Shi Yongxin
chinesischer Mönche, Abt des Shaolin-Tempels und höchster buddhistischer Würdenträger Chinas
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Shi Yongxin (chinesisch 释永信, Shi Bezeichnung für einen buddhistischen Mönch in China, Yong ewig, immer, xin vertrauen, verlässlich; * 1965 in Yingshang, Provinz Anhui) ist ein ehemaliger chinesischer buddhistischer Mönch und war von 1999 bis zu seiner Absetzung 2025 der 30. inthronisierte Abt des Shaolin-Tempels.[1] Als Abt wurde er international als „CEO-Mönch“ bekannt, weil er den Tempel zu einer weltweit vermarkteten religiösen und touristischen Marke ausbaute.[2] Von 1998 bis 2018 war er Delegierter des chinesischen Nationalen Volkskongresses.[2] Im Mai 2026 wurde er wegen Unterschlagung, Veruntreuung von Tempelvermögen und Bestechungsdelikten zu 24 Jahren Haft verurteilt.[3]
Allgemein
Shi Yongxin wurde als Liu Yingcheng geboren.[3] Yongxin wurde im Jahr 1981 im Alter von 16 Jahren in den Shaolin-Tempel aufgenommen und gehört zur 33. Generation der Shaolin-Mönche. Sein Ziehvater war der damalige Abt des Tempels, Großmeister Xing Zheng. Der Tempel war zu Beginn der 1980er Jahre noch stark von Vernachlässigung und Zerstörungen aus der jüngeren chinesischen Geschichte geprägt.[2] Mit 22 Jahren wurde er zum Vorsitzenden des Selbstverwaltungskomitees des Shaolin-Tempels gewählt und war damals der jüngste führende buddhistische Mönch Chinas. Im Jahr 1999 wurde er im Alter von 34 Jahren zum Abt des Shaolin-Tempels gewählt, der im Jahre 495 n. Chr. von dem indischen Mönch Batuo[4] gegründet wurde. Unter seiner Leitung wurde die Anlage religiös, touristisch und wirtschaftlich erneuert; zugleich verschob sich die öffentliche Wahrnehmung des Tempels zunehmend hin zu einer globalen Marke.[2][1] Yongxin gehört zu einer neuen Generation religiöser Führer der Volksrepublik China, die nach der Kulturrevolution geboren wurden. Er wurde im Jahr 2000 durch die offiziellen chinesischen Medien zu einer der hundert führenden Persönlichkeiten Chinas gewählt, die die Zukunft des Landes im 21. Jahrhundert beeinflussen könnten. Die chinesische Führung legte großen Wert auf die Begleitung des Abts bei Staatsbesuchen im Ausland. Dabei ist er mit zahlreichen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Religion und Sport zusammengetroffen.
Der Abt war in China über Jahre umstritten. Unter anderem machte er im Jahre 2001 von sich reden, als er das Shaolin Village abreißen ließ, eine Ansammlung von Kampfkunstschulen und anderen Geschäften in unmittelbarer Nähe zum Tempel, die jedoch keine oder nur lose Verbindungen zum Tempel hatten. Dies geschah im Einverständnis mit der chinesischen Regierung, aber gegen den Willen vieler der Eigentümer. Die Besitzer der meisten Kampfkunstschulen wurden durch Grundstücke im nahe gelegenen Dengfeng entschädigt und nur eine staatliche Wushu-Schule blieb bestehen. Ein wesentlicher Gegenstand der Kritik war die Kommerzialisierung des Shaolin-Tempels und der Shaolin-Kultur, die unter anderem auf Eintrittsgelder, Markenartikel, Auslandsaktivitäten, Vorführgruppen und Lizenzierungen gestützt wurde.[2][1] Der wirtschaftliche Aufstieg des Tempels wurde auch als Beispiel einer chinesischen „Tempelökonomie“ beschrieben, in der religiöse Stätten zugleich spirituelle Orte, touristische Attraktionen und lokale Einnahmequellen sind.[2]
