Paris-Charles de Gaulle (Roissy, Frankreich) |
| Leitung | Sébastien Burnier Guy Zacklad |
| Mitarbeiterzahl | >10,000 |
| Umsatz | 276 Mio. Euro (2023)[1] |
| Branche | Airline-Catering |
| Website | www.servair.fr/ |
| Stand: 9. Juli 2025 | |
Geschichte
Gründung und Anfangsjahre
Das Unternehmen wurde 1971 als Tochtergesellschaft von Air France gegründet[5] und eröffnete 1974 seine erste Catering-Produktionsstätte anlässlich der Inbetriebnahme des Flughafens Pairs-Charles-de-Gaulle. Am 13. März 1974 lieferte Servair erstmals Bordverpflegung und versorgte eine Boeing 747 der Fluggesellschaft TWA mit Mahlzeiten.[5]
1987 wurde Servair von der französischen Staatsbahn SNCF mit der Bordverpflegung für den Hochgeschwindigkeitszug TGV-Atlantique beauftragt.[6] Nach elf Jahren verkaufte Servair diesen Geschäftsbereich an Wagons-Lits, eine Tochtergesellschaft von Accor.[7]
1989 begann Servair mit der Expansion nach Afrika, zunächst in Libreville, Gabun.[8]
Ab 1992 erweiterte Servair seine Dienstleistungen um die Reinigung und Ausstattung der Kabinen. Im Jahr 1993 führte das Unternehmen auch spezielle Flugdienste ein, die personalisierte Dienstleistungen für Concorde-Flüge und Präsidentenflüge umfassten.[5]
In den folgenden Jahren baute Servair seine Dienstleistungen weiter aus. 2003 wurde Aeroform gegründet, die später in Servair Fomration umbenannt wurde. Sie bietet Schulungen für Servair-Mitarbeitende in den Bereichen Flugzeugabfertigung und bodenseitige Dienstleistungen an.[9] 2009 erweiterte Servair sein gastronomisches Angebot durch die Gründung des Servair Culinary Studio, das seit 2024 unter der Leitung von Michel Roth steht.[10] Im Jahr 2012 führte das Unternehmen Dienstleistungen für das Management von Flughafen-Lounges ein. 2015 eröffnete zudem das erste von Servair betriebene Burger-King-Restaurant.[11]
2010 unterzeichnete Servair einen siebenjährigen Vertrag als Einkaufsberater für die Bordverpflegung der ehemaligen italienischen Fluggesellschaft Alitalia.[12]
Übernahme durch Gategroup
Anfang 2016 kündigte Air France seine Absicht an, die Mehrheitsbeteiligung an Servair zu veräußern.[13] Im Januar 2017 übernahm Gategroup 50 % minus eine Aktie von Servair, basierend auf einer Unternehmensbewertung von 237,5 Millionen Euro.[14][3] Dadurch wurde Gategroup zum Marktführer im Bereich lebensmittelbezogener Dienstleistungen für die Reisebranche[15][16] und steigerte seinen Umsatz von 3 Milliarden auf rund 4,4 Milliarden Schweizer Franken.[17][2] Im Jahr 2019 erwarb die Gruppe zusätzliche Anteile und erhöhte ihre Beteiligung an Servair auf 50 % plus eine Aktie. Nach weiteren Anpassungen der Put-Optionsstruktur stieg der Anteil am 31. Mai 2021 auf 65 %. Im Jahr 2024 führten eine neue Vereinbarung und überarbeitete Optionsbedingungen zum Erwerb weiterer 5 %, sodass sich der Anteil der Gruppe zum 31. Dezember 2024 auf insgesamt 70 % belief.[4]
2018 eröffnete Servair eine neue Produktionsstätte am Flughafen Kotoka International in Ghana.[18]
Als Reaktion auf den Rückgang im Bereich der Bordverpflegung während der COVID-19-Pandemie diversifizierte Servair seine Aktivitäten und belieferte afrikanische Streitkräfte mit Verpflegungseinheiten.[19]
