Shi Peipu
chinesischer Künstler, Opernsänger und Spion
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Shi Peipu (chinesisch 时佩璞 Shí Pèipú, auch Shi Pei Pu; * 21. Dezember 1938 in der Provinz Shandong; † 30. Juni 2009 in Paris) war ein chinesischer Opernsänger und Spion. Shi gab sich als Frau aus und unterhielt eine etwa 20-jährige sexuelle Beziehung mit Bernard Boursicot, einem Mitarbeiter der französischen Botschaft in Peking, ohne dass dieser das wahre Geschlecht von jenem bemerkte.

Der Fall sorgte nach der Enttarnung für erhebliche Resonanz, besonders in der französischen Presse, und ist eine lose Inspiration für das Theaterstück und das gleichnamige Filmdrama M. Butterfly.
Leben
Shi war ein Sohn aus einem wohlhabenden Hause und lernte bei französischen Nonnen die französische Sprache. Mit 12 begann er eine Opernausbildung und war ein Meisterschüler des Opernsängers Mei Lanfang. Er wurde mit 18 Jahren als Dan bekannt (Dan bezeichnet hier eine Frauenrolle, die in den früheren Jahren, wie auch hier, von Männern gespielt wurde) und schrieb mehrere Opernstücke. Mao Zedong soll ihn protegiert und „Folgt dem Weg des Shi“ gesagt haben.[1]
Der 26-jährige Shi lernte Bernard Boursicot auf einer Weihnachtsfeier 1964 kennen. Shi war als Mandarin-Lehrer tätig, trug Männerkleidung und behauptete, als Sohn erzogen worden zu sein, da sein Vater es sich so gewünscht habe, und erst kurz vor dessen Tod erfahren zu haben, dass er eine Frau sei. In der Folge entwickelte sich eine heimliche Affäre zwischen beiden. Boursicot, der zuvor nur mit anderen Männern sexuelle Erfahrungen hatte, schöpfte keinen Verdacht. Er hielt Shi für eine Frau, die sich als Mann verkleidete. Nach der Enthüllung sagte Shi, dass er die Täuschung dadurch erreichte, dass er die Hoden in den Leistenkanal schob und sein Glied zwischen die Beine nach hinten zog (Tucking). Boursicot erinnerte sich daran, dass der Geschlechtsverkehr immer nur im Dunklen und äußerst schnell verlief.
Die Beziehung war ein offenes Geheimnis in Pekings Diplomatenkreisen und blieb dem chinesischen Geheimdienst nicht verborgen. So wurde Boursicot kurzzeitig nach Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei, versetzt, als Shi angeblich schwanger geworden war. Der chinesische Geheimdienst nutzte die Gelegenheit aus, um Boursicot zu erpressen. Fotografien des vermeintlichen Sohnes wurden Boursicot zugeschickt mit der Drohung, „Frau“ und „Sohn“ würden in ein Arbeitslager kommen, wenn er keine geheimen Dokumente ausliefere. Den angeblichen Sohn, Shi Dudu (时度度, Shí Dùdù), hatte Shi einer uigurischen Mutter abgekauft und adoptiert. Ob diese Adoption bereits unter Druck der chinesischen Regierung geschah oder von Shi selbst kam, ist nicht bekannt.
Schätzungsweise über 500 Dokumente gab Boursicot an die chinesische Regierung,[2] bis er 1982 für Shi und Shi Dudu ein Aufenthaltsrecht in Frankreich bekam und die drei gemeinsam nach Paris übersiedelten. Ein Jahr darauf wurden beide vom französischen Geheimdienst Direction de la surveillance du territoire wegen des Verdachts auf Spionage festgenommen. Wann der französische Geheimdienst von diesem Fall erfuhr, ist nicht bekannt.

Während der Befragung wurde Shis wahres Geschlecht enthüllt. Nachdem ebenfalls Boursicot davon erfahren hatte, versuchte er, seine Kehle mit einem Rasiermesser aufzuschneiden, aber er überlebte den Suizidversuch. Beide wurden zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt, aber nach einem Jahr vom französischen Präsidenten François Mitterrand begnadigt.
Der Fall erregte in Frankreich großes öffentliches Aufsehen – weniger wegen der Spionage, sondern weil große Neugier bestand, wie ein Mann sich 20 Jahre lang täuschen lassen konnte. Nach der Entlassung weigerten sich aber beide, mehr Details zu verraten als das, was sie bereits vor Gericht ausgesagt hatten.[3] In den Jahren darauf trafen sich beide noch immer gelegentlich, allerdings war die Beziehung kühl, auch wenn Shi nach eigener Aussage Boursicot bis ans Lebensende liebte. 2009 starb Shi im Alter von 70 Jahren[4] und wurde auf dem Cimetière du Père-Lachaise in Paris beigesetzt.