Severus von Ravenna

Bischof von Ravenna From Wikipedia, the free encyclopedia

Severus (* in Ravenna; † 1. Februar 344 oder 1. Februar 345 oder 1. Februar 346 ebenda) war von ca. 342 bis ca. 344/346 Bischof von Ravenna. Er ist der erste Bischof von Ravenna, dessen Existenz historisch gesichert ist.

Severus von Ravenna, Mosaik in Sant’Apollinare in Classe in Ravenna, 6. Jahrhundert

Leben

Nach der Legende sollte zu Pfingsten 342 in Ravenna ein neuer Bischof gewählt werden. Als der eigentlich unbeteiligte Wollweber Severus zur Wahl kam, flog eine Taube herein, kreiste über ihm und setzte sich drei Mal auf seine Schulter. Dies sah die Gemeinde als göttliches Zeichen an und wählte ihn zum Bischof.[1]

Als historisch gesichert gilt lediglich seine Teilnahme am Konzil von Serdica (342/343).

Beerdigt wurde Severus 344 in Classe, dem Hafen von Ravenna. Zu seinen Ehren wurde dort im 6. Jahrhundert die Kirche San Severo errichtet. Seine Gebeine sollen von einem fränkischen Kleriker namens Felix gestohlen und nach Pavia gebracht. Von diesem erhielt sie Erzbischof Otgar von Mainz und brachte sie 836 zunächst nach Mainz in die Albanskirche und schließlich nach Erfurt.

Gedenktag des heiligen Severus ist der 1. Februar, sein Todestag.[2] Er ist Schutzpatron der Weber und Spinner, Polizisten, Tuch-, Strumpf-, Handschuh- und Hutmacher.

Ikonographie

In der unteren Zone der Apsis der Kirche Sant’Apollinare in Classe in Ravenna befindet sich ein Mosaik aus dem 6. Jahrhundert, das den Bischof Severus in bischöflicher Tracht und die Bischöfe Ursus, Ecclesius und Ursicinus zeigt.[3]

Mosaik in der südlichen Apsis der Euphrasius-Basilika in Parenzo

Auch im Mosaik der südlichen Apsis der Euphrasius-Basilika in Parenzo aus dem 6. Jahrhundert ist er als Bischof dargestellt, erhalten ist nur noch der Oberkörper und die Namensbeischrift.[4]

Seit dem 14. Jahrhundert wird Severus oft mit der Taube oder einem Walkerbaum dargestellt.[5]

Severisarkophag in Erfurt

Severisarkophag in Erfurt
Wandgemälde mit der Darstellung der Bischofswahl des Severus in der Kirche St. Severus in Boppard

Der steinerne Sarkophag des Heiligen Severus mit seiner Frau (Vincentia und seiner Tochter Innocentia) befindet sich in der Severikirche in Erfurt. Dort waren seine Gebeine vermutlich zunächst im Westteil eines Vorgängerbaues der Kirche beigesetzt und verehrt worden. Mit dem Neubau der Kirche wurde auch eine Neugestaltung des Grabmals notwendig, das weiterhin an zentraler Stelle, vermutlich nahe dem Westchor aufgestellt war. Bei dem Brand 1472 wurde der Westchor stark zerstört, anschließend hat man das Grabmal zerlegt und die Seitenplatten anderweitig aufgestellt. Die originale Deckplatte wurde nach 1472 als Aufsatz für den Severusaltar im südlichen Querhausarm verwendet. Erst 1948 wurden die Teile wieder zusammengefügt und an dieser Stelle aufgestellt, 1982 kam ein Abguss der Deckplatte hinzu.

Der Sarkophag zählt zu den künstlerisch bedeutendsten Ausstattungsstücken der Severikirche. Die vier Reliefplatten der Umfassungswände entstanden zwischen etwa 1360 und 1370. Eine Quelle aus dem Jahr 1363 nennt einen neuen Altar zu Ehren Johannes des Täufers, Severus’, Hieronymus’ und der Heiligen Drei Könige. Auf den nahezu vollplastischen Hochreliefs werden Szenen aus dem Leben und Wirken des Heiligen Severus und die Anbetung der Heiligen Drei Könige nach einem Vorbild in der Nürnberger Lorenzkirche von 1360 dargestellt. Es wurde auch vermutet, dass die einzelnen Teile erst einige Zeit nach ihrer Entstehung zu einer Tumba vereinigt worden sind und zuvor einzeln oder in anderem Zusammenhang, vielleicht als Teile eines Lettners mit Ambo, im Kirchenraum standen.

Kirchen

In Deutschland sind dem Hl. Severus mehrere Kirchen geweiht:

In Italien sind dem Heiligen folgende Kirchen geweiht:

  • Cotignola (Ravenna), San Severo in Serraglio
  • Ponte Nuovo (Ravenna), San Severo
  • Ravenna-Classe, San Severo (ausgegraben), darauf geht das Kloster San Severo (um 1455 aufgehoben) zurück
  • Savio (Ravenna), San Severo Vescovo

Quellen zum heiligen Severus

Literatur

zur Severikirche in Erfurt und zum Severisarkophag
  • Otto Buchner: Der Severi-Sarkophag zu Erfurt und sein Künstler. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt. Band 24, Erfurt 1903, S. 137–157.
  • Otto Buchner: Der Severi-Sarkophag zu Erfurt und sein Künstler samt Übersetzung der Vita und Translatio Sancti Severi des Priesters Liutolf. Erfurt 1903.
  • Die Stadt Erfurt, Dom. Severikirche. Peterskloster. Zitadelle. Bearbeitet von Karl Becker, Margarethe Brückner, Ernst Haetge, Lisa Schürenberg und Alfred Overmann. Burg 1929.
  • Edgar Lehmann: Dom und Severikirche zu Erfurt. Leipzig 1988.
  • Ernst Schubert, Edgar Lehmann: Dom und Severikirche Erfurt. Stuttgart 1988.
  • Michael Stuhr: Severisarkophag. In: Die Parler und der Schöne Stil. Köln 1978, Band 2, S. 564.
  • Helga Wäß: Form und Wahrnehmung mitteldeutscher Gedächtnisskulptur im 14. Jahrhundert. Band 2: Katalog ausgewählter Objekte vom Hohen Mittelalter bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts. Tenea, Bristol/Berlin 2006, ISBN 3-86504-159-0, S. 185–190 Nr. 255.
Commons: Severus von Ravenna – Sammlung von Bildern

Anmerkungen

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