Hasegawa Shigure

japanische Schriftstellerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Hasegawa Shigure (japanisch 長谷川 時雨, wirklicher Name: Hasegawa Yasu (長谷川 康子); geboren 1. Oktober 1879 in Nihonbashi, Präfektur Tokio; gestorben 22. August 1941 in Yotsuya (heute: Shinjuku, Präfektur Tokio)) war eine bedeutende japanische Dramatikerin[Anm. 1], Schriftstellerin und Herausgeberin der Meiji- und Shōwa-Zeit.[1] Ihr Lebenspartner war Mikami Otokichi, ein Liebling der Literaturwelt, Playboy und Schreiber von Belletristik. Ihre Schwester Hasegawa Haruko war eine Malerin und Illustratorin. Die beiden Schwestern sind zudem bedeutsame Frauen für die feministische Bewegung in Japan.

Shigure Hasegawa, 1928

Leben

Titelblatt der Nyonin Geijutsu, 1928
Tamura Toshiko (links) und Shigure Hasegawa (rechts)
Grabstätte Shigures

Shigure wurde 1879 al älteste Tochter von Toratarō und Taki Hasegawa im Stadtteil Tōriabura (heute: Ōdenma) geboren. Ihr Vater Toratarō war einer der ersten akkreditieren Rechtsanwälte der Meiji-Zeit und Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Tokio. Ihre Mutter stammte aus einer Familie rangniederer Samurai. Shigure hatte zwei Brüder und vier Schwestern. Vom 5. bis 12. Lebensjahr besuchte sie die Akiyama-Genzen-Volksschule (Terakoya)[1], in der sie neben Rechnen und Lesen in Naga uta, Koto-Spiel, Tanz, Ikebana und Teezeremonie unterrichtet wurde. Vom 14. Lebensjahr an stand sie im Dienst des Markgrafen Ikeda Norimasa, wo sie in Sitten und guten Manieren geschult wurde und abends die Gelegenheit nutzte Bücher zu lesen. Als sie mit 17 an einer Rippenfellentzündung erkrankte, kehrte sie in den elterlichen Haushalt zurück. Ein Jahr später forcierte ihr Vater Shigures Heirat mit dem zweiten Sohn eines Eisenhändlers, mit dem sie in die Tōhoku-Region zog. Die Ehe war glücklos, ihr Mann war ein Spieler, der unentwegt nach Tokio pendelte, seine Frau alleine zurückließ und der letztendlich enterbt wurde. Die Ehe wurde 1905 wieder geschieden und Shigure zog nach Tsukuda, einem Tokioter Stadtteil.

Erste Erfolge

1901 reichte Shigure ein kleines Stück namens Uzumibi (うずみ火, etwa: Glut) bei einem Wettbewerb ein, für den sie den Sonderpreis der Zeitschrift „Onnagaku Sekai“ (女学世界) in Höhe von 10 Yen erhielt.[2] In dieser Zeit verwendete sie neben ihrem richtigen Namen auch Pseudonyme wie Shigure onna, Nananko (奈々子) u. a. 1905 wurde ihr Stück Kaichō-on (海潮音, Klang der Gezeiten)[Anm. 2] bei einem Wettbewerb der Yomiuri Shinbun ausgewählt und ausgezeichnet.

Im selben Jahr wird auch ihr Kabuki-Stück Hanaōmaru (Kyūjitai: 覇王丸, später in revidierter Schreibung 花王丸, Blumenkönig) im Kabukiza aufgeführt.[2] Mit Onoe Kikugorō VI. und Nakamura Kichiemon war die Aufführung hochkarätig besetzt. Ein Novum in der Theaterwelt war, dass nicht nur Fotografien der Schauspieler, sondern auch Fotos von Shigure verkauft wurden. Dass Fotos von einer Frau, die Theaterstücke schreibt, verkauft werden, hatte es bis dahin nicht gegeben.[2] Das Stück wurde daraufhin auch für das traditionelle Tanztheater Butoh adaptiert.

