Shena Simon
englisch-britische Kommunal- und Bildungspolitikerin, Feministin und Autorin
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Shena Dorothy Simon, Baroness Simon of Wythenshawe, geborene Potter (* 21. Oktober 1883 in Croydon, London; † 17. Juli 1972 in Manchester), war eine englisch-britische Kommunal- und Bildungspolitikerin, Feministin und Autorin.[1]

Leben
Simon war die Tochter von John Wilson Potter (1856–1933), einem schottischen Schiffseigner, und Janet Boyd Potter, geborene Thompson († 1946).[1][2]
Sie wuchs in einer privilegierten, liberalen Familie der oberen Mittelschicht auf. Sie wurde zu Hause unterrichtet, bestand die höhere lokale Bildungsprüfung und studierte von 1904 bis 1907 Wirtschaftswissenschaften am Newnham College in Cambridge. Sie verpasste einen formellen Abschluss, da die Universität Cambridge Frauen erst 1946 das volle Studium gewährte.[3] Sie erhielt einen ad-eundem-Abschluss vom Trinity College Dublin als eine der sogenannten Steamboat Ladies.[4]
Danach begann sie ein Postgraduiertenstudium an der London School of Economics, wo sie eine enge Freundschaft mit Beatrice Webb entwickelte und in Kontakt mit den neuen liberalen Theoretikern Graham Wallas und Leonard Trelawny Hobhouse kam.[1] Eine Dissertation über die Entstehung der Labour Party beendete sie nicht, weil , vor allem weil sie sich auf den Einsatz für Frauenrechte konzentrierte. Sie wurde ehrenamtliche Sekretärin des Legislativausschusses der National Union of Women Workers übernahm.[1] 1911 wurde Shena Potter Sekretärin eines Komitees zum Schutz der Frauenrechte im Rahmen des National Insurance Act 1911 von David Lloyd George.[2] Über Beatrice und Sidney Webb lernte sie Ernest Simon, den Sohn eines wohlhabenden Industriellen, kennen.[5][6] Sie heirateten 1912, und das Paar hatte zwei Söhne, Roger und Brian, sowie eine Tochter, Antonia.[2][7]
Simon gründete die Women Citizens’ Association in Manchester, den lokalen Zweig der National Women Citizens’ Association. Ihr Ehemann war von 1921 bis 1922 Oberbürgermeister von Manchester. Als Bürgermeistersgattin sorgte Simon für Aufsehen, als sie sich weigerte, an einer Veranstaltung im St. Mary’s Hospital for Women teilzunehmen, weil dort keine Frauen im Vorstand oder unter den medizinischen Mitarbeitern vertreten waren.[2]
1926 schenkten Shena und Ernest Simon der Stadt Manchester den Wythenshawe Park, damit die Bewohner des Wythenshawe House ihn nutzen konnten.[8] Simon war der Meinung, dass Parks wichtig seien, und stellte später fest, dass es in Manchester einen gravierenden Mangel an solchen Grünflächen gab.[9] Sie widmete viel Energie der Planung der Wythenshawe-Wohnsiedlung, aber ihre Empfehlungen waren nicht immer praktikabel. So setzte sie sich beispielsweise für Sprossenfenster ein, da diese den Häusern ein cottageartiges Aussehen verliehen, obwohl die Fenster dadurch schwieriger zu reinigen waren. Sie akzeptierte die konventionelle Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen, zumindest für die Arbeiterklasse, wo die Frau den Haushalt führte.[5]
Simon selbst war von 1924 bis 1933 Mitglied des Stadtrats von Manchester, bis sie von den Konservativen abgewählt wurde. Sie war 1929 Mitglied des Royal Committee on Licensing und von 1931 bis 1933 Mitglied des Manchester Estate Council. Von 1932 bis 1933 war sie Vorsitzende des Bildungsausschusses.[2] Ab 1933 war sie als Vertreterin der lokalen Bildungsbehörden aktiv an der Ausarbeitung des Spens Report zur Reform der Sekundarschulbildung beteiligt. Im Ausschuss setzte sie sich nachdrücklich für die Abschaffung der Schulgebühren in Sekundarschulen ein, konnte sich jedoch nicht immer durchsetzen.[10] 1933 gründeten Simon, ihr Ehemann und Eva Hubback gemeinsam die Association for Education in Citizenship.[11]
Ihr Ehemann wurde 1932 zum Ritter geschlagen und 1939 Vorsitzender des Rates der Victoria University of Manchester, er war Sponsor des Baus des Jodrell Bank Observatory und von 1947 bis 1952 Vorsitzender der BBC.[6] Dann Lady Simon wurde sie 1935 Mitglied der Labour Party und wurde 1938 in das Departmental Committee on Valuation of Dwelling Houses („Ausschuss für die Bewertung von Wohnhäusern“) berufen. Sie war sieben Jahre lang Vorsitzende des Unterausschusses für Weiterbildung. 1946 wurde sie Vorsitzende des Bildungsbeirats der Workers Educational Association.[2] 1964 wurde ihr die Ehrenbürgerschaft der Stadt Manchester verliehen.[6] In ihrer Rede zu diesem Anlass sagte sie:
„Happiness, a much more fundamental conception than mere enjoyment or pleasure, depends upon the existence of life and liberty, but it cannot be pursued by the individual unless he has had a chance to develop, first as a child, and then as an adult, all his interests and faculties, varied as they are between each member of society. I do not for a moment suggest that we are even yet in sight of that goal, but that it must be our "guiding light" has been my belief for the forty years that I have been a member of the Education Committee.“
„Glück, ein viel grundlegenderes Konzept als bloße Freude oder Vergnügen, hängt von der Existenz von Leben und Freiheit ab, kann aber vom Einzelnen nur dann angestrebt werden, wenn er die Möglichkeit hatte, zunächst als Kind und dann als Erwachsener all seine Interessen und Fähigkeiten zu entwickeln, so unterschiedlich diese auch zwischen den einzelnen Mitgliedern der Gesellschaft sein mögen. Ich behaupte keineswegs, dass wir dieses Ziel bereits vor Augen haben, aber dass es unser „Leitstern“ sein muss, ist seit vierzig Jahren, seit ich Mitglied des Bildungsausschusses bin, meine Überzeugung.“
Shena Simon starb 1972.[1][2] Am The Manchester College ist der Shena Simon Campus nach ihr benannt.[12]
Veröffentlichungen
Simon war zusammen mit ihrem Ehemann Ernest Simon, William A. Robson und John Jewkes Mitautorin des 1937 erschienenen Buches Moscow in the Making.[13] 1939 veröffentlichte Simon ihr Buch A Hundred Years of City Government, Manchester 1838–1938.[2]
Sie war Autorin mehrerer Broschüren zum Thema Bildung:[2] So veröffentlichte sie 1944 The four freedoms in secondary education. Die Fabian Society veröffentlichte 1945 ihre Broschüre The Education Act, 1944: Provisions and possibilities. In ihrer Broschüre Three Schools or One? (1948) forderte sie die Einrichtung von Gymnasien oder Gesamtschulen.
Literatur
- Charlotte Wildman: Shena Simon: feminism, civic patriotism and the strength of local government. In: John Ayshford, Martin Dodge, H. S. Jones, Diana Leitch und Janet Wolff (Hrsg.): The Simons of Manchester: How One Family Shaped a City and a Nation. Manchester University Press, Manchester 2024, ISBN 978-1-5261-7638-7.