Verpflegung für die ISS-Raumfahrtmission
Im Jahr 2021 wurde Servair von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) beauftragt, Gourmet-Mahlzeiten für Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) während der Alpha-Mission zu entwickeln. Das Projekt erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Astronauten Thomas Pesquet und dem Technischen Zentrum für die Konservierung von Agrarprodukten (CTCPA). Die Mahlzeiten mussten bestimmte Kriterien erfüllen, darunter eine Haltbarkeit von zwei Jahren bei Raumtemperatur, ein geringer Natriumgehalt und die Abwesenheit von Alkohol.[20][21][22]
Ausbau der Nachhaltigkeit und des kulinarischen Angebots
Ende 2022 begann Servair mit dem Ausbau des kulinarischen Angebots, insbesondere im Bereich Nachhaltigkeit. Auslöser war unter anderem eine Verpflichtung zur Nachhaltigkeit der Fluggesellschaft Air France, für die Servair die Catering-Dienstleistungen übernimmt. 2022 verpflichtete sich Air France nämlich, auf allen ab Paris startenden Flügen ausschließlich Fleisch, Milchprodukte und Eier aus Frankreich sowie Fisch aus lokalen Fischereien anzubieten. Zudem wurde angestrebt, bis Anfang 2023 90 % der Einwegkunststoffe abzuschaffen.[23]
Im Jahr 2024 ging Servair eine Partnerschaft mit la marque du consommateur (der Verbrauchermarke) ein, um verbrauchergesteuerte Produkte in das Angebot aufzunehmen. Die Zusammenarbeit begann mit H-Milch und soll auf weitere Produkte ausgeweitet werden.[24]
Seit dem 1. Februar 2024 bietet Air France ihren Business-Class-Kunden auf Kurzstreckenflügen eine Verpflegung an, die in Zusammenarbeit mit dem Servair-Chefkoch François Adamski – Gewinner des Bocuse d’Or und Träger des Titels Meilleur Ouvrier de France – entwickelt wurde.[25]
Unternehmensstruktur
Servair ist eine Tochtergesellschaft der Gategroup (70 %)[4] mit mehreren eigenen Niederlassungen und Produktionsstätten in Frankreich. Servair verfügt über 30 Gastronomiebetriebe in 19 Ländern und unterhält ein Labor für Qualität und Lebensmittelsicherheit.[5] Das Unternehmen wird von Sébastien Burnier, dem Leiter der Region Südeuropa und Afrika, und Guy Zackland, dem Generaldirektor, geleitet.[26] Der Umsatz belief sich im Jahr 2023 auf 276 Millionen Euro.[1]
Dienstleistungen
Die Haupteinnahmequellen des Unternehmens sind Flughafen- und Verpflegungsdienste, die in industriellem und institutionellem Maßstab betrieben werden.[5]
Die Verpflegungsdienstleistungen an Bord umfassen die Planung der Mahlzeiten, die Zubereitung der Speisen, die Anordnung der Speisen auf den Tabletts und ihre Lieferung an das Flugzeug. Servair bietet über 5.000 verschiedene Rezepte und über 1.000 Menüs an und produziert täglich über 120.000 Mahlzeiten.[5] Servair betreibt außerdem mehrere Flughafen-Lounges, Geschäfte, Bars und Restaurants[27][28] sowie Reinigungsdienste.[29]
Auszeichnungen (Auswahl)
- 2023 und 2024: World Airlines Award, verliehen von Skytrax für die erste Klasse von Air France.[30][31]
- 2024 und 2025: Auszeichnung als Airline Caterer of the Year Africa, verliehen von Pax.[32][33]
- 2025: Auszeichnung Top Chef Eurocham Bénin, verliehen von Eurocham Bénin in Partnerschaft mit der französischen Botschaft.[34]