Ihre Bekanntheit nahm schnell zu. Mit Sakura fubuki (さくら吹雪, etwa: Kirschblütensturm), das 1910 unter dem Titel Misao (, Keuchheit) in der Theaterzeitschrift Engei Gahō (演芸画報) publiziert wurde, hatte sie sich als erste Frau und Autorin in der japanischen Theaterwelt einen Namen gemacht. 1911 lief das Stück 20 Tage lang im Kabukiza und wurde von insgesamt 40.000 Menschen gesehen.[2]

Herausgeberin

1916 lernte sie den damals noch weitgehend unbekannten Schriftsteller Mikami Otokichi kennen, mit dem sie zusammenlebte. Zusammen mit Okada Yachiyo gab sie 1923 die Literaturzeitschrift Nyonin Geijutsu (女人芸術, etwa: Frauenkunst) heraus, das nach nur zwei Nummern aufgrund des Großen Kantō-Erdbebens wieder eingestellt wurde.[1] Erst 1928 führte sie die Nyonin Geijutsu für weitere vier Jahre und über 48 Ausgaben bis 1932 fort.[3] Hier publizierte sie auch als Fortsetzungsroman ihre Autobiografie Kyūbun Nihonbashi (旧聞日本橋). Shigures Tätigkeit als Herausgeberin endete jedoch nicht mit der Nyonin Geijutsu. Von 1933 an verlegte sie die Kagayaku kai (輝ク会, scheinende Gesellschaft, später nur noch Scheinen) im Kleinformat. In dieser neuen Zeitschrift wurden auch Beiträge von Männern abgedruckt.[3] Die Zahl der Beitragenden war vielfältig, darunter Tamura Toshiko, Yanagiwara Byakuren, Hiratsuka Raichō, Okamoto Kanoko, Sakanishi Shio, Nakamura Teijo, Mori Mari, Fumiko Hayashi, Sata Ineko, Hirabayashi Taiko, Enchi Fumiko, Shishi Bunroku, Osaragi Jirō und andere mehr.

Als 1936 ihr Lebenspartner Mikami einen Hirninfarkt erlitt, führte Shigure dessen Arbeit an einem Fortsetzungsroman weiter. Mit dem Beginn des Zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs brachte die Kagayaku kai Sonderausgaben für das Militär heraus und unterstützte Hinterbliebene.

Im August 1941 erkrankte Shigeru schwer, sie wurde am 22. August in das Krankenhaus der Keiō-Universität eingeliefert, wo sie am gleichen Tag verstarb. Ihre Grabstätte mit Gedenkstein befindet sich auf dem Gelände des Tempels Sōji-ji.

Werke

Shigures Stücke sind häufig historische Stücke. Daneben schrieb sie aber auch viele biographische Skizzen von Frauen der Meiji-Zeit, beispielsweise über die Schauspielerin Kawakami Sadayakko oder Yanagiwara Byakuren. Die Datenbank der Japan Foundation führt zurzeit keines ihrer Werke in deutscher Übersetzung.

Theaterstücke (Auswahl)

  • 1912 Enji-den (臙脂伝)
  • 1912 Taketori Monogatari (竹取物語)
  • 1912 Aru hi no gogo (ある日の午後, etwa: An jenem Nachmittag), postum 1969 veröffentlicht
  • 1913 Chōji midare (丁字みだれ, etwa: engl. Wavering traces 1996, wankende Spur) - Uraufführung im Ichimuraza
  • 1913 Ashikaga Takeuchi (足利尊氏)
  • 1929 Inu (, Der Hund)

Andere Werke (Auswahl)

  • 1919 Jōnetsu no onna (情熱の女, Leidenschaftliche Frauen), biographische Skizzen von 28 Schriftstellerinnen
  • 1935 Kyūbun Nihonbashi (旧聞日本橋, Alte Geschichten aus Nihonbashi), Autobiographie, Lebenserinnerungen Shigures von 1929 bis 1932
  • 1936 Kindai bijin-den (近代美人伝, Biographien schöner Frauen der Gegenwart)[3]
  • 1937 Shuntaiki - Meiji Taishō josei shō (春帯記 明治大正女性抄, Frühlingsnotizen - Porträts von Frauen der Meiji- und Taishō-Zeit)
  • 1993 Gesamtausgabe ihrer Werke in fünf Bänden, Tokio, Verlag Fuji

Literatur

  • Mara Patessio: Opportunities and Constraints for Late Meiji Women - The Cases of Hasegawa Kitako and Hasegawa Shigure. In: U.S.-Japan Women’s Jour. Nr. 44, 2013, S. 93118 (englisch, JSTOR:42771847 [PDF; abgerufen am 4. Januar 2026]).
  • 長谷川 時雨 - Digitalisate ihre Werke bei Aozora Bunko (japanisch)
Commons: Shigure Hasegawa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Hier sind nicht etwa Dramen im westlichen Sinn gemeint, sondern Kabuki-Stücke.
  2. Nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Gedichtanthologie Kaichō on.

Einzelnachweise

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