2015 wurden Ermittlungen gegen ihn eingeleitet. Ein anonymer Denunziant erhob schwere Vorwürfe: Shi Yongxin sei einst einmal wegen Unterschlagung aus dem Kloster geflogen, führe ein Doppelleben mit zwei Ausweisen und habe mehrere Kinder gezeugt. Die Religionsbehörden nahmen Ermittlungen auf, weil der „Ruf des chinesischen Buddhismus“ in Gefahr sei.[5] Eine Untersuchung der Lokalregierung fand damals keine Belege für ein Fehlverhalten, und das Kloster stellte sich hinter ihn.[6] Im Juli 2025 teilte der Shaolin-Tempel mit, dass Shi Yongxin wegen des Verdachts auf missbräuchliche Verwendung von Tempelgeldern und Tempelvermögen sowie wegen Verstößen gegen buddhistische Grundsätze untersucht werde.[1] Die Buddhistische Vereinigung Chinas entzog ihm daraufhin seine Mönchsurkunde und bezeichnete sein Verhalten als schwer schädlich für den Ruf des Buddhismus.[1] Weniger als zwei Wochen später wurde er abgesetzt und aus dem Mönchsstand entfernt.[2] Sein Nachfolger Shi Yinle kündigte nach seiner Einsetzung eine Rücknahme besonders kommerzieller Praktiken an, darunter das Ende kommerzieller Aufführungen, den Verzicht auf teure Weihezeremonien und die Entfernung von Tempelgeschäften.[2]
Im Mai 2026 verurteilte ein Gericht in der Provinz Henan Shi Yongxin zu 24 Jahren Haft.[3] Das Gericht stellte fest, dass er von 2003 bis 2025 Tempelvermögen im Wert von mehr als 282 Millionen Yuan veruntreut oder missbräuchlich verwendet hatte.[3] Zudem wurde ihm zur Last gelegt, seine Stellung bei Tempelbauprojekten zur Erlangung weiterer Zahlungen ausgenutzt und hohe Bestechungsgelder an chinesische Amtsträger gezahlt zu haben.[3] Shi Yongxin hatte seine Schuld zuvor eingeräumt und erklärte nach dem Urteil, keine Berufung einzulegen.[3]
Politische Funktionen
1993 wurde Yongxin in die „Politische Konferenz für Koordination der Provinz Henan“ gewählt. Von 1998 bis 2018 war er Delegierter des chinesischen Nationalen Volkskongresses.[2] Zu seinen weiteren Funktionen zählten Ämter in der Buddhistischen Vereinigung der Provinz Henan und im Chinesischen Nationalen Jugendverband.
Engagements für die Shaolin-Kultur
Zur Shaolin Kultur gehören der Chan-Buddhismus, die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Shaolin Kung Fu, die zusammen ein organisches System bilden. Entscheidend ist dabei der Chan-Buddhismus, der die „Seele“ der Shaolin Kultur ist. Shi Yongxin förderte aktiv den Austausch des Shaolin-Tempels mit dem Ausland. Er eröffnete Tempel in USA, England und in Berlin den Shaolin Tempel Deutschland. Der Berliner Tempel ist der erste Ableger des Muttertempels in Deutschland der im Auftrag von Shi Yongxin von Rainer Deyhle gegründet wurde. Er weihte ihn 2002 persönlich ein und ernannte Shi Yong Chuan im November 2004 offiziell zum Abt des deutschen Shaolin-Tempels.[7] Yongxin sorgte außerdem im Juni 1993 für den ersten offiziellen Kontakt zwischen Buddhisten aus Taiwan und der Volksrepublik China seit über 40 Jahren. Unter seiner Leitung wurden auch Auslandsschulen und reisende Gruppen von Shaolin-Mönchen aufgebaut, die Kung-Fu-Vorführungen außerhalb Chinas zeigten.[3] Zur internationalen Vermarktung gehörten darüber hinaus Produktlizenzen, Franchise-Modelle, Filmproduktionen und der Verkauf von Medizinprodukten.[1] 2006 gründete er die Shaolin-Stiftung, die Waisenkinder unterstützt und sich im Brunnenbau engagiert. Zur selben Zeit wurde auch die Shaolin-Akademie für Malerei und Kalligraphie gegründet. Yongxin ist an der Herausgabe zahlreicher Bücher und Bildbände über die Kultur und Geschichte der Shaolin beteiligt. Zudem veranlasste er die Renovierung und den teilweisen Wiederaufbau des Tempels und zahlreicher Pagoden.
