Seskarö
Ort und gleichnamige Insel in Schweden
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Seskarö (finnisch: Seittenkaari) ist eine zu Schweden gehörende Insel im Bottnischen Meerbusen im Archipel Haparanda.[1] Die Insel gehört zur Gemeinde Haparanda und ist seit 1978 über eine Straßenbrücke an das Festland angeschlossen. Auf der Insel leben 386 Menschen (31. Dezember 2023[2]), außerdem gibt es viele Ferienhäuser.




Geographie
Die Insel liegt rund neun Kilometer südlich des Festlandes und hat eine Fläche von knapp 20 Quadratkilometern. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwa sieben Kilometer, in Ost-West-Richtung sind es circa sechs Kilometer. Die Nordküste ist durch drei große Buchten gegliedert, während die anderen Inselseiten relativ gerade verlaufen. Die Insel ist zu vier Fünfteln mit borealem Nadelwald bestanden, das Klima ist kaltgemäßigt mit einer spürbaren Temperaturpufferung durch das umgebende Meerwasser. Die höchste Erhebung ist der Ormberget (finnisch: Käärmavaara, deutsch: Schlangenberg) mit 30 Metern über Meer knapp einen Kilometer südwestlich des Hauptortes.
Geschichte
Auf der Halbinsel Tervaluoto befindet sich ein älteres Steinlabyrinth, möglicherweise aus dem Mittelalter, und auf der östlich davon vorgelagerten kleinen Insel Granvik befindet sich ein Labyrinth aus jüngerer Zeit.
Am 25. Mai 1917 brach der sogenannte Seskarö-Aufstand aus. Er war eines der Ereignisse, die zusammenfassend als „Schwedische Hunger- und Militärrevolution“ bezeichnet werden. Damals lebten rund 2.900 Menschen auf der Insel, zusätzlich noch etwa 600 Saisonarbeiter des Sägewerkes. Im Frühjahr kam eine Wagenladung Kartoffeln, genug für 3–5 Kilogramm pro Person. Der Großteil war allerdings verdorben. Als weitere 2.000 Kilogramm Rüben eintrafen, die ebenfalls zu zwei Drittel verrottet waren, trafen sich am Freitagabend, dem 25. Mai, viele Menschen im Volkshaus, um über die Hungerlage zu sprechen. Die Sägewerkarbeiter behaupteten, dass zwei Bäcker noch erhebliche Brotvorräte aus der Zeit vor der Rationierung besaßen und einen Teil dieser Vorräte auf dem Schwarzmarkt in Haparanda verkauften. Nach dem Treffen gingen etwa hundert Teilnehmer zu Oskar Janssons Bäckerei und plünderten diese. Nachdem 16 Personen zwei Tage später verhaftet werden sollten, weil sie verraten wurden, eskalierte die Situation. Mehrere Hundert Menschen verhinderten den Abtransport der Gefangenen durch die Polizei[3], woraufhin am 30. Mai Truppen des Västernorrland-Regimentes einrückten und am Folgetag der Eisbrecher Simson der Grängesberg-Kompanie mit zwei Kompanien Infanterie, einer Maschinengewehrkompanie und einigen Sanitätern eintraf. Insgesamt waren 475 Soldaten im Einsatz und etwa hundert Schüsse fielen. Einige Soldaten wurden überwältigt und ihrer Waffen beraubt. Ein größeres Feuergefecht konnte jedoch verhindert werden. Die juristischen Nachwirkungen der Schlacht führten dazu, dass acht Zivilisten wegen Aufruhrs zu Gefängnisstrafen zwischen drei und fünf Monaten verurteilt wurden. Soldaten und Offiziere wurden vor ein Kriegsgericht gestellt, es kam jedoch zu keinen Verurteilungen.[4] Vier der Plünderer wurden am 22. Dezember 1917 zu einer Geldstrafe von jeweils 15 Kronen an den Staat verurteilt. Zum 50. Jahrestag dieses Ereignisses wurde ein Gedenkstein (65° 44′ 17,9″ N, 23° 44′ 20,8″ O) mit der Inschrift errichtet: „Brottet var hunger. Hungerkravallerna på Seskarö 1917. Arbetarna reste stenen 1967.“ (deutsch: Das Verbrechen war der Hunger. Die Hungerunruhen auf Seskarö 1917. Die Arbeiter errichteten den Stein 1967.)
Die Kirche von Seskarö wurde 1929 geweiht. Zwischen 1923 und 1976 war Seskarö ein Kirchenbezirk innerhalb der Pfarrei Nedertorneå (später Nedertorneå-Haparanda).[5]
Infrastruktur
Zum Ort gehören eine Schule, ein Sportgelände, das Restaurant Wärdshus und ein Campingplatz im Südosten am Tromsöviken (nur im Sommer geöffnet). Es gibt einen ICA nära-Nahversorgungsmarkt, der auch Poststelle und Apotheke ist. Das Sägewerk, das als Arbeitgeber wichtig ist, war seit ca. 2012 geschlossen, wurde jedoch im Herbst 2020 wieder in Betrieb genommen.[6] Im Südteil der Insel gibt es einen Windpark mit fünf Anlagen.
Die Verkehrsanbindung erfolgt von Norden über den bei Västra Nikkala von der Europastraße 4 abzweigenden Länsväg 725, der über mehrere der Küste vorgelagerte kleine Inseln, die über Steindämme miteinander verbunden sind, und die 492 Meter lange Seskaröbron auf die Insel führt.
Es gibt mehrere öffentliche Badeplätze an der Ostsee sowie einen am etwa 7 Hektar großen Binnensee Matinjärvi am südwestlichen Ortsrand. Für Freizeitboote gibt es eine Marina am Båthamnsvägen in Fridhem mit 58 Liegeplätzen, für den Schiffsverkehr steht ein Anleger am Ostufer der Halbinsel Leppiniemi zur Verfügung.
Weblinks
- Website der Seskarö Hembygdsförening (schwedisch)