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Shahrnush Parsipur

iranische Autorin From Wikipedia, the free encyclopedia

Shahrnush Parsipur oder Schahrnusch Parsipur (persisch شهرنوش پارسی‌پور; * 17. Februar 1946 in Teheran; † 3. Juli 2026[1] bei San Francisco) war eine iranische Autorin.

Shahrnush Parsipur 2023

Leben

Parsipur machte 1973 ihren Abschluss in Soziologie an der Universität Teheran und studierte dann bis 1980 chinesische Sprache und Kultur an der Sorbonne. Bereits im Kindesalter hegte sie den Wunsch, Schriftstellerin zu werden, und hatte bald das Anliegen, die Literatur iranischer Frauen in die Öffentlichkeit zu bringen.[2] Als einflussreiche Lektüren nannte sie später unter anderem Charles Dickens’ Roman Große Erwartungen, Dostojewski, Franz Kafkas Die Verwandlung und das I Ging.[2] In den späten 1960er Jahren veröffentlichte sie ihre ersten Kurzgeschichten. Ihr erstes Buch war Tupak-e Qermez (Der kleine rote Ball, 1969), eine Geschichte für Jugendliche. Ihr erster längerer Roman war Sag va zemestan-e boland (Der Hund und der lange Winter), der 1974 erschien.[3]

Parsipur wurde im Iran insgesamt viermal inhaftiert, einmal während der Herrschaft des Schahs und dreimal nach der Islamischen Revolution von 1979.[4] Eine frühe Haft im Jahr 1976 stand mit Protesten gegen die Geheimpolizei des Schahs in Zusammenhang; 1981 wurde sie nach der Revolution erneut inhaftiert.[3] In den 1980er Jahren war sie ohne formelle Anklage nahezu fünf Jahre inhaftiert.[5] Während einer Haftzeit begann sie den Roman Tubâ va ma’nâ-ye shab; nachdem ihr das beschädigte Manuskript zurückgegeben worden war, verbrannte sie es und schrieb das Buch nach ihrer Entlassung neu.[4]

In den späten 1980er Jahren erhielt Parsipur Aufmerksamkeit in Teheraner Literaturkreisen und mehrere ihrer Geschichten wurden in iranischen Magazinen veröffentlicht. 1989 erschien Tuba und die Bedeutung der Nacht, ein breit angelegter historischer Roman über eine iranische Frau, die gesellschaftlichen Konventionen widersteht.[4] Nach ihrer Entlassung im Jahr 1980 arbeitete Parsipur drei zuvor separat in Teheran erschienene Geschichten um Zarrinkolah, Farrokhlaqa und Mahdokht zu Frauen ohne Männer aus und ergänzte die Figuren Munis und Fa’iza.[2] Die Veröffentlichung von Frauen ohne Männer führte zu einer weiteren Inhaftierung; als besonders anstößig galt die Behandlung von Jungfräulichkeit und weiblicher Sexualität.[5][4] 1990 beendete Parsipur ihr viertes Buch, eine 1000-seitige Geschichte eines weiblichen Don Quijote, das sie Die blaue Vernunft nannte und das bis 1992 unverkäuflich blieb. Das Buch erschien 1994 in den Vereinigten Staaten auf Persisch und später in einem iranischen Exilverlag in Schweden.[6] 1994 trat sie weiterhin mit weiteren 133 Künstlern in einem offenen Brief gegen die Zensur ein.[7]

Shahrnush Parsipur verließ den Iran angesichts der Perspektivlosigkeit eines dortigen Lebens als Schriftstellerin. Seit Mitte der 1990er Jahre lebte sie im Exil in Kalifornien, zuletzt in einer iranischen Gemeinschaft nahe San Francisco.[5]

Werk und Rezeption

Parsipurs Werk thematisiert zumeist die Lebensbedingungen, Wünsche und Handlungsspielräume iranischer Frauen unter patriarchalen und staatlichen Zwängen.[3][5] In Frauen ohne Männer verknüpfte sie die Geschichten von fünf Frauen, darunter eine Lehrerin, eine Hausfrau und eine Sexarbeiterin, die unterschiedlichen Formen männlicher Kontrolle, sozialer Beschämung und Gewalt zu entkommen versuchen.[3][5] Der kurze Roman ist teilweise im August 1953, dem Monat des Umsturzes gegen Ministerpräsident Mohammad Mossadegh, angesiedelt und führt die Figuren in einem Garten bei Karadsch zusammen.[3] Das Buch nutzt magischen Realismus, iranische Allegorie und märchenhafte Motive; der Garten erscheint dabei als zeitweiliger Schutzraum, in dem die Frauen neue Lebensmöglichkeiten erproben.[3][5]

Nach seinem Verbot im Iran zirkulierte Frauen ohne Männer dort im Untergrund und wurde außerhalb Irans breit rezipiert.[3][5] 2026 war das Buch in mehr als 30 Ländern erschienen.[4] Faridoun Farrokhs englische Übersetzung erschien 2011 in den USA und 2026 erstmals im Vereinigten Königreich; im selben Jahr war Women Without Men in der Vorauswahl für den International Booker Prize.[4][3][2] Parsipur betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung literarischer Übersetzungen, weil sie der Leserschaft den Zugang zu anderen Kulturen eröffnen.[2]

Adaptionen

Shahrnush Parsipur (l.) mit Shirin Neshat (2010)

Die iranisch-amerikanische Fotokünstlerin und Filmemacherin Shirin Neshat machte in einer Ausstellung in Berlin Parsipurs Roman Frauen ohne Männer zum Thema einer Filminstallation im Vorfeld eines, anfangs in fünf Teilen geplanten, Spielfilms.[8] Women Without Men (Zanān bedun-e mardān, 95 Min.) feierte seine Premiere 2009 im Wettbewerb der 66. Filmfestspiele von Venedig und wurde mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet.[9]

Werke (Auswahl)

  • Sag va zemestan-e boland (Der Hund und der lange Winter), Roman, 1974
  • Tubâ va ma’nâ-ye shab, Roman, 1989 (deutsche Übersetzung: Scharnusch[sic!] Parsipur: Tuba., aus dem Persischen von Nima Mina, Unionsverlag Zürich 1995, ISBN 3-293-00217-X).
  • Zanan bedun-e mardan (Frauen ohne Männer, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-518-22471-7), Roman, 1990
  • Majerahaye Sadeh va Kuchake Ruhe Derakht (Die kleinen, schlichten Abenteuer des Baumgeistes), Roman, 1999
  • Shiva, Roman, 1999
  • Bar Bale Bad Neshastan (Auf den Flügeln des Windes), Roman, 2002
  • Literatur von und über Shahrnush Parsipur im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Entfernte Nähe. Die Iranreise geht zu Ende. Teil IV. In: kultura-extra.de vom 1. Mai 2004; abgerufen am 7. Juli 2026
  • Shahrnush Parsipur. In: culturebase.net. Archiviert vom Original am 6. April 2017; abgerufen am 7. Juli 2026.

Einzelnachweise

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