Auslandsreisen
1999 wurde er von Königin Elisabeth II. in London empfangen. Im Jahr 2001 traf er den damaligen Bundesfinanzminister Hans Eichel in Berlin. Im März 2003 war er Mitglied der Delegation des damaligen Präsidenten des Nationalen Volkskongresses Chinas, Li Peng, beim Besuch in Japan. Das Legislature House von California besuchte er im März 2004 auf Einladung des Präsidenten Yu Yinliang. Das Legislature House hat durch einen Beschluss den 21. März zum „Shaolin Temple Day“ erklärt. Seitdem wird Shaolin jährlich in Kalifornien gefeiert. Im November 2004 begleitete der Abt den chinesischen Staatspräsidenten, Partei- und Militärchef Hu Jintao bei dessen Staatsbesuch in Südamerika. Auf Einladung des FIFA-Präsidenten Sepp Blatter war Yongxin 2006 Ehrengast beim WM-Endspiel und der WM-Abschlussfeier in Berlin.[8] Dort traf er die Bundeskanzlerin Angela Merkel, den Außenminister Frank-Walter Steinmeier sowie den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder. Am 8. August 2006 besuchte er Australien und traf Premierminister John Howard.[9] Am 10. November 2006 wurde ihm von der United States Sports Academy/USA der Ehrendoktortitel verliehen. Im April 2007 nahm der Abt an dem 8th Annual Laureus World Sports Awards in Barcelona, Spanien, teil. Dabei kam es auch zu einem Treffen mit dem spanischen König Juan Carlos I.[10]
Berühmte Besucher des Shaolin-Tempels
- Empfang des russischen Verteidigungsministers Ivanov zusammen mit dem chinesischen Verteidigungsminister Chao Gangchuan
- 2004 Jiang Zemin, ehemaliger Staatspräsident und Parteichef Chinas.
- Am 22. März 2006 besuchte der russische Staatspräsident Putin den Shaolin-Tempel.[11]
- Am 9. August 2007 wurde Shi Yongxin von IOC-Präsident Jacques Rogge im Shaolin Tempel in China besucht.[12]
Ehrungen
2005 verlieh ihm die United States Sports Academy in Daphne die Ehrendoktorwürde.[13]
Literatur
Englisch
- Zong Wenlong: Shaolin Abbott Shi Yongxin. Edition Braus, Berlin, 2012, ISBN 978-3-86228-046-9.
- He lin: Handbook for Shaolin Temple Tour. Contemporary China Publishing House, ISBN 7-80170-475-4.
- Collection of Shaolin Kongfu. Shaolin Publishing House.
- Abbot Yongxin: Chan Dew Collection.
Deutsch
- Sabine Kress, Felix Kurz: Die Shaolin-Mönche. Edition Braus, Berlin, 2012, ISBN 978-3-86228-032-2.
- Robert Egger, Hartmut Zwick, Shi Yong Chuan, Sabine Knoll , Matthias Lechner, Sathya Bartkou: Mehr Energie durch Shaolin-Qi Gong. Springer, Wien/New York, 2006, ISBN 3-211-33549-8.
Weblinks
- Offizielle Seite des Shaolin-Tempels (chinesisch/englisch)
- Jamil Anderlini: Lunch with the FT: Shi Yongxin. In: ft.com. 9. September 2011, archiviert vom am 25. September 2011 (englisch, Interview mit Shi Yongxin).
- André Laliberté: Buddhist Revival under State Watch. In: Journal of Current Chinese Affairs. 40, 2011/6 (englisch, ISSN 1868-1026).